Wohnen in München Zu wenige Wohnungen: Stadt denkt über ungewöhnliche Lösungen nach

Vorbild Studenten-Minibude: Der Container bietet 6,8 Quadratmeter.

(Foto: Catherina Hess)
  • Bis zu 25 000 Menschen ziehen jedes Jahr neu nach München.
  • Wegen der akuten Platznot wird im Rathaus nun über neue Ideen nachgedacht.
Von Heiner Effern

Jedes Jahr zieht eine Kleinstadt nach München. Natürlich nicht alle 20 000 bis 25 000 Neubürger in einem Aufwasch, sondern in einem steten Fluss von überallher. Sie erwarten Betreuungs- und Schulplätze für die Kinder, einen gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr oder auch ein attraktives Hallenbad um die Ecke. Und vor allem: Sie suchen eine Wohnung.

Ein ausreichendes und erschwingliches Angebot zu schaffen, wird eine der größten politischen Herausforderungen der Zukunft sein. "Wir müssen ganz schnell, ganz viel und auch günstig bauen", sagt Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Doch wie soll das angesichts der sehr begrenzten Flächen gehen? SPD und CSU haben das Bauziel auf 8500 neue Wohnungen pro Jahr erhöht. Doch mit Zahlen und der Forderung nach mehr staatlicher Förderung ist es für die Rathausmehrheit nicht getan. Neue und weniger neue Ideen werden diskutiert. Ein Überblick.

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Parkett überm Parkplatz

Auf der Suche nach Baugrundstücken prüft die SPD gerade, ob über schon vorhandenen ebenerdigen Parkplätzen Wohngebäude errichtet werden können. Nicht am Straßenrand und nicht vor einer Ladenzeile, sondern insbesondere auf den oft geräumigen Teerflächen vor Discountern, die ihre Märkte häufig in Mischvierteln platziert haben. Dort wäre das Bauen von Wohnungen im Gegensatz zu Gewerbegebieten rechtlich leichter möglich. Gebaut werden könnten die Häuser zum Beispiel unkonventionell auf Stelzen über den Stellplätzen. "Nicht gerade Eins-A-Wohnen", sagt Fraktionschef Alexander Reissl. "Aber hochwertige Eigentumswohnungen, die blind vom Plan weg gekauft werden, haben wir genügend."

Mini-München

Der erste Job, Probezeit und ein überschaubares Gehalt: keine gute Basis, um in München eine bezahlbare Wohnung zu finden. Um jungen Menschen trotzdem eine Perspektive zu geben, will die SPD den Bau von sogenannten Mikro-Apartments forcieren. Etwa 25 Quadratmeter groß, voll eingerichtet mit Bad, Küchenzeile, Tisch und Stühlen, dafür ohne Parkett und Schnickschnack. So sieht die Idee aus, die hinter dem vom Bund geförderten Programm steht. Ähnlich wie bei Studentenbuden in Wohnheimen sind Mikro-Apartments für eine befristete Mietzeit angelegt. Mit dem ersten Gehaltssprung oder dem Zusammenziehen mit einem Partner sollten sich die Bewohner eine größere Wohnung leisten können.

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Schlankere Standards

Je höher der Standard einer Wohnung, desto teurer der Bau oder später die Miete. Deshalb wollen SPD und CSU die Ansprüche an Neubauten zurückfahren. Als Beispiel nennen beide den Klimaschutz. Immer noch mehr Dämmen für noch mehr Geld bringe bei ohnehin schon guten Werten dem Klimaschutz zu wenig. CSU-Fraktionschef Hans Podiuk kann sich zudem vorstellen, Gewerbegebiete stärker fürs Wohnen zu öffnen. Die SPD will prüfen, ob wirklich alle öffentlich geförderten Wohnungen barrierefrei gebaut werden sollen.