Sicherungsverfahren:Psychiatrie statt Gefängnis

Sicherungsverfahren: undefined
(Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa)

Ein alkoholabhängiger und an Schizophrenie erkrankter Mann soll in zwei Bankfilialen in der Tölzer Marktstraße Feuer gelegt haben. Nach dem Willen der Staatsanwaltschaft soll der 57-Jährige, der sich jetzt vor dem Landgericht München II verantworten muss, auf unbefristete Zeit in einer geschlossenen Klinik untergebracht werden.

Von Andreas Salch, München/Bad Tölz

Als er 2011 an einer schweren Hautkrankheit litt, habe er angefangen zu trinken, sagt Martin K. Sechs bis neun Bier am Tag, dann habe er "seinen Pegel" gehabt. Erst 2013 war der heute 57-Jährige von der Hautkrankheit geheilt. Da er bis dahin nicht hatte arbeiten können, waren seine finanziellen Rücklagen aufgebraucht. Das Appartement des gelernten Maurers in Weiden in der Oberpfalz wurde zwangsversteigert, seither lebe er auf der Straße, so K. Erst in Weiden und zuletzt in Bad Tölz, berichtete der 57-Jährige am Dienstag vor dem Landgericht München II.

Angeklagt ist Martin K. wegen Brandstiftung. In den frühen Morgenstunden des 13. Dezember vergangenen Jahres soll er in der Marktstraße in zwei Bankfilialen Feuer gelegt haben. Verletzt wurde niemand, doch es entstand Sachschaden von insgesamt knapp 545 000 Euro. Martin K. sagte zum Auftakt der Verhandlung vor der 11. Strafkammer, er könne sich nicht erinnern, dass er nachts in den Bankfilialen gewesen sei.

Bei den sechs bis neun Bier, die er trank, als er krank war, ist es nicht geblieben. Laut Ärzten ist K. alkoholabhängig und leidet an einer paranoiden Schizophrenie. Strafrechtlich kann er somit nicht für die mutmaßlich vom ihm gelegten Brände verantwortlich gemacht werden. Die Staatsanwaltschaft hat deshalb keine Anklageschrift, sondern eine Antragsschrift bei Gericht eingereicht. Da von dem Maurer "infolge seines Zustandes erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten sind", soll er auf unbefristete Zeit in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik untergebracht werden.

Knapp eine Woche vor den mutmaßlichen Brandstiftungen in der Marktstraße, war Martin K. aus der Justizvollzugsanstalt Bernau entlassen worden, wo er wegen Körperverletzung eingesessen hatte. Von dem während seiner Haft verdienten Geld kaufte er sich vor allem Alkohol. An die 15 Bier und eine Flasche Wein habe zuletzt getrunken, so der 57-Jährige.

Einen Tag vor den Bränden, am 12. Dezember 2022, sei er tatsächlich in den zwei Bankfilialen in der Marktstraße gewesen und habe dort auch gezündelt, so der 57-Jährige. Allerdings unbemerkt und tagsüber. In der einen Filiale habe er Papierschnipsel, in der anderen ein Stück Papier an einer Info-Wand angezündet. Vermutlich habe ihn der Alkohol "übermütig" gemacht, sagte K. zu Richterin Regina Holstein. Nachdem er die zweite Filiale verlassen habe, sei er weitergegangen und habe getrunken und sich in der Filiale eines anderen Kreditinstituts schlafen gelegt. Dort sei er von Polizisten geweckt und in eine Ausnüchterungszelle gebracht worden. Ein perfektes Alibi? Nicht ganz. Es gibt Aufnahmen von Überwachungskameras aus den Bankfilialen in der Marktstraße, die K. zur Tatzeit am 13. Dezember vergangenen Jahres zeigen.

Der Prozess dauert an.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: