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Öffentlicher Nahverkehr:Seid umschlungen, Millionen

Noch fahren im Süden rote RVO-Busse, bald aber sollen es landkreisweit die blau-grünen MVV-Busse sein.

(Foto: Toni Heigl)

Die MVV-Verbundraumerweiterung geht voran, wird den Landkreis allerdings dauerhaft viel Geld kosten.

Der Landkreis ist zweigeteilt. Im Norden gibt es den MVV-Tarif bereits, im Süden dominiert der RVO mit seinen eigenwirtschaftlich geführten Buslinien. Erklärtes Ziel ist es, dass auch dieser Bereich in den MVV eingegliedert wird. Der Kreistag hatte Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) im Februar 2019 beauftragt, die Verbundraumerweiterung vorzubereiten. Ursprünglich wollten sich Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach als Pilotlandkreise für dieses Vorhaben zur Verfügung stellen. Inzwischen sind es neun Landkreise und zwei kreisfreie Städte, die mitmachen wollen.

Sie alle haben Interesse an einer Studie bekundet, die der Freistaat Bayern als Grundlage fordert. Die Studie soll helfen, die "verkehrliche Sinnhaftigkeit" und die durch die MVV-Verbundintegration entstehenden Kosten darzustellen. Denn es geht um viel Geld. Niedermaier sprach von einem siebenstelligen Betrag, den der Landkreis aufbringen müsse - obschon der Freistaat eine Förderung in Höhe von 85 Prozent in Aussicht gestellt hat. Um Zeit zu sparen, hat sich der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen bereit erklärt, im Namen aller Interessenten einen Antrag auf Bewilligung eines vorzeitigen Maßnahmenbeginns zu stellen. Bis alle Beschlüsse in den jeweiligen Gremien gefasst seien, werde es wohl Ende September werden, sagte Niedermaier.

Erfreulich sei, dass nun auch der Landkreis Weilheim-Schongau eine Verbundraumerweiterung positiv sehe. Kreisrat Thomas Holz (CSU) warb dafür, dass nicht nur die Busse in den MVV-Tarif überführt werden, sondern auch Kochelseebahn und BOB nicht vergessen würden. Niedermaier sieht dies ebenso, führte aber aus, dass die Finanzierung noch nicht "ausdiskutiert" sei. Die Einnahmeverluste, die die Bahnbetreiber durch die Einführung des MVV-Tarifs zu erwarten hätten, müssten ausgeglichen werden. "Vom Freistaat." Doch im Haushalt sei noch kein Betrag eingestellt, der sich laut Niedermaier im siebenstelligen Bereich bewege.

Noch ein Thema beunruhige ihn, sagte der Landrat. Das 365-Euro-Ticket für Jugendliche unter 18 Jahren sei eine "Schnapsidee". 2020 soll es auf Wunsch von Ministerpräsident Markus Söder eingeführt werden. 30 Millionen kostet dies. Zwei Drittel trägt der Freistaat, den Rest müssen die Landkreise und die Stadt München übernehmen. Für Bad Tölz-Wolfratshausen allein rechnet Niedermaier zwischen einer halben und einer Million Euro. "Das ist ein halber Punkt bei der Kreisumlage."