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Geplantes Pumpspeicherwerk:Jochberg: Viele Fragen offen

Die Energieallianz stellt ihre Pumpspeicher-Pläne den Gemeinderäten vor. Denen reichen die Angaben nicht aus.

Walchensee Jochberg

Am Jochberg soll ein Pumpspeicherwerk errichtet werden.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Energieallianz Bayern hat damit begonnen, bei Kommunalpolitikern und Bürgern für ihr geplantes Pumpspeicherwerk am Jochberg zu werben. Am Montagabend informierten die Geschäftsführer des Verbunds aus 33 Gemeinde- und Stadtwerken die Kocheler und Jachenauer Gemeinderäte über das geplante 600-Millionen-Euro-Projekt, das oberhalb des Walchensees entstehen soll. Dennoch reichen vielen die Informationen noch nicht aus, um zu dem Vorhaben eine klare Position zu beziehen.

Zwar kennen die Kommunalpolitiker nun Daten und Fakten zu dem Mammutbau und haben bei dem Treffen hinter verschlossenen Türen im Kocheler Rathaus auch Pläne gesehen. Kochels Bürgermeister Thomas Holz (CSU) fühlt sich trotzdem nicht in der Lage, das Projekt zu beurteilen. "Es fehlen noch wesentliche Fakten, vieles muss noch geklärt werden", sagt er und nennt Beispiele wie detaillierte Ansichten oder Stromableitungen. "Ob Fluch oder Segen, das wird sich erst im Laufe der Zeit zeigen." Vieles werde allerdings erst im Raumordnungsverfahren geklärt werden, das voraussichtlich noch in diesem Jahr beginnen soll. Dabei werden die Gemeinden gehört und um Stellungnahmen gebeten, hätten aber keine größeren Rechte als andere beteiligte Behörden, ergänzt Holz.

Ziel der gemeinsamen Besprechung am Montag sei es gewesen, dass sich die Kommunalpolitiker der beiden durch den Jochberg getrennten Nachbarorte kennenlernen und alle auf den gleichen Wissensstand gebracht werden. Beide Bürgermeister begrüßen es, Informationen aus erster Hand erhalten zu haben. Jachenaus Bürgermeister Georg Riesch (Freie Wählergemeinschaft) weist allerdings darauf hin, dass damit die Auseinandersetzung über das gigantische Vorhaben erst begonnen habe.

Er forderte seine Gemeinderäte sogar dazu auf, nicht vorschnell nach der ersten Veranstaltung Position für oder gegen das Projekt zu beziehen. "Es ist rübergekommen, dass sich die Gemeinderäte mit dieser Wahnsinnssache noch länger beschäftigen müssen", sagt er. Riesch prophezeite den Kommunalpolitikern eine arbeitsreiche Zeit. "Wir lassen uns auf keinen Fall verkaufen", bekräftigt er.

Unterdessen hat Florian Streibl, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler, eine schriftliche Anfrage an die Staatsregierung gestellt. Er will wissen, ob dieser Erkenntnisse vorliegen über den Planungsstand des Jochberg-Projekts, über dessen Wirtschaftlichkeit, die Umweltverträglichkeit, die Relevanz für die Energieversorgung, die Auswirkungen auf Almwirtschaft, Forst und Jagd sowie die zu erwartenden Planungs- und Realisierungskosten.

Ferner fragt er, ob bekannt sei, welche Gebiete im bayerischen Alpenraum noch für ein Pumpspeicherkraftwerk geeignet wären und welche Gebiete im Besitz des Freistaats als Fläche für Maßnahmen im Rahmen der Energiewende genutzt werden könnten. Innerhalb von vier Wochen muss die Staatsregierung darauf antworten. Auch für Streibl ist die Informationslage derzeit nicht ausreichend, um sich "qualitativ" zum Pumpspeicherkraftwerk am Jochberg zu äußern.

Ähnlich geht es Georg Mair, dem Vorsitzenden des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern. Er wartet auf die angekündigte Bürgerinformation. Freilich sei es um jeden Hektar Alm schade, der verloren gehe. Er wolle das Pumpspeicherkraftwerk aber "nicht gleich als Schmarrn" abtun. "Ich werde mich erst informieren, vorher sage ich nichts."

Samstag, 2. März: Bürgerinformation der Energieallianz Bayern zum Pumpspeicherwerk am Jochberg, Jachenau, Schützenhaus, 20 Uhr. Mittwoch, 6. März: Markus Aufleger (Uni Innsbruck) diskutiert beim Kreisverband der Grünen über das Jochberg-Projekt, Bad Tölz, Kolberbräu, 20 Uhr. Donnerstag, 7. März, Energieallianz Bayern informiert in Walchensee, 20 Uhr, Gasthaus Edeltraut.