Forstwirtschaft:Bäume fällen für den Klimaschutz

Forstwirtschaft: Erfolgreiche Verjüngungskur: Florian Loher, Robert Nörr und Jan-Malte Gietz (von links) erläutern bei Walchstadt, wie sich das Fällen von Bäumen im Rahmen einer naturnahen Forstwirtschaft auf die CO₂-Bilanz auswirkt.

Erfolgreiche Verjüngungskur: Florian Loher, Robert Nörr und Jan-Malte Gietz (von links) erläutern bei Walchstadt, wie sich das Fällen von Bäumen im Rahmen einer naturnahen Forstwirtschaft auf die CO₂-Bilanz auswirkt.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Landkreiswälder binden große Mengen CO₂ und sind ein umweltfreundlicher Rohstoff. Aber sie brauchen Pflege. Die Bayerische Forstverwaltung bietet Waldbesitzern ihre Hilfe an.

Von Arnold Zimprich, Icking

Förster Robert Nörr nimmt kein Blatt vor den Mund: "Der Klimawandel ist bei uns voll angekommen, wir haben einen Rekord nach dem anderen - Sturm, Dürre, Starkregen." Nörr betreut im Forstrevier Wolfratshausen die Gemeinden Icking, Egling und Wolfratshausen und ist zudem beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Holzkirchen für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. An diesem Tag stapft er einen steilen, schlammigen Rückeweg zu einem 0,4 Hektar großen Waldstück hinab, das der Gemeinde Icking gehört. Begleitet wird er von Florian Loher von der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen und Förster-Anwärter Jan-Malte Gietz mit seinem Rauhaardackel.

"An effektivem Klimaschutz führt kein Weg vorbei", sagt Nörr und beginnt anhand des kleinen, für andere Wälder im Landkreis aber repräsentativen Areals zu erläutern, wie nachhaltige Forstwirtschaft im Zeichen des Klimawandels aussehen kann. "Die großen Bäume werden gefällt, kleine wachsen nach", sagt er. Das hört sich trivial an. Nörr ist aber viel daran gelegen, dass sich etwas ändert bei der Bewirtschaftung der Landkreiswälder. Er zeigt auf einen frisch abgesägten Baumstumpf. "Hier wurde eine rund 80 Jahre alte Fichte entnommen, damit die Jungbäume mehr Licht bekommen." Statt neuer Fichten habe man sodann Weißtannen gepflanzt, die etwas schneller wachsen und besser mit dem Klimawandel klarkommen. Weil sie tiefer wurzeln, fallen sie bei Sturm nicht so leicht um.

Forstwirtschaft: Auch kleine Waldstücke brauchen Pflege.

Auch kleine Waldstücke brauchen Pflege.

(Foto: Manfred Neubauer)

"Der Wald hier ist im Schnitt 85 Jahre alt", erörtert Nörr und stellt eine Rechnung auf: "2010 betrug das Volumen aller Bäume auf dieser Fläche rund 390 Festmeter, dann begannen wir mit der Entnahme älterer Bäume und senkten den Bestand auf 255 Kubikmeter." Im Jahr 2014 habe man 300 Tannen gepflanzt, zwischen 2016 und 2022 wurden 16 Festmeter Schadholz entnommen. "Pro Jahr wachsen etwa zehn Festmeter Holz", sagt der Experte. Das bedeutet einen Zuwachs von 140 Festmetern seit 2010. "Wir haben hier auf diesen 0,4 Hektar aktuell wieder ein Volumen von etwa 395 Festmetern und damit fünf Festmeter mehr als 2010." Eine positive Rechnung also - für Waldbesitzer wie für die Umwelt.

Rechnet man das Holz mit ein, das 2024 entnommen wird, konnten seinen Worten nach in den vergangenen 14 Jahren 116 Festmeter Holz verwertet werden. "93 Festmeter davon waren Stammholz, fünf Papierholz und 18 Energieholz", erklärt Florian Loher. Das Stammholz aus Icking wird beispielsweise von der Firma Binderholz im Zillertal für den Bau von Holzhäusern verwendet. Pro Festmeter speichert das hier gefällte Fichtenholz etwa 900 Kilogramm CO₂. "Die in diesen 116 Festmetern gebundene Menge von 104 Tonnen CO₂ entspricht 29 Flügen nach New York", rechnet Nörr weiter vor. Sein Fazit: "Die Holznutzung ist nachhaltig, wir haben hier nachwachsenden, umweltfreundlichsten Rohstoff ohne Chemie oder Dünger."

Windbruch locke den Borkenkäfer an

Noch etwas ist Loher und Nörr wichtig. "800 000 Waldbesitzer gibt es in Bayern, im Landkreis sind es mehr als 5000. Aus verschiedenen Gründen vergessen einige jedoch ihren Wald." Grundsätzlich gelte: Je kleiner der Waldbesitz, desto unwirtschaftlicher sei er. "Eine Firma zu bekommen, die sich um 100 Tannen kümmert, ist ganz schwierig", sagt Loher. Doch gerade um Fichten müsse man sich im Idealfall täglich kümmern. "Früher lebten die Waldbesitzer vor Ort, das ist heute oft nicht mehr der Fall."

Schlecht gepflegter Wald, in dem Windbruch länger liegen bleibe, locke den Borkenkäfer an. Daher wollen die Forstbehörden verstärkt an private, womöglich überforderte Waldbesitzer herantreten und ihnen Hilfe anbieten. "Wir betreiben Aufklärung, helfen mit Maschinen und bieten Schulungen an", sagt Loher. Über einen Waldpflegevertrag können private Waldbesitzer die Waldbewirtschaftung in professionelle Hände geben. "Das ist ein Konzept für die Zukunft", betont Nörr. Stabilität und Vielfältigkeit - das sei es, was einen zukunftsfähigen Wald ausmache.

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