Extremismus:Verschwörerische Maskerade

Extremismus: Eine Gruppe in schwarzen Kutten hatte sich voriges Jahr unangemeldet in den Faschingszug in Benediktbeuern eingefädelt.

Eine Gruppe in schwarzen Kutten hatte sich voriges Jahr unangemeldet in den Faschingszug in Benediktbeuern eingefädelt.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Mit antisemitischen Botschaften hat eine Fußgruppe vergangenes Jahr den Faschingsumzug in Benediktbeuern gestört. Dieses Mal haben die Veranstalter Vorkehrungen getroffen, damit der Gaudiwurm alleine den Narren gehört.

Von Veronika Ellecosta, Benediktbeuern

Mit mehr Ordnungspersonal will der Verein "Beira Maschkera" am Faschingsdienstag in Benediktbeuern dafür sorgen, dass sich diesmal keine unangemeldeten Gruppen unter den Faschingsumzug mischen. So ist geplant, dass die Polizei beim Einstieg am Bahnhof Präsenz zeigt. Das habe der Veranstalter im Vorgespräch beschlossen, sagt Bernd Schöpf, Vorsitzender der Beira Maschkera. Beim Einordnen am Bahnhof werde auch der Zugwärter wachsam sein. "Der hat die Ordnung der Wägen notiert und wird kontrollieren, dass niemand hineinrutscht", sagt der Benediktbeurer.

Vergangenes Jahr war es gerade nach dem Einordnen der Wagen zu einem solchen Vorfall gekommen: In schwarzen Kutten und in rosaroten Kostümen hatte sich eine Gruppe unangemeldet in die Parade eingefädelt und Schilder hochgehalten. Darauf listete sie angebliche finstere Pläne einer "Neuen Weltordnung" auf und verwies auf eine englischsprachige Webseite, die über eine sogenannte "globalistische Agenda" aufklären wollte. Einige der Teilnehmer zogen einen Streitwagen mit einer dämonisch aussehenden Herrscherfigur. Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Bayern (Rias) dokumentierte den Auftritt und beschrieb in der Analyse antisemitische Motive und Chiffren, die mit der Vorstellung einer "jüdischen Weltverschwörung" korrespondieren. Vermutlich dieselbe Gruppe soll vergangenes Jahr auch einen Faschingsumzug im oberbayerischen Ohlstadt gestört haben.

Extremismus: Vor Antisemitismus, der im Fasching auf die Straße getragen wird, warnt Annette Seidel-Arpaci, Leiterin von Rias Bayern.

Vor Antisemitismus, der im Fasching auf die Straße getragen wird, warnt Annette Seidel-Arpaci, Leiterin von Rias Bayern.

(Foto: Marco Einfeldt)

Laut Annette Seidel-Arpaci, Leiterin von Rias Bayern, muss auch dieses Jahr damit gerechnet werden, dass Faschingsteilnehmer Verschwörungserzählungen und Antisemitismus auf die Straße tragen. Auf Nachfrage teilt sie schriftlich mit, dass besonders seit dem Massaker der Hamas und ihrer Anhänger am 7. Oktober in Israel Stimmen zu vernehmen seien, die von Fakes und False-Flag-Operationen fantasieren - gemeint ist damit, dass Verschwörungsideologen ihre Botschaften unter einem anderen Deckmantel verbreiten. "Da Israel als jüdischer Staat ohnehin immer wieder im Zentrum von Verschwörungsdenken steht und generell Antisemitismus auch eine große Verschwörungserzählung ist, sollte man hier genau hinsehen", schreibt Seidel-Arpacı.

Persiflage nur zu regionalen Themen

In Benediktbeuern versuchen die Beira Maschkera auch inhaltlich, den Fasching zu entschärfen und das Politische zu umschiffen. Wie Bernd Schöpf erzählt, hat das Veranstaltungsteam entschieden, keine überregionalen Politikthemen auf die Schippe zu nehmen, sondern ausschließlich Regionales zu persiflieren. "Es ist zwar immer noch Fasching und du kannst Politiker aufziehen, wenn du willst. Aber du musst nicht." Im vorigen Jahr hätten laut Schöpf noch vier Wagen Tagespolitisches aufgebracht, heuer schauen die Benediktbeurer vor die eigene Haustür. Bernd Schöpf sagt: "Du kannst auch Themen aus dem Landkreis aufgreifen."

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