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Kommunalwahl 2020:Fürst und fröhlich

Christian Fürst will in Schäftlarn Matthias Ruhdorfer beerben.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Schäftlarns CSU-Bürgermeisterkandidat sprudelt vor Ideen

Man hätte schier meinen können, es ginge um den Weimarer Vertrag im Spiegelsaal von Versailles. So voll war es am Mittwochabend im hinteren Raum der Pizzeria in Ebenhausen. Warum sich dort um die 80 Menschen versammelt haben? Christian Fürst, Bürgermeisterkandidat der CSU, hat sich und die Listenkandidaten seiner Partei für Schäftlarn vorgestellt.

"Ich bin Christian, 43 Jahre, ledig, in Zell aufgewachsen", begann Fürst mit einem Strahlen im Gesicht. Seit dem 14. Lebensjahr ist er bei der Feuerwehr, seit dem 25. Lebensjahr im Gemeinderat. "Seither setze ich mich für eine moderate und maßvolle Entwicklung der Gemeinde ein", sagte der studierte Politikwissenschaftler, der als Büroleiter von Noch-Familienministerin Kerstin Schreyer arbeitet.

Was folgte, war eine 45-minütige, enthusiastisch vorgetragene Rede, die Fürst nur einmal für einen Schluck Wasser unterbrach und bei der er hinterher gestand: "Eigentlich waren nur 25 Minuten geplant." Fürst will den Dorfkern und leer stehende Gebäude und Wirtshäuser wiederbeleben, zudem Bahnhofsparkplätze, Fahrradwege und ein Ärztehaus bauen. Was außerhalb der Zuständigkeit der Gemeinde liegt, will der Schäftlarner mit Worten angehen. Da wären zum Beispiel die S-Bahn-Verspätungen: Fürst verkündete, er wolle "der Bahn und der MVG mal klarmachen, dass man dringend Abhilfe braucht".

Die Halle der Grundschule soll, wenn es nach Fürst geht, künftig nur dem Schulsport dienen. Eine kleine Mehrzweckhalle soll neu gebaut werden: gut erreichbar und zugleich - wegen der Lärmbelastung - fernab der Wohngebiete. Der CSU-Politiker sagte, er wolle der Umwelt zuliebe neue Bauflächen vermeiden. Ein etwa 10 000 Quadratmeter großes Grundstück steht jedoch auch auf seiner Wunschliste: "Für ein kleines Gewerbegebiet, damit uns die Firmen nicht abwandern."

Dem Siedlungsdruck, sagte Fürst, wolle er nicht zu sehr nachgeben: "Ich sehe Schäftlarn nicht als Wachstumsgemeinde an." Auf einen wachsenden Bedarf an Kinderbetreuung müsse Schäftlarn dennoch reagieren können. Eine gute Kinderbetreuung sei wichtig. Für diese Aussage erntete Fürst Applaus. Beifall gab es auch, als er sich zur Umgehungsstraße äußerte: "Man wird bei dem Thema Kompromisse eingehen müssen, sonst geht da nichts weiter." Der Kommunalpolitiker sprach sich für eine Lösung aus, "mit der der größere Teil der Gemeinde leben kann".

Fürsts Liste war lang. Während die Kellner des Ristorante Il Brigante hektisch Wasser in dem heißen Saal verteilten, mochte sich der ein oder andere Schäftlarner gefragt haben, wie sich die vielen unterschiedlichen Ideen des Bürgermeisterkandidaten umsetzen lassen. Vielleicht verkündete Fürst deshalb am Ende seiner Rede: "Diese Sachen wird man nicht alle innerhalb von sechs Jahren umsetzen können, so reell bin ich auch."

Auf die Nachfrage, wie er seine Ideen finanzieren wolle, antwortete der 43-Jährige, er wolle Firmen und Büros in Schäftlarn halten, um weiter hohe Erlöse bei der Mehrwertsteuer zu haben. Eine Prioritätenliste sei außerdem wichtig. Als vordringliche Themen nannte er die Mehrzweckhalle, den Verkehr und den fehlenden Wohnraum. Es sind diese drei Themen, die alle Gruppierungen in Schäftlarn vor der Kommunalwahl nennen. Worin also unterscheidet sich Fürst von anderen?

"Ich bin jemand, der sehr pragmatisch an Themen rangeht", sagte er der Süddeutschen Zeitung, "und jemand, der offen und ehrlich sagt, was geht und was nicht." Dank seiner langjährigen Arbeit im Gemeinderat kenne er die Verwaltung sowie die Wünsche und Anliegen der Bürger. "Mein Steckenpferd ist, dass ich sehr gerne mit Menschen in Kontakt bin", sagte Fürst.

Diese Eigenschaften schrieb ihm auch Maximilian Urban zu. "Christian hört sich alles an, stundenlang, das ist unglaublich", sagte der CSU-Kandidat, der auf Listenplatz 3 antritt. Er fuhr fort: "Er hat zu allem eine Meinung und kann sie auch begründen." Urban, ein 30 Jahre alte Polizist, lobte die bisherige Arbeit der CSU im Gemeinderat: "Wir haben keine Luftschlösser gebaut. Wir waren nicht ideologisch."

Als eine von fünf Frauen auf der CSU-Liste steht Susanne Dichtl auf Platz 2. Seit zwölf Jahren ist sie Dritte Bürgermeisterin in Schäftlarn. "Es kommen ganz viele junge Leute neu in den Gemeinderat", sagte die baldige Rentnerin, "da würde ich gerne meine Erfahrung einbringen". Matthias Ruhdorfer, seit 18 Jahren Schäftlarns Bürgermeister, geht in diesem Jahr ebenfalls in Ruhestand. Für den Gemeinderat tritt er aber noch einmal an - jedoch nur auf Listenplatz 20.

Die Liste der CSU in Schäftlarn für die Kommunalwahl 2020: 1. Christian Fürst, 2. Susanne Dichtl, 3. Maximilian Urban, 4. Dominic Stoiber, 5. Thomas Gebauer, 6. Michael Geisenhofer, 7. Irene Schrag-Presti, 8. Stefan Höne, 9.Christian Doll, 10. Regina Böck, 11. Robert Lutz, 12. Martin Schmid, 13. Christina Kopp, 14. Michael Spägele, 15. Martin Ruhdorfer, 16. Ingrid Aranzabal Delgado, 17. Valentin Berger, 18. Robert Seitz, 19. Alexander Kaiser, 20. Matthias Ruhdorfer.

© SZ vom 17.01.2020
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