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Jochberg:Gemeinsam gegen Pumpspeicherwerk

Die Gemeinden Jachenau und Kochel am See wollen Arbeitsgruppen gründen, um für einen Vorstoß der Energieallianz gewappnet zu sein. Sie fürchten, sonst zum Spielball der Interessen zu werden.

Die Gemeinden Jachenau und Kochel am See wollen gerüstet sein, wenn die Planungen für ein Pumpspeicherwerk (PSW) auf dem Jochberg weitergetrieben werden. Dazu soll ein Verein gegründet werden, wie Bürgermeister Georg Riesch am Dienstag im Jachenauer Gemeinderat ankündigte. Sein Kochler Kollege Thomas Holz will seinem Gemeinderat am 18. November den selben Vorschlag machen. "Wir werden die Hände nicht in den Schoß legen, sondern uns wappnen", erklärt Holz. Die Gemeinden wollten sich von der "Beruhigungsphase", die derzeit angeblich herrscht, nicht einlullen lassen. Deshalb sollten gemeinsam drängende Themen aufgearbeitet werden, "ohne Denkverbote", wie Holz sagt.

Jochberg Jocheralm

Blick nach unten: Unterhalb des Jochberg-Gipfels könnte in etwas mehr als zehn Jahren ein riesiger Speichersee liegen.

(Foto: Manfred Neubauer)

Es gehe darum, sich den nötigen Sachverstand anzueignen, um sich klar positionieren zu können, erklärt Zweiter Bürgermeister Peter Krauß. Die Jachenau möchte nicht zum Spielball von Energieallianz und staatlichen Stellen bei der Umsetzung der Energiewende werden. Mit 900 Einwohnern hat das Dorf einen ehrenamtlichen Bürgermeister und eine Verwaltung, die aus zwei Personen besteht. Eine davon ist auch für den Tourismus zuständig. "Jeder ist bei uns berufstätig", erklärt Krauß die Situation von Bürgermeistern und Gemeinderäten. Die nötigen Kenntnisse zum PSW eigne er sich nachts und am Wochenende an, oder er nehme Urlaub. So habe er etwa einen Vortrag über Pumpspeicherwerke an der Universität Innsbruck besucht.

"Wir wollen nicht unter die Räder kommen", sagt Krauß. Deshalb sollen Arbeitskreise Informationen zusammentragen, Jachenauer gemeinsam mit Kochlern, Bürger mit Gemeinderäten. "Jeder Arbeitskreis kümmert sich um einen Detailbereich", erklärt Krauß. Für den Fall, dass ein Raumordnungsverfahren kommt, "müssen wir wissen, was wir sagen".

Bis zu einem Raumordnungsverfahren sei es zwar noch ein weiter Weg, sagt Bürgermeister Riesch, "wenn die große Politik aber entscheidet, dass dieser Weg gegangen wird, dann müssen wir gerüstet sein." Riesch und Holz wissen nicht erst seit einem Informationsbesuch am Donnerstag bei Landrat Josef Niedermaier, dass dieser einem PSW auf dem Jochberg aufgeschlossen gegenüber steht. Nun sollen handfeste Argumente gesammelt werden. "Wir können nicht einfach sagen, wir sind dagegen, weil's bei uns schön ist", erklärt Riesch. Das müsse schon sauber und ordentlich ausgearbeitet sein.

Auch die positive Seite müsse durchleuchtet werden. Seine eigene Meinung zu dem Vorhaben will Riesch derzeit lieber noch für sich behalten. Sein Stellvertreter Krauß ist in seiner Einschätzung zwiegespalten. Denn einerseits hält er die Energiewende für notwendig, andererseits sei sie aber überstürzt begonnen worden, "das ist nicht ausgegoren", sagt er. Würde das PSW auf dem Jochberg gebaut, wären die Einschnitte während der Bauphase für das kleine Dorf in dem engen Jachental gravierend. Krauß hält es überdies für grundsätzlich falsch, dass die Stromerzeugung überhaupt privatisiert worden sei.

Bürgermeister Riesch erwartet derweil den Besuch der bayerischen Wirtschafts- und Energieministerin Ilse Aigner, die angekündigt hatte, das PSW bestimmt durchsetzen zu wollen. "Ich hoffe schon, dass sie sich einen halben Tag Zeit nimmt", sagt Riesch. Termin und Dauer des Besuchs seien aber noch nicht festgelegt. Er erwarte in der kommenden Woche einen Terminvorschlag von Aigners Büro.

Holz und Riesch hoffen auf eine Mitarbeit der bestehen Bündnisse. Dass es eine neue Initiative in Sachen PSW gibt, beurteilt Albert Orterer positiv, der erst kürzlich die Gründung des Aktionsbündnisses "Kein Pumpspeicher-Wahnsinn" bekannt gegeben hatte. "Noch besser fände ich es, wenn sie sich gleich dagegen positionieren würden." Er ist verwundert, dass neutral Informationen gesammelt werden sollen, und stellt klar, dass er unter solchen Voraussetzungen nicht zu einer Mitarbeit bereit ist: "Neutral mach' ich gar nichts."