Grünes Idyll mitten in Penzberg:Auf du und du mit Zauneidechsen

Lesezeit: 3 min

Grünes Idyll mitten in Penzberg: 300 Parzellen umfasst die Freizeitgartenanlage Breitfilz. Etwa 50 warten auf neue Pächter.

300 Parzellen umfasst die Freizeitgartenanlage Breitfilz. Etwa 50 warten auf neue Pächter.

(Foto: Manfred Neubauer)

Geregelte Verhältnisse: In die Freizeitgartenanlage Breitfilz kehrt die Normalität zurück. Die Bauarbeiten für die neuen Rettungswege haben begonnen.

Von Alexandra Vecchiato

Er selbst wollte nie Pächter sein. Vielmehr helfen wollte Paul Hattemer, als das Aus der Schrebergärten im Breitfilz beschlossene Sache schien. Pächter contra Stadt und Behörden - eine verfahrene Sache. Die Emotionen kochten hoch und gipfelten letztlich in einem Betretungsverbot. Da trat der Wahl-Penzberger Hattemer zur rechten Zeit als Moderator in Erscheinung. Viel Arbeit liegt hinter ihm und seinen Mitstreitern, die anfangs als Team Breitfilz firmierten. In die Gartenanlage ist dank ihrer Bemühungen längst wieder das Leben zurückgekehrt. Und Hattemer, der nie einen Schrebergarten wollte, hat nun gleich zwei Parzellen.

Grünes Idyll mitten in Penzberg: Mit einer speziellen Plane wird der Moorboden abgedeckt. darauf kommt die Tragschicht für die neuen Rettungswege.

Mit einer speziellen Plane wird der Moorboden abgedeckt. darauf kommt die Tragschicht für die neuen Rettungswege.

(Foto: Manfred Neubauer)

Es herrscht Betriebsamkeit in dem so idyllischen Fleckchen Erde inmitten der Stadt Penzberg. Bagger und Lastwagen rollen durch die circa 15 Hektar große Freizeitgartenanlage Breitfilz. Zwei Kilometer neue Wege werden angelegt. Das war eine Voraussetzung, um die Schrebergärten wieder nutzen zu dürfen. Ein Netz von Rettungswegen soll bis Ende März entstehen. Danach dürfen keine Arbeiten mehr stattfinden, da im April die Amphibien aus ihrer Winterruhe aufwachen. Auf den Wegen können Rettungskräfte wie Feuerwehr und Rotes Kreuz die Parzellen anfahren. Jede Hütte muss mit einem 50 Meter langen Löschschlauch erreichbar sein. "Das war eine Tüftelei, bis wir uns den Vorgaben angenähert haben", sagt Paul Hattemer. 1,5 Tonnen müssen die Wege aushalten können. Eine Geotextil-Plane trennt den Moorboden vom neuen Belag. Die Fahrbahnbreite beträgt 2,50 Meter. Die Wege sind allerdings insgesamt vier Meter breit, an den Seiten abfallend, damit das Wasser abfließen kann.

Apropos Wasser. Noch 2021 wurde ein Löschwassertank mit einem Fassungsvolumen von 48 000 Litern in der Gartenanlage aufgestellt. Ein weiterer Punkt auf der To-do-Liste. Mit der Feuerwehr wurde ein Brandschutzkonzept aufgestellt. Circa 650 000 Euro hatte die Stadt für den Bau der Wege und eines Löschwassertanks im Haushalt 2021 eingeplant, ausgegeben wurden 520 000 Euro.

Grünes Idyll mitten in Penzberg: Ein neuer Löschwassertank für die Freizeitgartenanlage im Penzberger Breitfilz.

Ein neuer Löschwassertank für die Freizeitgartenanlage im Penzberger Breitfilz.

(Foto: Yussuf Türkyilmaz/Privat)

Von 2019 bis Mitte Juni 2021 durften die Pächter die Breitfilz-Anlage nicht mehr betreten. Nach zwei Bränden sah sich die Stadt gezwungen, ein Verbot auszusprechen. Schon ein Jahr zuvor hatte das Landratsamt Weilheim-Schongau es ihr untersagt, die Kleingärten neu zu verpachten. Die Kreisbehörde hatte die "bau-, brandschutz-, naturschutz- und wasserrechtlichen Verhältnisse" im Breitfilz geprüft und daraufhin mit einer Schließung der Gartenanlage reagiert. Zu den größten Problemen zählten der mangelnde Brandschutz, fehlende Flucht- und Rettungswege. Um die gesamte Anlage zu legalisieren, stellt die Stadt einen Bebauungsplan auf. Dieses Verfahren hat wiederum die Kreisbehörde dazu bewogen, das Verpachtungsverbot aufzuheben. Ferner wurden die Pächter aufgefordert, einen Verein zu gründen. Hattemer und ein kleiner Kreis von Altpächtern nahmen die Herausforderung an. Im September 2020 gründete sich der Verein "Freizeitgärten Breitfilz".

"Wir haben die Dimensionen anfangs nicht überschauen können", erzählt Marianne Fesl vom Vereinsvorstand. Es gab kein aktuelles Verzeichnis der Pächter. So musste der Verein Adressen ausfindig machen. Die Parzellen wurden neu nummeriert, damit sie im Notfall leichter zu finden sind. In einer alten Hütte wurde ein vorläufiges Büro eingerichtet. Marianne Fesl gab schließlich ihren Job auf, um sich hauptamtlich um die Vereinsbelange kümmern zu können. "Ich bin ja eh fast jeden Tag hier draußen", sagt sie. Weil der Verein einen sogenannten Pachtvorvertrag mit der Stadt abschließen konnte, durfte er Mitglieder aufnehmen und Grundstücksparzellen unterverpachten. Bis Dezember 2021 waren es etwa 250 Mitglieder. Insgesamt 300 Parzellen umfasst die Anlage. Circa 50 sind noch frei. Die Gärten sind unterschiedlich groß: zwischen 200 und 500 Quadratmeter. Altpächter werden bei einer Bewerbung bevorzugt. Neue Interessenten sind willkommen (kontakt@freizeitgaerten-breitfilz.de), nicht nur Penzberger. Tierhaltung ist zwar nicht gewünscht, wird aber geduldet, wenn die notwendigen Anmeldungen (Veterinäramt) vorgelegt werden. Es gibt auch keine Festlegung, was in den Schrebergärten angepflanzt werden darf. "Das Bundeskleingartengesetz passt auf unseren Breitfilz ebenso wenig wie die Gartenordnung der Stadt", erklärt Fesl. Man habe letztere versucht runterzubrechen, so gut es ging.

Grünes Idyll mitten in Penzberg: Für Zauneidechsen mussten im Schrebergarten vier Biotope angelegt werden.

Für Zauneidechsen mussten im Schrebergarten vier Biotope angelegt werden.

(Foto: Manfred Neubauer)

"Das Leben in der Gemeinschaft steht ab sofort im Vordergrund", sagt Hattemer. Das frühere Einzelkämpferdasein sei vorbei. Geplant ist der Bau eines Vereinsheims. "Das Grundstück ist im Bebauungsplan bereits vorgesehen." In naher Zukunft sollen die Pächter ihre Fahrzeuge außerhalb der Gartenanlage abstellen können. Neue Parkflächen sollen angelegt werden.

Der Breitfilz-Verein ist inzwischen Mitglied beim Bayerischen Gartenbauverein, über den alle Mitglieder haftpflicht- und unfallversichert sind. Ebenso ist er als "gemeinnützig" eingetragen, da er sich dem Naturschutz sowie der Jugend- und Seniorenarbeit verpflichtet hat. Zwei Parzellen nutzt die Montessori-Schule. Weitere Kooperationen mit Kindergärten und anderen Einrichtungen sind erwünscht.

Die Aufnahmegebühr beträgt einmalig 50 Euro pro Person. Der jährliche Mitgliedsbeitrag beläuft sich auf 25 Euro (inklusive Versicherung). Die jährliche Gebühr für Vereinsdienstleistungen beträgt 40 Cent pro Quadratmeter. Darin nicht enthalten ist der Pachtzins der Stadt. Erwartet wird, vier Arbeitsstunden im Jahr zu leisten. Denn es gibt noch viel aufzuräumen im Breitfilz.

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