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Königsdorf:Den Hinterliegern soll's nicht nass reingehen

Die Stiftung Nantesbuch will das Haselbachtal renaturieren. Der Gemeinderat Königsdorf billigt dies mit großer Skepsis.

Die Stiftung Nantesbuch will den Haselbach renaturieren, der zwischen dem Königsdorfer Ortsteil Schönrain und dem Bad Heilbrunner Ortsteil Mürnsee fließt. Doch die geplante Wiedervernässung des Haselbachtals stößt nicht bei allen Gemeinderäten in Königsdorf auf Gegenliebe. Die letztlich äußerst knappe Befürwortung mit acht zu sieben Stimmen in der Gemeinderatssitzung am Dienstag setzte ein deutliches Signal der Skepsis. Denn einige Gemeinderäte befürchten, dass nicht nur direkte Anrainer, sondern auch Hinterlieger mit drainierten Flächen unmittelbar betroffen sein könnten, wenn sich im Zuge der Wiedervernässung die Fließgeschwindigkeiten im Haselbach änderten und dadurch Schäden an der Flur und in der Bewirtschaftung entstünden.

Zwar wurde der letztlich positive Beschluss an die Bedingung geknüpft, dass im Fall von Schäden über Tauschflächen verhandelt werden soll - doch ob das jemals rechtlich bindend beziehungsweise die Ursache eindeutig auf die Renaturierung zurückzuführen sein wird, bezweifelten die Räte.

Das Thema kochte am Dienstag hoch, weil in der Gemeinderatssitzung ein entsprechender Antrag der Stiftung zur Diskussion stand. Für die Wiedervernässung ist eine wasserrechtliche Genehmigung erforderlich. Auf dem entsprechenden Plan, der nun der Gemeinde vorlag, ist ersichtlich, dass die Stiftung den Lauf des Haselbachs wiederherstellen möchte, und zwar so, wie er auf historischen Karten aus dem Jahre 1811 dokumentiert wurde. Zu diesem Zweck soll die Bachsohle, die damals etwa 20 Zentimeter höher lag als heute, nördlich der Brücke über den Haselbach auf das ursprüngliche Niveau angehoben werden, also um jene 20 Zentimeter.

Alle Flächen in dem zur Renaturierung geplanten Abschnitt befinden sich im Besitz der Stiftung Nantesbuch, sie werden als Weideland bewirtschaftet. Somit seien "keine Auswirkungen der Maßnahmen auf Nachbarn beziehungsweise Anrainer im Ober-und Unterlauf zu befürchten". Zu diesem Schluss war die Stiftung in ihrem Antrag gekommen. Die seitlich zufließenden Gräben und der Zufluss des Auer Bachs bleiben unverändert bestehen. "Rückstaue in den Oberlauf sind aufgrund der Topografie ebenso wenig zu erwarten wie eine Erhöhung der Hochwassergefahr im Unterlauf des Mühlbaches", hieß es im Antrag weiter. In einer E-Mail hatte die Stiftung zudem der Gemeinde versichert: "Sollten Beeinträchtigungen benachbarter Grundstücke wider Erwarten auftreten, dann wird die Stiftung für die entstandenen Schäden haften."

Königsdorfs Zweiter Bürgermeister Sebastian Seidl (CSU) sah dennoch "eine große Gefahr, dass die Hinterlieger geschädigt werden". Auch Rainer Kopnicky (FW) war "ein bisschen schaumgebremst", also zurückhaltend mit seiner Begeisterung für den Antrag. Zum einen gab er zu bedenken, dass der Landwirtschaft immer mehr Flächen entzogen würden. "Und ich bin mal gespannt, wie in fünf oder zehn Jahren noch der Nachweis erbracht werden kann, dass Flurschäden durch die Wiedervernässung verursacht wurden." Er warnte deshalb "ausdrücklich davor, sich mit dem einen Satz im Beschluss in Sicherheit zu wiegen". Hans Hartl (CSU) war sich sicher, "dass es nichts bedeutet, wenn wir das reinschreiben". Trotzdem wollte er ein Zeichen setzen: "Da noch dafür sein - nein!" Bernhard Woisetschläger (UBL) hingegen betonte, "es gibt mehr Niederschläge, wir brauchen also Retensionsflächen. Und Renaturierung im eigenen Bereich, da darf man nicht dagegen sein".

© SZ vom 22.12.2016
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