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Mehr Miteinander statt Reglement:Trendsportler dürfen bleiben

Stehpaddler auf dem Brombachsee

Ursprünglich war das Stand Up Paddling, also das frei stehende Fahren eines Boards, eine Variante des Surfens an den Meeresküsten. Inzwischen ist dieser Trend, der Spaß und Sport verbindet, auch an den Flüssen und Seen angekommen, insbesondere an den Seen des Landkreises.

(Foto: dpa)

Am Kirchsee geraten Stand-Up-Paddler und Badegäste wegen des Platzbedarfs auf den Liegeflächen aneinander. Ein generelles Verbot der großen Boards lehnt die Gemeinde Sachsenkam dort jedoch ab - vorerst.

Der Kirchsee gilt als einer der schönsten Erholungsgewässer im Oberland. Das wiederum weckt Begehrlichkeiten. Immer mehr Menschen pilgern speziell im Sommer an den See. Und das nicht länger nur mit Handtuch und Badehose oder Bikini, sondern vermehrt auch mit Luftmatratzen, Booten und - derzeit besonders im Trend - sogenannten Stand Up Paddle Boards, kurz SUPs genannt. Doch über eben jene Trendsportboards ist nun in Sachsenkam ein Streit ausgebrochen.

Diese nehmen angeblich auf den Liegeflächen am Kirchsee viel Platz ein, worüber sich zunehmend Badegäste beschweren. So sehr, dass der örtliche Gemeinderat nun über ein mögliches Verbot diskutieren musste. Auch wenn die Gemeinderäte intensiv debattierten: Ein Verbot von SUPs am Kirchsee wurde noch einmal abgewendet. Die Gremiumsmitglieder sprachen sich stattdessen unisono für einen Appell aus: Gegenseitige Rücksichtnahme soll künftig auf den Liegeflächen am Kirchsee stärker beachtet werden. Sollte sich allerdings am Konflikt zwischen den Gästen nichts ändern, steht ein generelles Verbot erneut zur Debatte.

Wenn Stand Up Paddler ihre Boards auf dem Uferstreifen am Kirchsee lagern, kann es für andere Gäste schon mal eng werden.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

"Wir haben einige telefonische Beschwerden erhalten", erklärte Bürgermeister Johann Schneil (CSU/Unabhängige Wählerschaft Sachsenkam) eingangs die Situation. "Die meisten Beschwerden kommen von den Nutzern der Liegeflächen, denn die Boards sind sehr groß, weshalb die übrigen Gäste dort nun weniger Platz zur Verfügung haben."

Einige Seekommunen hätten inzwischen auf ähnliche Konflikte zwischen Badegästen und Stand Up Paddlern reagiert und ein Verbot für SUPs ausgesprochen, darunter auch der Staffelsee. "Ich bin nicht dafür, dass man alles gleich reguliert, aber es muss eben passen", sagte der Rathauschef. Eine Lösung wäre aus seiner Sicht eine zeitliche Begrenzung: "Wir könnten das Paddeln nurmehr unter der Woche erlauben und freitags bis sonntags verbieten, so dass dann die Badegäste die Liegeflächen für sich haben." Petra Kronwitter (CSU/ Unabhängige Wählerschaft Sachsenkam) schlug stattdessen einen Sammelpunkt für die Boards vor, eine Anbindeleite am, respektive auf dem See schwebte Friedrich Kropius (CSU/ Unabhängige Wählerschaft Sachsenkam) vor. Diese Vorschläge aber müssten kontrolliert werden, so der Einwand aus dem Gremium. Und Heidi Eberl-Lettner (CSU/ Unabhängige Wählerschaft Sachsenkam) warnte vor den Anfängen: "Was ist dann mit jenen, die mit riesen Schlauchbooten kommen, oder mit aufblasbaren Flamingos und Luftmatratzen?"

Bürgermeister Schneil verwies "auf die nächste Anfrage", die bereits an ihn herangetragen worden sei. Sie besagt: Ob er den Steg denn nicht abbauen werde, im Hinblick auf die aktuell vielerorts diskutierte Haftungsfrage. "Wir machen gar nichts", fasste Schneil diesbezüglich zusammen, "es sei denn, es wird Vorschrift, dann sieht es wieder anders aus." Eine Zuhörerin wandte hinsichtlich der SUPs ein, dass die Paddler auch Gebühren zahlten, so wie die anderen Gäste am Kirchsee, und damit ihren Teil zum Erhalt des Areals beitragen würden. Außerdem seien sie meist nur kurze Zeit am Ufer, die meisten wollten so schnell wie möglich raus auf den See.

Man müsse nicht immer auf die Leute hören, die am lautesten schreien, sagte Zweiter Bürgermeister Johann Huß (CSU/Unabhängige Wählerschaft Sachsenkam). Deshalb - darin war sich das Gremium schließlich einig - solle zunächst an die Vernunft aller appelliert werden. Da es eben nur einen begrenzten Liegeplatz gebe, sollten Boards aufeinandergelegt statt ausgebreitet werden.

Den Sommer über will die Gemeinde die Situation weiter beobachten. Quasi eine Bewährungszeit. Denn sollte sich der Konflikt trotz des Appells an ein rücksichtsvolles Miteinander weiter zuspitzen, wird Schneil ein Verbot erneut auf die Tagesordnung im Gemeinderat setzen.