ÖPNV in Bad Tölz-Wolfratshausen Ein Ticket für alle

Kreis-Gremien sprechen sich für eine MVV-Verbundraumerweiterung aus und beschließen Resolution an Staatsregierung.

Von Alexandra Vecchiato

Die Tarifreform ist durch. Sowohl Umweltausschuss als auch Kreisausschuss des Kreistags haben die Pläne des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes (MVV) am Montag abgesegnet - vorbehaltlich der Zustimmung der Landeshauptstadt München. Der Landkreis geht noch einen Schritt weiter. Beide Gremien gaben ihr Plazet zu einer MVV-Verbundraumerweiterung. Die Teilung in Nord (MVV-Gebiet) und Süd (RVO-Gebiet) soll aufgehoben werden. Auch hofft Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) die Nachbarlandkreise Miesbach und Weilheim-Schongau mit ins Boot holen zu können.

Der Landkreis ist zweigeteilt: im Süden ist überwiegend der Regionalverkehr Oberbayern (RVO) zuständig für den öffentlichen Personennahverkehr, im Norden geht es nach dem Tarif des MVV. Das erschwert die Nutzung von Bussen, da unterschiedliche Fahrkarten zu unterschiedlichen Preisen von den Bürgern gelöst werden müssen. Eine Ausdehnung des MVV-Tarifgebiets würde günstigere Tickets, ein einheitliches Tarifsystem und ein dichteres Fahrplanangebot nach sich ziehen. Bislang können Bürger nur in den Städten Bad Tölz, Wolfratshausen und Geretsried sowie in den Gemeinden Bad Heilbrunn, Dietramszell, Egling, Eurasburg, Königsdorf und Münsing MVV-Tickets nutzen.

Seit mehr als einem Jahr führe er Gespräche mit den Nachbarlandkreisen, sagte Landrat Niedermaier. Hauptsächlich aus Kostengründen hatten diese bislang einen Beitritt zum MVV abgelehnt. Doch nun gehe zumindest ein Ruck durch den Landkreis Miesbach. Dort drängten die Kommunen nach einer Reform. Kurz vor Weihnachten hätte es ein Treffen mit seinem Miesbacher Kollegen Wolfgang Rzehak (Grüne) und dem MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch gegeben, erzählte Niedermaier. "Der Miesbacher Landrat hat erklärt, dass der Kreis bei einer sofortigen Erweiterung mitmachen würde." Bis es soweit sei, müssten "erhebliche Schritte" abgearbeitet werden.

Die Signale aus dem Kreis Weilheim-Schongau seien indes verhaltener. Dennoch könne er auch dort eine Öffnung für das Thema erkennen. Der MVV habe potenzielle Erweiterungskandidaten unter den Landkreisen zu einem Gespräch eingeladen. Die Weilheimer Landrätin Andrea Jochner-Weiß (CSU) habe ihr Kommen zugesagt. Mit ins Boot geholt werden soll zudem der Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Bad Tölz-Wolfratshausen stehe jedenfalls als Pilotregion für eine Verbundraumerweiterung zur Verfügung, betonte Josef Niedermaier.

Das Ziel, den öffentlichen Personennahverkehr zu verbessern, hat auch der Antrag der CSU-Kreistagsfraktion, der ebenfalls von beiden Ausschüssen einstimmig befürwortet wurde. Die Christsozialen möchten, dass der Kreistag eine Resolution an die Bayerische Staatsregierung und die zuständige Bayerische Eisenbahn-Gesellschaft (BEG) schickt.

Es geht um die Bayerische Oberlandbahn (BOB) und um die Werdenfelsbahn. Die BOB hat seit Langem Probleme mit ihren veralteten Zügen. Beim Fahrzeugwechsel im Jahr 2020 soll daher darauf geachtet werden, dass die BOB die alten "Integrale" und "Talente" gegen die neuen "Lint"-Fahrzeuge austauscht. Ferner sollen zusätzliche Züge bestellt werden, um einen durchgängigen Halbstundentakt anbieten zu können. "Auch am Wochenende", heißt es in dem Antrag. Ebenfalls sei die BEG zu beauftragen, einen umfangreicheren Halbstundentakt auf der Strecke der Kochelseebahn noch vor der nächsten Ausschreibung des Werdenfels-Netzes zu bestellen, um das Umsteigen auf die umweltfreundliche Eisenbahn attraktiver zu machen.

Spätestens mit der Neuausschreibung der Strecken der Werdenfelsbahn von München nach Kochel am See und Garmisch-Partenkirchen sei die Einführung eines durchgehenden Halbstundentaktes - "wo technisch möglich" - zwingend zu berücksichtigen, führte CSU-Sprecher Martin Bachhuber aus. Auch müssten Ausweichstrecken zwischen den Haltepunkten Holzkirchen und Lenggries ausgewiesen werden. Mit "größter Dringlichkeit" müsse die Elektrifizierung auf allen Strecken der BOB vorangetrieben werden.

Da sich der Freistaat spendabel bei der MVV-Tarifreform gezeigt habe, müssten nun Nägel mit Köpfen gemacht werden, so Niedermaier.