Wolffkran:Das Geschäft mit den Kranen brummt weltweit

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MAN wollte die vernachlässigte Firma Wolffkran an einen guten Käufer abgeben, einen, der es nicht wie die Heuschrecken kauft und zerlegt, sondern langfristig weiterführt. Schiefer sagt: "Man hätte die Firma zerlegen können, aber ich habe dem Vorstand versprochen: ,Ich kaufe das Unternehmen, behalte es und entwickle es weiter, statt auszuschlachten und weiterzuschieben.'" Harzige Verhandlungsrunden waren das, fast ein Dreivierteljahr lang. "So ein Private-Equity-Deal stirbt mindestens einmal."

Seitdem fuhr das Unternehmen Wachstumsraten von zeitweise 30 oder 40 Prozent pro Jahr ein. Aus 30 Millionen Euro Umsatz sind 200 Millionen geworden, die Zahl der Mitarbeiter stieg von 190 auf 850. Schiefers Maxime: Internationalität und Innovation, raus in die Märkte! Jedes Jahr sollte mindestens ein neuer Markt dazukommen. Dazu das Miet-Business: "Früher war Vermietung eher ein Unfall: Was nicht verkauft wurde, endete in der Mietflotte."

Wolffkran: Peter Schiefer war zuletzt Investmentbanker bei Goldman Sachs, 2005 kaufte er Wolffkran.

Peter Schiefer war zuletzt Investmentbanker bei Goldman Sachs, 2005 kaufte er Wolffkran.

(Foto: faktorzwei/oh)

Heute investiert er allein in diesen Geschäftsbereich bis zu 60 Millionen Euro pro Jahr. Das Prinzip: 30 000 Einzelteile, die je nach Anforderung der Baustelle zusammengebaut werden - eine Art angepasstes Lego-System mit regionalen Lagerplätze in Europa, USA und Dubai. Die Kosten: Normal große Krane wie die am Bogenhausener Tor kosten rund 400 000 Euro, der Kran am Three World Trade Center vor ein paar Jahren kostete knapp drei Millionen Dollar.

"Die hatten große Probleme: sehr alte Krane", erzählt Schiefer, "es gab Unfälle. Einer fiel sogar um." Die komplette Baustelle stand still - wegen der Krane. "Die Bauverwaltung von Manhattan lud die vier, fünf großen Hersteller zum ,Beauty Contest' ein. Stundenlang haben die uns mit 20 Leuten gegrillt, wir versprachen, unser US-Headquarter nach New York zu legen - und schließlich hatten wir den Job."

Verhandeln macht ihm Spaß, auch im Orient fühlt er sich wohl: "Mekka, Medina, Jeddah: Ich fahre da gern hin. Eine interessante Mentalität. Man muss sich immer auf viele Verhandlungen einstellen." Einmal hat er dort über Weihnachten einen sehr großen Auftrag geangelt - weil er und sein Team vor Ort waren und verhandelt haben, während die Konkurrenz unterm Christbaum saß.

Das höchste Gebäude der Welt wird mit Wolffkranen gebaut

Ach ja, die Konkurrenz: Fragt man den Herrn der Krane, warum die Dinger immer gelb sind, verfinstert sich seine Miene ein wenig: "Da muss ich wohl noch dran arbeiten." Seit Jahr und Tag sind Wolffkran-Krane rot und nicht gelb wie die eines schwäbischen Mitbewerbers. "Viele Baufirmen haben als Hausfarbe gelb und wollen auch die Krane in dieser Farbe lackiert haben", erklärt Schiefer, "wir lackieren unsere roten Krane in jeder Farbe, die der Kunde haben will. In Greenwich wurden Krane mal von Künstlern gestaltet, in allen möglichen Farben."

Am höchsten Gebäude der Welt leuchtet es dagegen Wolffkran-Rot: Der 1,2 Milliarden Dollar teure Jeddah Tower an der Westküste Saudi-Arabiens soll im kommenden Jahr fertig sein - 1007 Meter hoch. Wie - bitte schön - kommt denn da der Kran rauf? "Ganz einfach", sagt Schiefer, "der klettert von außen am Gebäude mit, stützt sich sozusagen auf dem Gebäude ab." Die Kunst sei es vielmehr, in 700, 800 Metern Höhe den Kran wieder abzubauen: Für eine Helikopter-Montage sind die Einzelgewichte zu groß, so dass alles mit kleineren Hilfskranen demontiert und Stück für Stück herunter gebaut werden muss - ein Himmel-Ballett, bei dem es sicher nicht schadet, schon mal selbst einen Kran aufgebaut zu haben, und sei es nur einen 40 Meter hohen in Luzern.

In der Event-Arena in Taufkirchen muss Peter Schiefer nun noch zum Fototermin mit den Tennis-Bossen. Beim Rüberschlendern sieht er die Indoor-Wellenreiter auf der stehenden Surf-Welle und sagt: "Das würde ich auch gern können." Sieht jedenfalls entspannter aus als die Nummer mit dem Hubseil.

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