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Isarkraftwerk:Strom für 3500 Haushalte

Das Isarkraftwerk versorgt seit 1958 die Bürger mit Energie. Wasserkraft gilt als sauber, sie hinterlässt aber auch Spuren in der Natur, wie eine Veranstaltung der Reihe "Klimafrühling Oberland" zeigt.

Das Isarkraftwerk steht verborgen am Rand von Bad Tölz: Ein unscheinbares Bauwerk, durch dessen Wände das Brummen der Generatoren nicht zu hören ist. Stadtwerke-Geschäftsführer Walter Huber schließt die Eingangstür auf, um den rund 20 Teilnehmern der Klimafrühling-Führung die faszinierende Technik zu zeigen, die darin einen Teil des Tölzer Stroms erzeugt. "Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass sich so viele dafür interessieren", sagt er vergnügt.

Das Besondere am Isarkraftwerk: Es ist kein Ausleitungsbauwerk, wie sonst alle Kraftwerke entlang der Isar. Das bedeutet, die Isar fließt komplett hindurch, es bleibt kein Restwasser übrig. Die Wassermassen - rund 30 Kubikmeter in der Sekunde - treiben die Schaufeln zweier Kaplan-Turbinen an. Die wiederum sind an Generatoren gekoppelt, die im Inneren des Gebäudes unter grünen Stahlhauben stehen. Jede Turbine erzeugt 978 Kilowatt Strom und dreht sich bis zu 250-mal in der Minute. Damit der Generator nicht überhitzt, wird er gekühlt: Die ausströmende Luft bläst den Besuchern, die sich den Maschinen neugierig nähern, die Haare ums Gesicht.

Klimafrühling Oberland Isarkraftwerk

Das Isarkraftwerk am Stausee in Bad Tölz

(Foto: Manfred_Neubauer)

Das Isarkraftwerk wurde 1958 in Betrieb genommen und im Jahr 2015 einer umfassenden Revision unterzogen. Jährlich erzeugt es rund zehn Millionen Kilowatt Strom, was für etwa 3500 Haushalte reicht. Der Gesamtbedarf der Stadt liegt bei mehr als 80 Millionen Kilowatt. Ein raumfüllender Dieselgenerator - ein Ungetüm aus Stahl, Ventilen und oberschenkeldicken Rohren - kann zu Spitzenlastzeiten 800 Kilowatt beitragen. Im Inneren des Gebäudes sind noch Spinde und Toiletten vorhanden, doch fest stationierte Mitarbeiter gibt es im Isarkraftwerk schon lange nicht mehr. Geregelt wird die Anlage heute aus der Ferne, die Warte befindet sich in Bad Tölz an der Osterleite.

Wer das Gebäude durch einen Hinterausgang für Mitarbeiter verlässt, gelangt auf einen Betonpoller, der ein paar Meter weit vom Kraftwerk absteht. Darauf befindet sich eine Kamera, die ober- und unterirdisch filmt - und Leben retten kann. Im August 2013 waren vier Schlauchbootfahrer am Kraftwerk in eine gefährliche Wasserwalze geraten. Ein Mitarbeiter der Stadtwerke habe das von der Leitwarte aus gesehen und sei sofort hingefahren, sagt Huber. Der Lebensretter Christian Steinbacher wurde dafür im Juli 2015 von Ministerpräsident Horst Seehofer geehrt.

Wasserkraft gilt zwar als sauber, hinterlässt aber auch Spuren in der Natur. Der Karwendel gibt stetig sein Kalkgestein an die Isar ab, die den Kies durch ihr Flussbett trägt. Am Sylvensteinspeicher landet die Geschiebefracht in einer Sackgasse: Der Kies kommt nicht durch den Damm und muss künstlich um ihn herumtransportiert werden. So gelangen jedes Jahr auf dem Straßenweg mehrere Tonnen Kies auch an das Isarkraftwerk. Würde man auf diese Maßnahme verzichten, würde die Isar ihr Flussbett immer weiter vertiefen, so lange, bis sie auf die Grundwasserschicht stieße.

Einfluss hat das Kraftwerk auch auf die Fische: Damit die vom wild dahinströmenden Fluss hinauf in den ruhigen Stausee gelangen können - ein Höhenunterschied von immerhin acht Metern -, gibt es eine künstlich angelegte Fischtreppe. Diese mäandert links des Kraftwerks den Berg hinauf. Da sie jedoch etwa 100 Meter vor dem Kraftwerk beginnt, müssen die Fische intelligent genug sein, um zu erkennen, dass sie von der Sackgasse am Wehr zurück zum Treppeneingang schwimmen müssen. Ob sie das sind, sei wissenschaftlich nie erforscht worden, sagt Huber. Andererseits sei durch das Kraftwerk ein Biotop entstanden: Am Rand des Stausee gibt es eine Vogelschutzzone.

Mit unter den Teilnehmern ist Andreas Süß, Klimaschutzmanager des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen. Gemeinsam mit Florian Diepold-Erl, dem Klimaschutzbeauftragten Garmisch-Partenkirchens, hat er das Programm zusammengestellt. Nach mehr als zwei Wochen voller Vorträge, Führungen, Werkstätten und Stammtischen neigt sich der erste Klimafrühling dem Ende. Gemessen an den Besucherzahlen und der Anzahl der Veranstaltung sei er ein voller Erfolg gewesen, sagt Süß. Finanziert wurde die Aktion über die Klimabudgets der Landkreise und durch Sponsoren. Weil aber Marketingmaßnahmen wie die Internetseite und der Facebook-Auftritt in Eigenleistung organisiert wurden, sei man mit wenig Geld ausgekommen. Nach zwei Führungen durch das Walchenseekraftwerk und das Loisach-Kochelsee-Moor stieg am vergangenen Freitagabend für alle Veranstalter die Abschlussfeier in der eMotion-Base in Bad Tölz.

© SZ vom 13.03.2018

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