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Entscheidung im Kreistag:Wärme aus Holz

Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen will die eigenen Schulen in Bad Tölz mit Biomasse beheizen.

Felicitas Amler

Was die Penzberger abgelehnt haben, soll in Bad Tölz realisiert werden: ein zentrales Biomasse-Heizkraftwerk zur Nahwärmeversorgung. In der Kreisstadt sollen die landkreiseigenen Schulen und das Hausmeisterhaus am Alten Bahnhofsplatz angeschlossen werden. Der Bauausschuss des Kreistags hat dazu vergangene Woche einen Grundsatzbeschluss gefasst: Das Kraftwerk soll in jedem Fall mit Holz, entweder mit Pellets oder mit Hackschnitzeln, befeuert werden; für Versorgungsspitzen soll Erdgas eingesetzt werden.

Die Investition ist mit rund zwei Millionen Euro brutto beziffert. Die erforderlichen Mittel werden in die Haushaltsplanung der Jahre 2013, 2014 und 2015 eingestellt. Möglicher Standort des Biomasse-Heizkraftwerks ist der Containerplatz auf der Rückseite der Berufsschule an der Gudrunstraße.

Das Vorhaben ist Teil des derzeit diskutierten energiepolitischen Schulentwicklungskonzepts SEKE 2035, das die Energiewende bis zum Jahr 2035 voranbringen soll. Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) sagte, die öffentliche Hand habe hier eine Vorbildfunktion: "Wir sollten die zentrale Wärmeversorgung schnellstmöglich beschließen." Was die Frage "Pellets oder Hackschnitzel" angehe, sei er leidenschaftslos.

Für das vom Landkreis beauftragte Ingenieurbüro Schuhmacher & André aus Bad Tölz legte Christian Schuhmacher Grundlagen und Ergebnisse der Untersuchung vor. Sein Büro hat sechs Kraftwerks-Varianten technisch, energetisch, wirtschaftlich und umweltverträglich geprüft.

Dazu hat es für jede ein grobes technisches Konzept erstellt und die Investitions-, Brennstoffpreise und Wärmegestehungskosten berechnet. Die derzeitigen Heizanlagen tauchen als Variante 0 auf. Ein Teil der Heizzentralen in den Schulgebäuden ist laut Schuhmacher zwischen 19 und 30 Jahre alt.

Nach Prüfung aller Aspekte gab Schuhmacher die Empfehlung für Variante 2 mit einem Biomasse-Heizwerk in Kombination mit einem Hackschnitzel-Heizkessel zur Grundlastabdeckung und zwei Gasheizkessel zur Spitzenlastversorgung. Dabei sei die regionale Wertschöpfung am höchsten, betonte er.

Der Beschluss des Kreistags-Bauausschusses verzichtet auf eine Festlegung auf Pellets oder Hackschnitzel, um Spielraum für die Detailplanung zu lassen. Die Kreisverwaltung ist nun beauftragt, die notwendigen Genehmigungen einzuholen "und die bauliche Umsetzung voranzutreiben".

Es wird geprüft, ob außer den landkreiseigenen Schulen (Realschule/Förderschule, Berufsschule Gudrunstraße, FOS/BOS, Berufsschule Bairawieser Straße, Gymnasium) weitere Gebäude der Stadt Bad Tölz in der Nähe an die Biomasse-Wärmeerzeugung angeschlossen werden können.

"Dazu gehört auch Aufklärung in der Nachbarschaft", sagte der Landrat. Er zeigte sich überzeugt davon, dass es Interessenten geben werde. Explizit soll ein Anschluss der Jahnschule, der Dreifach-Turnhalle, der Stadtbücherei und des AOK-Gebäudes ins Auge gefasst werden.

© SZ vom 08.10.2012

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