München:Tatendrang im Tierpark

München: Begegnungen auf Augenhöhe: Im Tierpark Hellabrunn sind wieder zahlreiche Besucher - täglich dürfen es maximal 8740 sein.

Begegnungen auf Augenhöhe: Im Tierpark Hellabrunn sind wieder zahlreiche Besucher - täglich dürfen es maximal 8740 sein.

(Foto: Stephan Rumpf)

Noch gelten Einlassbeschränkungen, aber die Besucher strömen wieder nach Hellabrunn. Dem Zoo helfen die Einnahmen, denn in nächster Zeit stehen einige Großprojekte an.

Von Thomas Anlauf

Otto taucht ab. Nur noch der Hintern ragt über die Wasseroberfläche, dann spitzt der kleine Rüssel wieder in die Luft. Mutter Temi und eine Tante schauen dem kleinen Elefanten geduldig vom Ufer aus zu, wie er übermütig seine Mittagswäsche vollzieht. Er nimmt einen Rüssel voll aus einem der Wasserfälle im Elefantengehege und spritzt ihn sich auf den Rücken. Dutzende Kameras sind auf Otto gerichtet, er ist derzeit die Attraktion in Hellabrunn. Und die Menschen strömen wieder in den Tierpark, nach so vielen Monaten der Stille. Tierparkchef Rasem Baban sieht an diesem ersten Dienstag seit Beginn der Sommerferien erleichtert aus. Da es nach wie vor Einlassbeschränkungen gibt, "können wir noch keine schwarzen Zahlen schreiben, aber die Zahlen sind nicht mehr ganz so rot", sagt er.

München: Es gibt viel zu entdecken: Von Elefantenbabys, die im Wasser plantschen...

Es gibt viel zu entdecken: Von Elefantenbabys, die im Wasser plantschen...

(Foto: Stephan Rumpf)

Das liegt an der Unterstützung der Stadt, die den Tierpark mit acht Millionen Euro stützte, sodass die Geschäftsbilanz ausgeglichen war. Es sei nicht selbstverständlich, dass "uns die Landeshauptstadt auch in schlechten Zeiten beiseite steht", räumt Baban ein. Schließlich muss die Stadt mit enormen Einnahmeausfällen kämpfen, trotzdem kam die Finanzspritze von der Stadt und nicht etwa vom Freistaat, betont der Tierparkdirektor. Das Geld war auch dringend nötig, sonst wäre der Fortbestand von Hellabrunn womöglich in Gefahr geraten. Schließlich musste der Tierpark im vergangenen Jahr 116 Tage lang geschlossen bleiben, in diesem Jahr ging es eigentlich erst Anfang Mai wieder vorsichtig los. Statt 2,7 Millionen Besucher kamen im vergangenen Jahr lediglich 750 000. Auch die Pachteinnahmen waren während der Hochphase der Pandemie weggebrochen. Aber jetzt sei "ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen", so Baban.

Der 55-jährige Architekt und Zoodirektor blickt ohnehin lieber nach vorne. Denn in dem weitläufigen Gelände gibt es viele Baustellen. Die größte derzeit ist die künftige Löwenanlage. Anfang Dezember vergangenen Jahres gab es gemeinsam mit Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD), die auch Aufsichtsratsvorsitzende des Tierparks ist, den ersten Spatenstich für die 2400 Quadratmeter große Anlage. Dorthin sollen im kommenden Frühsommer die Löwen Benny und Max ziehen. Sie werden dort ein deutlich größeres Gehege vorfinden als bisher in der Dschungelwelt, die dringend saniert werden muss. Das Zeltdach der tropischen Anlage war im vergangenen Sommer bei einem örtlichen Hagelschauer schwer beschädigt worden, mehr als eintausend Löcher rissen die Hagelkörner in die Dachkonstruktion. Das Dach muss nun komplett erneuert werden, ebenso die Haustechnik mit der aufwendigen Heizungsanlage. Die Sanierung beginnt natürlich erst, wenn Benny und Max umgezogen sind. Auch wenn die beiden Löwen an diesem Dienstag ziemlich faul auf der Wiese vor der Dschungelwelt liegen, wäre das für die Bauarbeiter lebensgefährlich. Doch die tropische Pflanzenwelt bleibt auch während des Umbaus und muss nachts und bei kühlem Wetter geheizt werden. "Das ist schon eine Herausforderung", sagt Baban.

München: ... bis hin zum Schwarzstorch.

... bis hin zum Schwarzstorch.

(Foto: Stephan Rumpf)

Einige Schritte weiter gibt es eine Ecke, die bereits weitgehend umgestaltet worden ist: In der Pinselohrschwein-Anlage können Marie, Matilde und Leopold nun genüsslich im neuen Sand wühlen, sich an umgelegten Baumstämmen scheuern oder auch hinüber zur kleinen Insel schwimmen, die nun für die Tiere angelegt worden ist. Auch ein kleiner Laufsteg soll entstehen - allerdings nicht für die Schweine, sondern für die Besucher, damit sie den Viechern noch näher als bisher kommen.

Einer von Rasem Babans Lieblingsorten im Tierpark ist aber die Großvoliere, die 1980 von Olympiadach-Schöpfer Frei Otto gemeinsam mit Jörg Gribl geschaffen wurde. Es ist bis heute eine der größten Freiflugvolieren Europas und auch nach vier Jahrzehnten nahezu wartungsfrei. Für Baban bedeutet das eine Baustelle weniger.

Während der Sommerferien müssen Tickets vorab online über München Ticket gebucht werden.

© SZ vom 04.08.2021
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