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Interkommunales Hallenbad Geretsried:Schwimmvereine befürchten den Untergang

Sportreferent Wolfgang Werner (hinten links) hat sich mit Vertreterinnen und Vertretern des Schwimmsports unterhalten (von links): Katharina Lauseker, Anne Feiglbinder (mit Kind), Ingrid Feiglbinder, Uwe Röhler, Monika Grasberger, Maiko Alpers, Stefan Bruns, Rolf Meinert, und Martin Gerling.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Betroffenen erklären, dass sie die hohen Nutzungskosten fürs neue Geretsrieder Hallenbad nicht länger als zwei, drei Jahre aufbringen könnten

Von Felicitas Amler

Die Geretsrieder Schwimmsportvereine sehen sich in ihrer Existenz bedroht, sollte es zu den angekündigten Nutzungsgebühren fürs neue Hallenbad kommen. Selbst der größte unter ihnen, die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mit mehr als 500 Mitgliedern, könne sich jährliche Zusatzausgaben von rund 18 000 Euro keinesfalls leisten, erklärt der Vorsitzende Maiko Alpers. Vertreter der DLRG, des Wassersportvereins WSV 72 und der Reha-Sportgruppe waren am Sonntag einer Einladung des Sportreferenten Wolfgang Werner (SPD) zu diesem Thema gefolgt. In den Räumen der DLRG betonten sie übereinstimmend, sie könnten die Zusatzbelastung allenfalls zwei bis drei Jahre überleben. Ebenso unisono beklagten sie, dass die Stadt nicht mit ihnen kommuniziere. Wiederholt wurde außerdem betont, was Alpers der SZ schon vor drei Wochen gesagt hatte: Bürgermeister Michael Müller (CSU) habe vor der Wahl mehrmals eindeutig erklärt, mit ihm werde es keine Bad-Nutzungsgebühren geben.

Die Stadt Geretsried überträgt das neue interkommunale Hallenbad, das im nächsten Frühjahr eröffnet werden soll, an die eigenen Stadtwerke. Diese müssten, so die Argumentation der Stadt, den Vereinen die Nutzung, präzise errechnet aus den realen Betriebskosten, in Rechnung stellen. Eine überschlägige Berechnung der Stadtverwaltung gemessen an der bisherigen Nutzung erbrachte etwa für die DLRG Kosten von 63 000 Euro pro Jahr.

Die Stadt könnte die Vereine entlasten. Im zuständigen Ausschuss des Stadtrats war mehrheitlich ein jeweils 70-prozentiger Zuschuss befürwortet worden. Einzig der Sportreferent hatte für eine vollständige Kompensation gestimmt. Den endgültigen Beschluss kann aber erst das Plenum des Stadtrats fassen.

Am Sonntag legten Alpers und DLRG-Schatzmeister Martin Gerling dar, was die Rettungsorganisation leistet und wie sie sich mit Einnahmen und Ausgaben in Höhe von jeweils rund 50 000 Euro finanziert. WSV-Sprecher Uwe Röhler zeigte sich sehr beeindruckt und sagte, wenn die Stadträte eine derartige Präsentation zu sehen bekämen, dann würden sie gewiss nicht mehr für Nutzungsgebühren stimmen. 70 Aktive sind bei der DLRG im Schwimmtraining, in Anfängerschwimmkursen, im Wasserrettungsdienst, in der Schnellen Einsatzgruppe, im Katastrophenschutz und in der Jugendarbeit rein ehrenamtlich im Einsatz. Dies umfasst regelmäßig von Mai bis Oktober die Wasserrettungsstation Lido am Starnberger See; Bergungen aus der Isar und Schwimmstunden mit bis zu hundert Kindern. Insgesamt kam die DLRG Geretsried im vergangenen Jahr auf 9531 Einsatzstunden. Mit Schwimmunterricht unterstützt sie die Volkshochschule und diverse Schulen und Kindergärten. Wolfgang Werner sagte angesichts der Leistungsbilanz: "Das sieht schon sehr viel nach Feuerwehr aus, und niemand würde auf die Idee kommen, der Feuerwehr Gebühren zu berechnen."

Aber auch die Reha-Sport-Freunde sehen sich außerstande, fürs Hallenbad Geld aufzubringen, sonst wären sie "in zwei bis drei Jahren pleite". Ihre Sprecherinnen Monika Grasberger, Kathy Lauseker, Ingrid und Anne Feiglbinder erklärten, Bürgermeister Müller habe auf Nachfrage vor der Wahl gesagt, es werde "definitiv keine Nutzungsgebühren geben". Die Stadt kommuniziere von sich aus nicht mit den Vereinen, die das Bad nutzten.

Die Vereine reagierten vorsorglich auf den zu erwartenden Hinweis, sie müssten eben ihre Beiträge erhöhen. Sie prophezeiten, dass dann Mitglieder abspringen würden, so dass die Rechnung wiederum nicht aufginge. WSV-Sprecher Röhler sagte, um die Bad-Nutzungskosten zu kompensieren, müsste sein Verein den Beitrag für Kinder von 70 auf 160 Euro im Jahr erhöhen: "Da wird das Schwimmen elitär."

Ingrid Feiglbinder griff die Aussagen von Bürgermeister Müller im Sportausschuss des Stadtrats auf, die Gebühren seien auch ein Steuerungselement; es könne sonst zu einer ineffektiven Nutzung kommen. Sie sagte, dies sei "ein Scheinargument". Denn die Vereine würden einander schon selbst kontrollieren. Wenn einer sähe, dass nur zwei Leute im Bad seien, würde er dies monieren. Werner sagte, er habe im Ausschuss nachgefragt, ob solche Fehlbuchungen bisher je vorgekommen seien, aber keine Antwort erhalten.

Der Sportreferent warnte auch vor einer Lösung, die der Bürgermeister nach dieser Sitzung in der SZ dargelegt hatte - ein Bonuspunktesystem für die Vereine. "Ein irrsinniger Verwaltungsaufwand!", sagte Werner, "wer soll denn das alles bearbeiten?"

Wann das Thema im Stadtrat wieder auf der Tagesordnung steht, ist derzeit offen. Eigentlich sei es für September vorgesehen gewesen, sagte Werner, das sei aber wohl nicht sicher.

© SZ vom 10.08.2020

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