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Rassismus:Vorfälle mit ausländerfeindlichem Hintergrund häufen sich

Ein 54-Jähriger soll eine Wasserbombe auf einen Jugendlichen geworfen und ihn als "Scheiß Ausländer" bezeichnet haben. Das ist nicht der einzige Fall, in dem der Staatsschutz ermittelt.

Seit vergangener Woche häufen sich Vorfälle mit ausländerfeindlichem und rechtsextremem Hintergrund in München. Der Staatsschutz ermittelt in insgesamt fünf Fällen. Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass die Straftaten zusammenhängen könnten.

Am Freitag konnte die Polizei einen 38-Jährigen festnehmen, der verdächtigt wird, in der vergangenen Woche eine 23-jährige Frau in Neuhausen angegriffen und beleidigt zu haben. Der Täter war ihr am 29. Mai auf dem Gehweg der Pfänderstraße entgegengekommen, hatte sie ohne erkennbaren Anlass gegen eine Hauswand gedrückt und auf sie eingeredet. Da sie Kopfhörer trug, verstand sie zunächst nicht, was er sagte. Als sie die Kopfhörer abnahm, sprühte ihr der Mann Pfefferspray ins Gesicht und nannte sie "ausländische Schlampe". Die Frau konnte sich befreien und rief die Polizei. Zwei Tage später erkannte sie den Angreifer auf einem Balkon in der Nähe des Tatorts wieder. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, räumte er die Tat bei seiner Festnahme weitgehend ein. Das Pfefferspray wurde ebenfalls sichergestellt. Die Frau ist nordafrikanischer Abstammung. Der Tatverdächtige hat die italienische Staatsbürgerschaft.

Am Himmelfahrtstag beschimpfte eine unbekannte Frau in der Trambahnlinie 20 Richtung Karlsplatz einen 34-jährigen Münchner. Sie stieg gegen 21.50 Uhr an der Haltestelle Hugo-Troendle-Straße ein und rief "Tötet Muslime" und "Tötet Juden". Als der Mann einige Haltestellen später ausstieg, sprach die Frau ihn direkt an und beleidigte ihn.

Am selben Abend warf ein Mann gegen 22 Uhr aus einem der oberen Stockwerke eines Hauses an der Landwehrstraße eine Wasserbombe auf einen Jugendlichen. Der 16-Jährige stürzte und verletzte sich. Als ein Zeuge den Mann zur Rede stellte, pöbelte dieser los und rief "Scheiß Ausländer". Der Jugendliche, der die russische Staatsbürgerschaft besitzt, erstattete Anzeige. Die Polizei ermittelte einen 54-Jährigen als Tatverdächtigen. Er ist vorbestraft, war bisher aber nicht mit politisch motivierten Straftaten in Erscheinung getreten.

Im Zeitraum zwischen Freitagmittag und Samstagabend drangen Unbekannte in einen Kindergarten in Ottobrunn ein und beschmierten das Gebäude mit Hakenkreuzen und Beschimpfungen. Außerdem beschädigten sie einen Sonnenschutz, der Sachschaden beträgt insgesamt mehrere Hundert Euro.

Am Dienstagfrüh gegen 7.45 Uhr wurde die Polizei zum Busbahnhof am Orleansplatz nahe dem Ostbahnhof gerufen, weil dort ein Mann mehrfach "Heil Hitler" gerufen und den Arm zum Hitlergruß ausgestreckt hatte. Die Polizisten konnten einen Tatverdächtigen 45-Jährigen finden. Er wurde wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen angezeigt.

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