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Alternative Energie:Sonnenkraft auf der Wiese

24 000 Quadratmeter Fläche haben die Anlagen an der Staatsstraße nach Bichl. Sie liefern rund 1,7 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Stadt Penzberg weiht an der Straße nach Bichl zwei Photovoltaikanlagen ein. Zusammen liefern sie Strom für etwa 500 Haushalte

Der Weltklimarat hat gerade seinen Sonderbericht veröffentlicht, wonach ein Anstieg der Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzt werden muss, damit gravierende Folgen für Mensch und Umwelt verhindert werden können. Penzberg leistet dazu einen Beitrag: Am Montag wurden offiziell die beiden Freiflächen-Photovoltaikanlagen beidseits der Staatsstraße Penzberg-Bichl in Betrieb genommen. Mit einem "Strom marsch!" legte Bürgermeisterin Elke Zehetner (parteifrei/SPD) symbolisch den Schalter für die Anlagen um, die bereits seit diesem Sommer laufen. Auf einer Gesamtfläche von jeweils rund 12 000 Quadratmetern produzieren sie zusammen etwa 1,7 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr. Das entspricht dem Verbrauch von rund 500 Vier-Personen-Haushalten. Etwa 1000 Tonnen CO₂ können so jährlich vermieden werden. Mit dem "PV-Feld 1", mache die Stadt einen "deutlich sichtbaren und richtigen Schritt in die Energieversorgung der Zukunft", sagte Zehetner beim Ortstermin, zu dem Mitglieder des Verwaltungsrats der Stadtwerke Penzberg und Vertreter der Energiewende Oberland gekommen waren. Auch wenn es Leute gebe, die die Solarfelder "nicht schön finden". Die Ortsgruppe des Bund Naturschutz (BN) hatte die Freiflächen im Vorfeld wegen "gravierender Eingriffe in das Landschaftsbild" abgelehnt; zudem führten sie nach Ansicht des BN zu einer Flächenkonkurrenz mit der Futtermittelproduktion. Das Projekt sei nötig und sinnvoll, betonte dagegen Stadtwerke-Vorstand Josef Vilgertshofer. Penzberg sei mangels Wind nicht für Windkraftanlagen geeignet, auch die Nutzung der Wasserkraft sei begrenzt. Bleibe nur die Photovoltaik, die man nun ausgebaut habe. Penzberg hat bereits auf einigen Liegenschaften - Krippe "Spatzennest", Hauptschule, Kläranlage oder Feuerwehr - PV-Anlagen. Die ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen an der Staatsstraße wurden langfristig von den Grundstückseigentümern gepachtet, die Einspeisevergütung ist auf 20 Jahre festgelegt. Weil das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) laufend geändert werde, sei rasches Handel nötig gewesen, sagte Vilgertshofer.

Bis 30. Juni mussten die Anlagen fertig sein, damit "die Tür nicht zugeht" und noch mit der bis dahin geltenden Einspeisevergütung von 8,4 Cent je Kilowattstunde gerechnet werden konnte. Binnen fünf Monaten sei der Bebauungsplan rechtskräftig geworden, die Verwaltung habe bestens geholfen, und mit dem weltweit tätigen Unternehmen "Vispiron" habe man einen kompetenten Partner gefunden.

Die Stadtwerke, die die Anlage gemeinsam mit dem Münchner Unternehmen betreiben, halten 51 Prozent der Anteile. Rund 1,5 Millionen Euro wurden insgesamt investiert. "Unterm Strich ist das für die Stadt wirtschaftlich zu gestalten", sagte Vilgertshofer. Auch, weil durch die Nähe zum Mittelspannungsnetz der Bayernwerk AG Leitungen unter der Straße verlegt werden konnten, ohne aufwendige Tiefbaumaßnahmen. "Global denken, lokal handeln" - diese Maxime sei in Penzberg beispielhaft umgesetzt worden, sagte Vispiron-Geschäftsführer Florian Schönberger. Die beiden Felder lieferten "ruhig und friedlich sauberen Strom."

Im kommenden Jahr soll jeweils eine fünf Meter breite Hecke gepflanzt werden, auch eine Schafsbeweidung ist vorgesehen. Jedes Feld verfügt über 2500 Module, die Energie fließe in einen "Stromsee", erklärte Vispiron-Mitarbeiter Christoph Lohmaier. Es sei "sehr wahrscheinlich", dass der dort erzeugte Strom auch in Penzberg verbraucht werde. Gereinigt werden müssten die Module nicht, gelegentlich träten Sprünge durch Steinschlag auf. Hagel könne den Modulen nichts anhaben, ebenso wenig Schneelasten bis zu 1,4 Tonnen. Über ein "Monitoring-System" werde die Leistung ständig überprüft, sagte Projektingenieur Stefan Fußeder. Auch Kurzschlüsse, verursacht durch Nagetiere oder Schafe, würden sofort erkannt.

© SZ vom 10.10.2018

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