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Lenggries/Holzkirchen:Demo gegen neue BOB-Züge

BOB Bayerische Oberlandbahn

Die alten Züge der BOB am Bahnhof Bad Tölz (Symbolbild).

(Foto: Manfred_Neubauer)

Behindertenverbände kritisieren mangelnde Barrierefreiheit.

Von Florian Zick

Seit Ende Juli ist die Bayerische Oberlandbahn (BOB) zwischen München und dem Voralpenland nur noch mit Zügen vom Typ Alstom Coradia Lint 54 unterwegs. Diese haben eine moderne Klimaanlage, Wlan-Anschluss und große Panoramafenster. Im Vergleich zum Vorgängermodell "Integral" haben die Lint-Züge jedoch einen entscheidenden Nachteil: Der Abstand zwischen Zug und Bahnsteigkante ist recht groß. Rollstuhlfahrer sind deshalb wieder darauf angewiesen, dass ihnen der Zugbegleiter mit einer Rampe hilft.

Für Freitag, 21. August, ruft der Verein "Ungehindert" deshalb von 11.30 Uhr an zu einer Demo vor der BOB-Zentrale am Bahnhofsvorplatz in Holzkirchen auf. Unter dem Motto "Ungehindert unterwegs" will der Verein dann für eine Nachbesserung bei der Barrierefreiheit bei den Lint-Zügen demonstrieren. Markus Ertl, sehbehinderter Gemeinderat aus Lenggries und zugleich stellvertretender Vorsitzender des Ungehindert-Vereins, findet, dass es im Jahr 2020 für alle Fahrgäste möglich sein muss, eigenständig und selbstbestimmt in einen Zug zu kommen - auch für Menschen mit Behinderung. "Jetzt muss man sich immer melden, wenn man rein oder raus will", sagt Ertl. Zudem sei der Rollstuhlplatz in den Lint-Zügen direkt neben der Toilette. "So wird man als Behinderter zum Fahrgast 3. Klasse gemacht", schimpft Ertl.

Die Organisatoren der Demo stellen sich eine Art Sternfahrt vor. In Lenggries zum Beispiel muss man um 9.47 Uhr in die BOB einsteigen, um rechtzeitig in Holzkirchen anzukommen. In Obergrieß, Gaißach, Bad Tölz und Reichersbeuern immer jeweils einige Minuten später. Auf dem Tegernsee-Ast beginnt die Fahrt an der Endhaltestelle um 9.52 Uhr, in Bayrischzell um 9.32 Uhr. Und in München reicht es, wenn man in den Zug um 10.04 Uhr steigt.

Ertl hofft, dass sich Behindertenvertreter, Fahrgastverbände und auch Politiker an der Demonstration beteiligen werden, um dem Anliegen mehr Gewicht zu verleihen. Dabei gehe es aber nicht nur um die Lint-Züge, sondern ganz allgemein um die Situation von Behinderten in Zügen. Der ICE 3 zum Beispiel sei für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen auch nicht optimal, so Ertl. Man müsse deshalb die Aufmerksamkeit grundsätzlich mehr auf das Thema Barrierefreiheit lenken.

Ertl rechnet bei der Demo mit mindestens 100 Teilnehmern. "Die Resonanz ist groß", sagt er. Schon bei der Vorstellung der Lint-Züge hätten Behindertenverbände ihre Einwände kundgetan, damals habe man allerdings kein Gehör gefunden. "Dieses mal wird man uns aber nicht mehr überhören können", verspricht Ertl.

© SZ vom 12.08.2020 / zif

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