Buchveröffentlichung:Kaiserin Sisis intime Plaudereien mit der Hof-Friseuse

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Kaiserin Elisabeth von Österreich

Sisi auf einem Ölgemälde von Franz Xaver Winterhalter.

(Foto: DPA)

Drei Stunden dauerte es täglich um die Haare der österreichischen Kaiserin in Form zu bringen - viel Zeit für private Gespräche. Die besten Anekdoten sind nun in einem Buch erschienen.

Von Sabine Näher

Eigentlich habe sie ja gar kein Buch über Sisi schreiben wollen, sagt Wilma Pfeiffer. "Aber bei meinen Erzählabenden kam immer wieder die Frage auf, warum ich das nicht aufschreibe, damit die Zuhörer es nachlesen können." Und so erfüllte die in Oberösterreich geborene Kulturwissenschaftlerin, Übersetzerin und professionelle Erzählerin aus Penzberg den Wunsch ihres Publikums.

Im April ist das Buch erschienen: "Die wilde Kaiserin. Sisi in Geschichten und Anekdoten". Auf die Schreibweise "Sisi" legt Pfeiffer Wert. Denn "Sissi" sage nur, wer die bayerische Prinzessin lediglich aus den Fünfzigerjahre-Spielfilmen kenne.

Der Untertitel mit dem Verweis auf die Geschichten und Anekdoten macht klar, dass es sich nicht um das Sachbuch einer Historikerin handelt, sondern um aufgeschriebene Erzählungen. Es geht nicht um politische oder geschichtliche Zusammenhänge, sondern um Privates. Themen, die man beim Friseur erörtern würde. Und das kommt nicht von ungefähr, denn die Gewährsfrau, der Pfeiffer die Geschichten verdankt, ist die Großnichte der Hof-Friseuse Elisabeths, Fanny Angerer.

Wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Prozedur des Frisierens bei der Kaiserin täglich gut drei Stunden in Anspruch nahm und zum Haarewaschen jeweils ein ganzer Tag gebraucht wurde (die bodenlangen Haare mussten aufwendig getrocknet werden, es gab noch keinen Föhn), dann leuchtet es ein, dass in dieser täglichen Nähe auch private Gespräche geführt wurden.

Etliche Hofdamen sollen geklagt haben, dass Fanny Angerer wohl die Person bei Hofe sei, die den vertraulichsten Umgang mit der Kaiserin pflege. Auch bei Reisen war sie oft dabei, denn keine andere konnte Sisis legendäre Haarpracht so prachtvoll zu Kunstwerken gestalten.

Man darf also getrost voraussetzen, dass da tatsächlich intim geplaudert wurde; doch es stellt sich die Frage, inwieweit diese Informationen den Weg zu Großnichte Amalie fanden und inwieweit sie abgewandelt wurden. "Manchmal dachte ich, das kann doch jetzt nicht stimmen", erklärt Pfeiffer, die bei der alten Dame ein wöchentliches Plauderstündchen verbrachte. Doch wenn sie nachrecherchierte, sei sie immer wieder auf andere Quellen gestoßen, welche die Informationen ihrer betagten Wiener Nachbarin bestätigt hätten.

Insofern war sie schließlich geneigt, dem Fräulein Amalie alles zu glauben. Und so erfährt man Details über Sisis Essgewohnheiten, ihre Haar- und Schönheitspflege, ihren Diät- und Schlankheitswahn, verbunden mit extremer sportlicher Betätigung, aber auch über ihr Leiden am Wiener Hof, ihre Ausbrüche aus dem strengen Zeremoniell bis hin zu angeblichen Liebschaften, nicht nur der zum ungarischen Grafen Andrássy.

Vieles davon ist (nicht zuletzt durch die Sissy-Filme) bekannt; etliche Details indes sind neu. Wer Interesse am Blick durchs Schlüsselloch hat, ist mit diesem unterhaltsamen, gut lesbaren Buch bestens bedient. Wie ein auktorialer Erzähler in einer fiktiven Geschichte schaut Pfeiffer aber auch in die Köpfe ihrer Protagonisten hinein: "Sisi sah mit großem Erstaunen, was da alles für sie hergestellt wurde, und konnte sich ihr zukünftiges Leben nur schwer vorstellen."

Und sie erzählt Vorkommnisse, bei denen schwerlich ein Fremder zugegen gewesen sein dürfte: "Kaiser Franz Joseph schlich in der Dunkelheit zu seiner Engels-Sisi. Er tastete nach ihrem Gesicht. Dabei griff er direkt auf das Kalbfleisch und erschrak furchtbar." Inwiefern dieses Vorgehen bei historischen Persönlichkeiten legitim ist, kann indes dahin gestellt bleiben.

Und wie kam Pfeiffer nach Penzberg? "Ja, die Liebe ..." Die habe Sisi von Bayern nach Österreich - und sie eben den umgekehrten Weg geführt, sagt die Autorin.

Wilma Pfeiffer: Die wilde Kaiserin. Sisi in Geschichten und Anekdoten; 160 Seiten, 14,90 Euro, Verlagsanstalt Bayerland, Lesung: Montag, 7. Mai, Stadtbücherei Penzberg, 19.30 Uhr; Eintritt: 7 Euro

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