Aus Geretsried für die Welt:Wie ein professioneller Lego-Bauer arbeitet

Aus Geretsried für die Welt: Marius Herrmann studiert in München Japanologie und Informatik in der Richtung Games Engineering, doch seit sechs Jahren ist er zudem auch Unternehmer und Designer. Im ehemaligen Besprechungsraum des Büros seiner Eltern baut er Lego-Figuren, die weltweit gefragt sind.

Marius Herrmann studiert in München Japanologie und Informatik in der Richtung Games Engineering, doch seit sechs Jahren ist er zudem auch Unternehmer und Designer. Im ehemaligen Besprechungsraum des Büros seiner Eltern baut er Lego-Figuren, die weltweit gefragt sind.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Marius Herrmann designt mit den bunten Bauklötzen die unterschiedlichsten Figuren, die weltweit als Werbefiguren oder für Spots und Filmproduktionen zum Einsatz kommen.

Von Paulina Porer

Mit vier Jahren angefangen und nie wieder aufgehört. Früher hat Marius Herrmann, heute 24, mit Lego-Sets gespielt und die bunten Bauklötzchen nach Anleitung zusammengesetzt. Er hatte eine Kiste, in der alle seine Lego-Sachen verstaut waren, "aber das hat nicht sonderlich lang gehalten", erinnert er sich. Denn mit etwa elf Jahren hat er begonnen, Lego-Modelle nach seiner eigenen Vorstellung zu bauen. Er begann mit einem drei- oder vierstöckigen Hotel, dem dann vorwiegend Figuren und Fahrzeuge aus Videospielen und Filmen folgten. Dazu bestellt er sich die Bausteine von einer Webseite, die vergleichbar mit Ebay sei, "aber nur für Legosteine", erklärt er. So wurden aus der einen Lego-Kiste vier Regale, in denen heute die Steine in Kleinteilemagazine sortiert sind, und der ehemalige Besprechungsraum des Büros seiner Eltern wurde zu seinem Lego-Zimmer, erzählt der Geretsrieder.

Während er in München Japanologie und Informatik in der Richtung Games Engineering studiert, verkauft er seit sechs Jahren auch seine eigens designten Modelle und bearbeitet Aufträge von Unternehmen. Aktuell ist er noch mit der Anleitung für eine Figur beschäftigt, die er für einen taiwanischen Computerhardwarehersteller angefertigt hat. Nach Vorlage eines digitalen 3-D-Modells, hat er das Maskottchen der Firma als Lego-Figur nachdesignt. "Es ist im Prinzip eine Menschenfigur mit riesen Flügeln und einem adlerähnlichen Kopf, ein bisschen wie ein ägyptischer Gott in dieser Form", beschreibt er das Modell.

Da er nicht garantieren kann, dass es den Transport nach Taiwan übersteht, ohne kaputt zu gehen, brauche es zusätzlich die Anleitung. Dafür nimmt er die ganze Figur wieder stufenweise auseinander und baut sie in einem Programm digital nach, sodass dann Bilder die verschiedenen Schritte des Zusammenbaus in der richtigen Reihenfolge erklären. "Das ist dann eher eine aufwendige Arbeit, die nicht mehr wirklich Spaß macht, aber halt notwendig ist."

Dass Menschen nur Anleitungen für Modelle verkaufen, sei in der Lego-Community sehr beliebt, sagt er. Dem Geretsrieder mache aber besonders die kreative Designarbeit Spaß. Die meisten Modelle, die er baut, bestehen aus etwa 2000 bis 3000 Teilen. Figuren in Lebensgröße, so wie es sie im Freizeitpark Legoland zu sehen gibt, möchte er nicht bauen. "Ab der Größe baut man im Prinzip nicht mehr mit der ganzen Legosteinepalette, sondern nur noch mit den Standardsteinen und das mag ich nicht, weil ich sehr darauf poche, möglichst kreative und ausgefallene Lösungen für Modelle zu finden." Was zu der Tätigkeit aber auch gehöre, sei das stundenlange Suchen in Datenbanken nach den passenden Teilen, denn davon gibt es mehrere Hunderttausend, wenn man auch die Farben miteinbezieht.

Aus Geretsried für die Welt: Im ehemaligen Besprechungsraum des Büros seiner Eltern baut Herrmann Lego-Figuren, die weltweit gefragt sind.

Im ehemaligen Besprechungsraum des Büros seiner Eltern baut Herrmann Lego-Figuren, die weltweit gefragt sind.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Das ursprüngliche Stecksystem von Lego habe sich nie geändert, erklärt Herrmann. So könne er die Teile, mit denen er als Kind spielte, heute immer noch verwenden. "Dadurch ist in meinem Kopf sozusagen eine interne Datenbank an Teilen, von denen ich weiß, dass es sie gibt und ich sie verwenden kann." Trotzdem müsse er sich auf dem neuesten Stand halten, denn es kämen ständig neue Lego-Sets heraus, die neue Farben und Formen beinhalteten. Wie zum Beispiel das Set, mit dem sich ein Bonsai bauen lässt und das Herrmann dazu inspiriert hat, einen solchen Baum in natürlicher Größe zu bauen. Lego habe nämlich einmal halb zerbrochene Eierschalen-Formen herausgebracht, sagt er. "Ich habe dieses Teil vor Jahren gesehen und mir gedacht, das sieht perfekt aus für eine Blüte" - eine Idee, die er seither im Hinterkopf hatte. Daraus wurde dieses Jahr ein Lego-Bonsai mit Kirschblüten.

Die Ideen, Themen und der Stil der Lego-Bauer variiere von Land zu Land, erzählt der Geretsrieder Herrmann. "In Amerika sind zum Beispiel eins zu eins Nachbauten von Waffen sehr verbreitet. In Europa, vor allem in Deutschland ist Eisenbahn oder Stadtlandschaft mit Eisenbahn mega beliebt." Sich mit Menschen der Lego-Gemeinschaft aus den unterschiedlichsten Ländern vernetzen zu können, das findet der Geretsrieder besonders spannend.

Wenn er Menschen von seinem Hobby erzähle, blicke er anfangs meist in etwas verdutzte Gesichter, sagt er. Sie seien aber alle schnell begeistert, wenn sie genau verstehen, was er mit den Legosteinen macht und damit sogar Geld verdient. "Das Coolste ist eigentlich, dass alle sofort anfangen, von ihren eigenen Erfahrungen mit Lego zu erzählen", sagt Herrmann. Oft komme dann auch die Frage, ob er sich in Zukunft nicht stärker auf die Arbeit mit den kleinen Spielsteinen fokussieren möchte. Da ist sich der 24-Jährige aber noch nicht sicher. "Für mich ist erst einmal wichtig, mein Studium abzuschließen, und dann werde ich mir überlegen, ob ich in Lego mehr Zeit investiere oder was anderes mache, ob ich vielleicht auch zu Lego selbst gehe und da zum Beispiel designe."

© SZ vom 04.08.2021/wean
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