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Folgen des Hochwassers:Funkstille in Ascholding

Das Isarhochwasser hat eine Leitung zerstört. Die Reparaturen könnten sich noch hinziehen.

(Foto: Telekom)

Viele Dorfbewohner sind seit Freitag ohne Internet und Telefon. Michael Well verliert allmählich die Geduld.

Michael Well ist stinksauer. "Seit Freitag sind wir in Ascholding ohne Telefon und Internet - und keinen interessiert's." Der Musiker, bekannt von der Biermösl Blosn, betreibt in Ascholding eine Künstleragentur - seit Tagen jedoch unter erschwerten Bedingungen. "Ich hab hier zig Mails, auf die ich nicht reagieren kann, ich muss Tourneen ausmachen - das sammelt sich alles auf, und ich bin blockiert." Von Seiten der Telekom, die er seit Freitag mehrfach ergebnislos kontaktiert habe, fühle er sich ebenso im Stich gelassen wie von der Gemeinde. "Da ist schon ein großer Wald zwischen Dietramszell und Ascholding."

Diesen Vorwurf mag der geschäftsführende Beamte im Dietramszeller Rathaus, Tobias Janda, so nicht stehen lassen. "Wir haben vollstes Verständnis für das Leid der Bürger, aber überhaupt keine Handhabe", sagt er. Die Gemeinde sei bei der Telekom "auch nur ein Kunde". Tatsächlich komme es in der Flächengemeinde immer wieder zu Ausfällen, weil viele Telefonleitungen noch oberirdisch verliefen. "Aber wenn es Probleme gibt, haben auch wir keinen Ansprechpartner." Zur Veranschaulichung kann er eine Anekdote erzählen: Nach den heftigen Schneefällen im Januar habe ein Gemeindemitarbeiter mit seinem Fahrzeug einen Schaltkasten der Telekom ramponiert. Beim Versuch, den Schaden zu melden, sei er kläglich gescheitert, sagt Janda. "Drei Stunden hing ich in der Warteschleife, dann bin ich auf die 0800-Nummer verwiesen worden, die man im Internet findet."

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Michael Well hat seit Tagen kein Internet. Von der Telekom und der Gemeinde fühlt er sich im Stich gelassen.

(Foto: Manfred Neubauer)

So einfach dürfe man sich nicht abspeisen lassen, findet Michael Well. Er erwartet, dass die Gemeinde sich politisch ins Zeug lege. Sein Zugang zum Internet verläuft derzeit über einen Ascholdinger Festnetzanschluss, der vom Ausfall verschont geblieben ist, und seine Mitarbeiterin Claudia Pichler in München. "Ich gebe ihr mündlich durch, was sie per Mail von zuhause aus schreiben soll." So ließen sich zumindest die dringendsten Geschäfte abwickeln. Aber allmählich sei er mit der Geduld am Ende. Andere Nachbarn ebenfalls: "In der Wirtschaft verzweifeln's auch."

Bei der Telekom wird eine Presseanfrage am Dienstag zügig beantwortet. Durch das Hochwasser in der Isar sei ein Düker, eine Druckleitung zur Unterquerung des Flusses, beschädigt und dadurch die Glasfaserleitung unterbrochen worden, berichtet Sprecherin Lena Raschke. Aktuell werde geprüft, ob es eine Möglichkeit gebe, ein Provisorium zu bauen. Da die Isar noch immer Hochwasser habe, sei "eine normale Entstörung" nicht möglich. "Dazu kommt, dass es sich auf einer Seite um ein Naturschutzgebiet handelt", so Raschke. "Hier sind Absprachen mit der Gemeinde nötig. Wir werden unser Bestes geben, die Störung so schnell wie möglich zu beheben."

Die Gemeinde wusste bis Dienstag weder etwas von einem beschädigten Düker noch von einem Internetausfall in Ascholding.