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Politik in Bad Tölz-Wolfratshausen:Hanus will in den Bundestag

Der Zimmerermeister Klaus Hanus will politisch hoch hinaus. Wenn es mit dem Bundestagsmandat nicht klappt, soll es Landtag oder Rathaus werden.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Der Lenggrieser Grüne Klaus Hanus bewirbt sich für ein Direktmandat. Sollte er scheitern, hegt er alternative hohe politische Ziele.

Von Petra Schneider, Lenggries

Drei Tage hat es gedauert, bis Klaus Hanus (Grüne) seine Niederlage bei der jüngsten Bürgermeisterwahl in Lenggries verdaut hat. Am Wahlabend, als er mit 25,7 Prozent deutlich hinter Stefan Klaffenbacher (FWG) zurückblieb, äußerte er sich tief enttäuscht. Das hat er weggesteckt. Mehr noch - jetzt will er es wissen. Hanus bewirbt sich bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr für ein Direktmandat im Wahlkreis Bad Tölz-Wolfratshausen/Miesbach und um einen Platz auf der Grünen-Liste. Falls das nicht klappt, will er es in drei Jahren bei der Landtagswahl probieren und in sechs Jahren noch einmal als Bürgermeisterkandidat in Lenggries. "Ich möchte politisch aktiv sein, und ich scheue die Verantwortung nicht", sagt der 45-Jährige.

Erst seit diesem Jahr ist der Zimmerermeister Mitglied bei den Grünen. Er habe sich in den vergangenen Monaten intensiv mit politischen Themen befasst. Das neue Parteiprogramm der Grünen sei ihm "sympathisch", weil es weniger dogmatisch sei und mehr auf Kompromissbereitschaft setze, sagt Hanus, der sich als "Realo" versteht.

Beim Lenggrieser Ortsverband sei man jedenfalls "freudig erstaunt" über seinen Entschluss zur Bundestagskandidatur, sagt er. Man erhoffe sich dadurch einen Schub.

Persönlich befinde er sich an einem "Scheideweg", sagt der zweifache Familienvater. Nach 20 Jahren ehrenamtlicher Sport- und Jugendarbeit wolle er noch etwas anderes machen. Auch einen Umzug nach Berlin kann er sich vorstellen. "Meine Familie lässt mich ziehen", sagt Hanus. Falls es nicht für ein Mandat reicht, habe er mit seiner Zimmerei in Fleck "einen sicheren Hafen."

Dass es tatsächlich klappt mit Berlin, das ist eher unwahrscheinlich. Von den 299 Direktmandaten haben die Grünen erstmals 2017 eines gewonnen. Zudem müsste sich der politisch unerfahrene Hanus zuerst bei der Nominierungsversammlung Mitte Januar gegen seinen Parteikollegen Karl Bär durchsetzen. Bei einem Telefonat habe ihm die Kreisvorsitzende Jovana von Beckerath zu verstehen gegeben, dass man Bär bevorzuge. Der 35-Jährige war lange Sprecher der Grünen Jugend, ist Gemeinde- und Kreisrat in Holzkirchen und hat bereits dreimal für den Bundestag kandidiert, bislang erfolglos: 2017 unterlag er mit 13,6 Prozent dem CSU-Direktkandidaten Alexander Radwan. Auch einen Einzug über die Liste verpasste er bisher. Zurzeit läuft gegen den Grünen-Politiker ein Strafverfahren wegen übler Nachrede, das der Südtiroler Landesrat für Landwirtschaft angestrengt hat, weil Bär den dortigen Pestizideinsatz scharf kritisiert hat. Bär sei ein "extremer Grüner", findet Hanus, es brauche in der Partei Leute mit mehr "Sozialkompetenz". Das Verfahren gegen Bär könnte seine Chancen erhöhen, "so aussichtslos ist das gar nicht." Seine thematischen Schwerpunkte will er auf Probleme des ländlichen Raums legen: Landwirtschaft, Erholungsdruck, Nahverkehr, Aufwertung des Handwerks. Er sehe seine Kandidatur als Möglichkeit, sich zu positionieren und tiefer einzusteigen. Er sei kein "Gstudierter", sagt er, aber einen Handwerksmeister könnten sie im Bundestag bestimmt vertragen.

© SZ vom 14.12.2020
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