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Klimaschutz:Nicht ohne Hackschnitzel

Schäftlarn verzichtet bei Neubau auf Nahwärmeversorgung

Auch mit den besten Absichten ist Klimaschutz nicht einfach. Die Gemeinde Schäftlarn, die am integrierten Klimaschutzkonzept des Landkreises München beteiligt ist, versucht seit Jahren, bei Neubauten eine Nahwärmeversorgung einzurichten, am liebsten in Form einer Hackschnitzelheizung. Doch bisher ist es nicht gelungen, bei der Wärmeerzeugung auf nachwachsende Rohstoffe zu setzen, und auch beim jüngsten Projekt am Stehbründlweg am nördlichen Ortsausgang von Hohenschäftlarn wird es kein Fernwärmenetz geben. Dort sollen Wohnungen für bis zu 100 Menschen entstehen. Einen Teil davon baut die Gemeinde selbst. In der Planung kam die Idee auf, dort ein Nahwärmenetz aufzubauen, am liebsten mit einer Hackschnitzelheizung und womöglich einem Blockheizkraftwerk, das Wärme und Strom hätte erzeugen können.

Dazu wird es jedoch nicht kommen. Der Gemeinderat hat kürzlich mehrheitlich entschieden, es jedem Bauwerber zu überlassen, wie er sein Haus beheizen will. Grund für den Sinneswandel sind Berechnungen des Bayerischen Kommunalen Prüfungsverbands und einer Steuerkanzlei. Sie erfolgten im Auftrag der Gemeinde im August und September und ergaben laut dem Bericht von Bürgermeister Matthias Ruhdorfer (CSU), dass sich ein Anschluss an das Nahwärmenetz weder für die Besitzer benachbarter, schon bestehender Häuser noch im Neubaugebiet lohnen würde, und das weder finanziell noch im Hinblick auf den Energieverbrauch. Die Gemeinde schaltete daraufhin den gemeinnützigen Verein Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk (Carmen) ein.

Er kümmert sich um nachhaltige Nutzung von Ressourcen im ländlichen Raum. Wegen der unterschiedlichen Voraussetzungen im Bestand und im Neubaugebiet konzentrierte sich Carmen Ruhdorfer zufolge auf das Neubaugebiet.

Würde die Gemeinde dort eine Heizanlage bauen, wären die Investitionen niedriger, die Trassen kürzer und die Netzverluste geringer als bei einem Netz, das auch den benachbarten Bestand versorgt. Wegen des geringen Wärmebedarfs der sehr gut isolierten Neubauten würde eine Hackschnitzelheizung aber nicht funktionieren, sondern nur eine mit Pellets betriebene. Eine Anlage mit Pellets statt Hackschnitzeln wollte die Mehrheit des Gemeinderats aber nicht. "Pellets widersprechen dem, was wir wollen", sagte Georg Lang (CSU): "Kurze Wege, Wertschöpfung in der Region. Pellets aus Kasachstan helfen uns nicht." Christian Lankes (Grüne) erwiderte, es stimme nicht, dass man Pellets nicht aus Bayern bekommen könne. Die Mehrheit schloss sich Lang an: "Wenn Hackschnitzel nicht gehen, dann blasen wir das ab." Sieben Gemeinderäte, fünf von den Grünen und zwei von der GU, waren dafür, das Nahwärmekonzept weiter zu verfolgen, zwölf dagegen. Die Gemeinde gibt jedoch nicht auf. Kämmerer Wolfgang Sacher schlug vor, ein energetisches Quartierskonzept zu erstellen für den Neubau der Hohenschäftlarner Feuerwehrgerätehauses, die Anlagen des TSV und die dortige Wirtschaft.