Hörmann Automotive Arbeitnehmer befürchten das Aus 

Anfang Dezember 2018 protestierte die Belegschaft von HAP vor dem Penzberger Rathaus.

(Foto: Manfred_Neubauer)

Nach Verhandlungen mit der Unternehmensleitung von Hörmann Automotive rechnen Betriebsrat und IG Metall Weilheim mit der Schließung des Penzberger Werks. Das Unternehmen prüft derzeit mehrere Optionen.

Von Benjamin Emonts

Von den Verhandlungen am vergangenen Freitag hatten sich die Mitarbeiter von Hörmann Automotive Penzberg Gewissheit erhofft - doch stattdessen ist ihre Unsicherheit gewachsen. Ob und wie viele Stellen das krisengeplagte Unternehmen abbauen wird, bleibt weiterhin unklar. Das sogenannte Zukunftskonzept, in dem die Geschäftsleitung Anfang Februar den Abbau von 400 Stellen innerhalb von drei Jahren angekündigt hat, ist nur noch eine Option unter vielen. Auch ein Verkauf des Penzberger Werks wird derzeit geprüft. Für Betriebsrat und IG Metall Weilheim sind dies besorgniserregende Zeichen. "Wir haben die schlimmsten Befürchtungen, dass der Standort im Ganzen gefährdet ist", sagt Betriebsratsvorsitzender Thomas Nachtmann.

Über den Verlauf der Verhandlungen am Freitag sind die Arbeitnehmervertreter immer noch aufgebracht. "Wir fühlten uns verarscht. Es war wie im falschen Film", sagt Daniela Fischer, die Bevollmächtigte der IG Metall Weilheim. Erwartet hatten die Arbeitnehmer ihr zufolge eine Entscheidung über das Zukunftsmodell, die für spätestens Ende Februar angekündigt worden war. Außerdem wollten sie vom Gesellschafter wissen, wie mit abgebauten Stellen umgegangen wird: ob es Abfindungen gibt und eine Transfergesellschaft eingerichtet wird. Doch Antworten darauf erhielten sie laut Betriebsrat Nachtmann nicht. Die Entscheidung über das Zukunftskonzept sei von der Unternehmensleitung auf Frühjahr verschoben worden, über Abfindungen oder dergleichen sei nicht gesprochen worden. "Wir haben den Eindruck, man möchte uns hinhalten", sagt Nachtmann. "Wir hängen total in der Luft."

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Aus Sicht der Unternehmensleitung war das Ziel der Verhandlungen ohnehin ein anderes: die Verlagerung von Teilen der Produktion in ein Schwesterwerk in der Slowakei. Am Tisch saßen neben dem Gesellschafter, der Hörmann Automotive GmbH, die HAP-Geschäftsführung, der Betriebsrat, die IG Metall Weilheim und ein Mediator. Die sogenannte Einigungsstelle wurde einberufen, um zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat, welcher der Auslagerung nicht zustimmen will, zu vermitteln. Die Gespräche verliefen ergebnislos. Die Arbeitnehmervertreter seien am Tisch erstmals von der Unternehmensleitung mit der Nachricht konfrontiert worden, dass neben dem Zukunftskonzept derzeit auch andere Optionen geprüft würden, sagt Nachtmann. In einer Unternehmensmitteilung heißt es, dass "eine tief greifende Restrukturierung und Fortführung von profitablen Teilbereichen, eine Verlagerung des Produktionsvolumens an effizientere Standorte, ein Joint Venture sowie ein Verkauf" in Betracht kämen.

Nachtmann wirft der Unternehmensleitung vor, auf Zeit zu spielen und die Belegschaft hinzuhalten. Die Mitarbeiter fühlten sich im Stich gelassen. In einem Ergänzungstarifvertrag verzichteten sie zwölf Jahre lang auf Teile ihres Gehalts, um Investitionen in die Zukunft des Standorts zu ermöglichen. Mehr als 30 Millionen Euro seien auf diese Weise zusammengekommen. Die Belegschaft hält der Arbeitgeberseite vor, das Geld nicht richtig in die Modernisierung des Unternehmens investiert zu haben. Die Konzernleitung bestreitet dies vehement. Bereits im vergangenen Dezember hatten die Mitarbeiter vor der Konzernzentrale in Kirchseeon und vor dem Rathaus und den Werkstoren in Penzberg protestiert.

Die Konzernleitung weist die Vorwürfe zurück und verweist auf die schwierige wirtschaftliche Lage von HAP. Der Automobilzulieferer, der mit rund 600 Angestellten einer der größten Arbeitgeber in der Region ist, steckt seit zwei Jahren tief in der Krise. Allein das Werk in Penzberg hat nach Auskunft des Unternehmens im Jahr 2018 einen Verlust von drei Millionen Euro gemacht, der sich "ohne Gegenmaßnahmen" im laufenden Geschäftsjahr auf acht Millionen Euro erhöhen würde. Durch die Nutzung des Schwesterwerks in der Slowakei könnte die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produktionsstandorte deutlich verbessert werden, sagt Daniel Holstein, der Geschäftsführer der Hörmann Automotive GmbH. Die Auslagerung könne einen wichtigen Beitrag zum langfristigen Erhalt von Arbeitsplätzen in Deutschland leisten. Unternehmenssprecherin Celina Begolli betont: "Das Ziel ist weiterhin, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten."

Der Betriebsrat werde der Auslagerung von Produktionsteilen ohne ein schlüssiges Gesamtkonzept nicht zustimmen, kündigt Nachtmann an. Das Mitbestimmungsrecht in dieser Frage verdankt die Arbeitnehmervertretung dem inzwischen ausgelaufenen Ergänzungstarifvertrag, in dem die Belegschaft dem Unternehmen finanziell entgegen gekommen war. Im Gegenzug hat der Betriebsrat laut Nachtmann ein Veto-Recht erhalten, falls die Firma Teile der Produktion auslagern will.

Die Arbeitnehmer wollen endlich Gewissheit über ihre Zukunft. Der Betriebsrat und Penzberger SPD-Vorsitzende Bayram Yerli, der seit mehr als 30 Jahren in der Firma arbeitet, sagt: "Die Belegschaft ist frustriert. Das Warten zerrt an den Nerven. Die psychische Belastung ist immens." Betriebsratsvorsitzender Nachtmann fordert Antworten auf die ungewissen Zukunftsfragen. "Der Gesellschafter muss seiner sozialen Verantwortung endlich gerecht werden." Ein Ende des Konflikts zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern ist nicht in Sicht. Der Betriebsrat hat für diesen Mittwoch eine außerordentliche Betriebsversammlung einberufen. Die nächste Verhandlungsrunde mit Gesellschafter und Mediator findet am Dienstag, 26. Februar, statt.

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