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Neuer Antrag geplant:Zum Schutz der großen Bäume

Die Wolfratshauser Grünen argumentieren mit Heimatgefühl und Tradition für eine entsprechende Verordnung.

"Erst alles leer sägen und dann mal schauen", so soll es nach dem Willen der Grünen in Wolfratshausen nicht weiter gehen. Seit Langem bereits fordern sie eine Baumschutzverordnung für die Stadt, vier solcher Anträge liefen jedoch bislang ins Leere. Nun, da durch aktuelle Bauvorhaben mehrere Bäume akut bedroht sind und die Diskussion um ihren Schutz erneut entbrannt ist, bereiten die Grünen einen neuerlichen Antrag vor. Damit der fünfte Anlauf einer Baumschutzverordnung eine Mehrheit finden kann, berieten die Wolfratshauser Grünen am Dienstag die Gründe, die für eine solche Verordnung sprechen.

"Große Bäume prägen das Stadtbild und die Verweilqualität in der Stadt. Sie fördern die Identifikation, das Heimatgefühl und damit die Tradition", sagte Grünen-Sprecher Hans Schmidt. "Das sind Werte, die sich die Christdemokraten und Konservative doch gerne auf die Fahnen schreiben", fügte er an. Ein freiwilliger Schutz der Bäume reicht Schmidt zufolge nicht aus: "Die Menschen brauchen Regeln und Verordnungen als Leitfaden." Natürlich falle es Grundstücksbesitzern schwer, wenn sie nicht uneingeschränkt über ihr Eigentum verfügen können. Allerdings sei das Eigentum auch schon in anderen Bereichen eingeschränkt, zum Beispiel durch Gesetzte respektive Bestimmungen zum Lärmschutz oder zur Reinhaltung von Grundwasser, Abwasser und Luft. Im Grundgesetz heiße es zudem ausdrücklich, dass Eigentum verpflichte und sein Gebrauch zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen solle. "Große Bäume beleben und gliedern das Ortsbild, tragen zur Verbesserung der Lebensqualität und des Kleinklimas bei, fördern, sichern die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes und schaffen einen großen Beitrag zur Luftreinhaltung", zählte Schmidt auf. Darüber hinaus sind sie "ein wesentlicher Bestandteil für den Erhalt der Artenvielfalt durch ihre vielfältigen Lebensräume."

Für Schmidt trifft das Argument nicht zu, dass Bäume besser über Bebauungspläne geschützt werden. So regelt es beispielsweise Icking. "In Wolfratshausen ist mehr als die Hälfte der bebauten Flächen ohne Bebauungsplan. Das bedeutet, dort kann beliebig mit den Bäumen umgegangen werden, wenn keine Schutzverordnung kommt." Ein Bebauungsplan habe oft mehrere Jahrzehnte Gültigkeit. In dieser Zeit seien Bäume nicht geschützt, wenn sie etwa zum Zeitpunkt der Erstellung noch zu klein waren, um als schützenswert festgesetzt zu werden. Die Änderung respektive die Erstellung eines Bebauungsplans sei sehr zeit- und arbeitsintensiv. Für Schmidt steht deshalb fest: "Der Aufwand für Baumschutz in Wolfratshausen über Bebauungspläne ist unverhältnismäßig hoch."

Derzeit würden laut der Grünen viele Bäume im Stadtgebiet unsachgemäß beschnitten und verkrüppelt. Auch solcherlei Missstände könne eine Baumschutzverordnung verhindern. Zudem seien darin auch Verkehrssicherungspflichten festgelegt. Diese verhinderten, "dass von Bäumen Gefährdungen ausgehen", erklärte Schmidt.

Das Argument, dass vor der Verabschiedung einer solchen Schutzverordnung viele Bäume erst recht umgesägt würden, konnte er nicht nachvollziehen: "In den umliegenden Kommunen wie etwa Geretsried, Pullach, Schäftlarn oder Starnberg wurde dies nicht beobachtet".

Für den Fall, dass Grundstückseigner doch zu solchem Mittel greifen, "würden sie dies auch skrupellos ohne Baumschutzverordnung tun, um ihr so verstandenes Recht auf Eigentum zu verteidigen", mutmaßte Schmidt. Aus der Versammlung kam zudem die Idee eines Belohnungssystems auf. Ähnlich wie Eigner von denkmalgeschützten Häusern für den Mehraufwand beim Erhalt Förderungen erhalten können, wollen die Grünen dies auch für Baumbesitzer eruieren.

Schmidt warf zudem die Idee von Baumpatenschaften in die Runde. Nun werden die Grünen zunächst mit den Fraktionsspitzen über den Antrag sprechen und ihn daraufhin "auf jeden Fall einbringen", wie Schmidt schloss.