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Hans Well in Ebenhausen:"Unterschiedliche Ansichten"

Hans Well stellt am Sonntag seine Biografie der Biermösl Blosn vor. Seine Brüder sind ihm eine Woche zuvorgekommen. Das traurige Ende einer bayerischen Legende?

Hans Well neue Gruppe mit Michael von Mücke, Monika Drasch

"Meine Geschichte der Biermösl Blosn kann ich halt nur aus meiner Perspektive erzählen": Hans Well.

(Foto: Manfred Neubauer)

Freunde der Biermösl Blosn können darüber lachen oder weinen: Vergangenen Sonntag haben Stofferl und Michael Well, die beiden jüngeren Brüder des legendären Trios, ihr druckfrisches Buch "Biermösl Blosn" mit viel Prominenz in München gefeiert. Exakt eine Woche später stellt ihr großer Bruder Hans seine Biografie "35 Jahre Biermösl Blosn" in Ebenhausen vor.

SZ: Ärgert es Sie, dass Ihre beiden Brüder mit ihrer Buchvorstellung eine Woche schneller waren als Sie?

Hans Well: Ich bewundere den sportlichen Ehrgeiz meiner Brüder, die waren ganz schön fix. Ich hatte mit meinem Buch ja viel früher angefangen - bereits vergangenen Sommer. Darüber hab ich meine Brüder sofort informiert, als ich sicher war, dass draus was werden kann. Das hat sie dann auf die Idee gebracht, auch ein Buch zu schreiben. Erfahren habe ich von ihrem Projekt am 9. Januar, da stand der Erscheinungstermin meiner Biografie allerdings schon unverrückbar fest.

Zwei Biografien innerhalb einer Woche: Offensichtlicher könnte das Zerwürfnis der Biermösl Blosn nicht sein.

Das stimmt so nicht, weil meine Brüder ja nicht selber geschrieben haben, sie sagen ja selber, dass sie nicht eitel genug waren, eine Biografie zu schreiben. Ihr Buch ist eher eine Reminiszenz von Außenstehenden auf die Biermösl Blosn, soweit ich das beurteilen kann. Die beiden Bücher sind offenbar recht unterschiedlich.

Ihr Bruder Michael hat gesagt, ihm komme in Ihrem Buch zu häufig das Wort "ich" vor. Ist das ein berechtigter Vorwurf?

Da ist der Michael ja ein Hellseher gewesen, das Buch war zu dem Zeitpunkt, als er das äußerte, noch gar nicht veröffentlicht. Es wäre aber auch echt schwierig, eine Autobiografie ohne "Ich"-Form zu schreiben. Trotzdem kommt das "Wir" im Buch nicht zu kurz. Meine Geschichte der Biermösl Blosn und ihre Entwicklung aus der Großfamilie heraus konnte ich halt nur aus meiner Perspektive erzählen. Genauso wie und warum meine Texte für die Biermösl Blosn entstanden sind, welche Situationen und vogelwilde Geschichten ich erlebt hab. Da wollte ich nicht für meine Brüder sprechen, weil wir drei recht unterschiedlich sind. Das wäre anmaßend gewesen und hätte ihnen wohl kaum gefallen.

Ist Ihre Biografie nun wirklich das letzte Kapitel in der Geschichte der Biermösl Blosn?

Das letzte Kapitel war für mich unser letzter gemeinsamer Auftritt in Fürth. Schade, wenn jetzt der Eindruck entsteht, dass wir uns familienintern behacken. So sollten wir unsere gemeinsame erfolgreiche und schöne Zeit nicht zerstören. Ich mag meine Geschwister nach wie vor, und es gibt viele Zustände hierzulande, mit denen ich mich mit meiner neuen Gruppe inhaltlich tausend mal lieber auseinandersetze.

Was gab den Ausschlag zur Trennung?

Unterschiedliche Ansichten hinsichtlich einer inhaltlichen Erneuerung. Wenn man zu lange immer das gleiche singt und spielt, steht man irgendwann nicht mehr auf der Höhe der Zeit und verliert den Spaß. Bayern hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Nicht nur bei der Atomkraft. Ich hätte sehr gerne einmal unter der Anleitung eines guten Regisseurs ein neues Programm mit meinen Brüdern entwickelt. In Zusammenarbeit mit Gerhard Polt haben das meine Brüder früher ja mitgemacht. Mit dem Vorschlag, das für uns drei zu probieren, bin ich gegen eine Wand gerannt. Ich glaube aber auch, dass so ein Verschleiß mit den Jahren natürlich ist. Insgesamt ist diese Entwicklung in meinem Buch, glaube ich, ganz gut beschrieben.

Sie blicken auf fast 60 Jahre Hans Well und 35 Jahre Biermösl Blosn zurück. Was würden Sie heute anders machen?

Ich würde mit Sicherheit in Prag keine Auster mehr essen. Die hat mir damals nach unserem Auftritt in der Deutschen Botschaft im Palais Lobkowicz eine saftige Fischvergiftung eingebracht - die Auswirkungen waren des Lobkowiczschen Ambientes völlig unwürdig. Zum anderen würde ich mich nicht mehr wie 1998 vom damaligen Bundesfinanzminister Lafontaine in Saarbrücken zum Essen einladen lassen. Die Rechnung mussten nämlich hernach wir Biermösln und Gerhard Polt bezahlen. Typisch Finanzminister!

Sie haben für Ihre Buchpräsentation das ehemalige Mariandl in Ebenhausen gewählt, wo Karl-Otto Saur regelmäßig zu erlesenen Kulturereignissen einlädt. Warum?

Es ist eine Ehre für mich, dort aufzutreten. Zudem habe ich einen großen Respekt vor Karl-Otto Saur. Er war auch einer der ersten, denen ich meinen Buchentwurf zu lesen gegeben habe. Er hat mich dringend dazu ermutigt, das Buch zu veröffentlichen.

Sind Ihre Brüder auch eingeladen?

Wenn sie kommen wollen, immer.

Werden sie kommen?

Die spielen sehr viel und werden vermutlich für so was keine Zeit haben.

Samstag, 13. April, 19.30 Uhr, Akademie für Politische Bildung, Tutzing und Sonntag, 14. April, Kultur im Keller, Ebenhausen

© SZ vom 11.04.2013
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