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Viktualienmarkt:"Das ist Belagerung"

Liesl-Karlstadt-Brunnen auf dem Münchner Viktualienmarkt, 2017

Zu Füßen von Liesl Karlstadt: Besucher des Viktualienmarkts gönnen sich das ein oder andere Bier.

(Foto: Robert Haas)

Marktkaufleute fordern Handhabe gegen die Trinker vom Liesl-Karlstadt-Brunnen

Enttäuscht ist Elke Fett, Sprecherin der Marktkaufleute vom Viktualienmarkt, dass aus dem Rathaus bisher keine wirksame Hilfe kommt. Hilfe gegen die Gruppe um einen Mann mit auffälligem Federhut, die sich regelmäßig zum Biertrinken am Liesl-Karlstadt-Brunnen verabrede, im alkoholisierten Zustand laute Musik abspiele und "unangenehmst" auffalle: Kunden würden belästigt, es seien auch schon Stände beschädigt worden, einer der Trinker sei einmal in den Schwammerlstand gefallen. Das Problem bestehe seit drei, vier Jahren, die Situation werde aber immer schlimmer: An schönen Wochenenden treffen sich laut Elke Fett mehrere Dutzend Leute am Brunnen. Im Oktober hatte die neue Kommunalreferentin Kristina Frank (CSU) deshalb das sogenannte Pöbel-Verbot erlassen, das es ermöglicht hätte, Störer des Marktes zu verweisen. Fett und ihre Kollegen waren erleichtert. Doch Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hatte den Erlass gleich kassiert, den Aushang im Schaukasten entfernen lassen. Er hielt Franks Vorstoß für "überzogen", vor allem aber hätte die Referentin den Erlass im Amtsblatt veröffentlichen und zuvor vor den Stadtrat bringen müssen.

Sie habe nichts gegen Leute, die auf dem Markt ihr eigenes Bier trinken, die sich Kaffee in der Thermoskanne mitbrächten oder auch mal einen Schampus, betont Fett: "Jeder kann sich hier nett vergnügen." Die Mitglieder dieser Gruppe jedoch träten aggressiv auf, mancher Standl-Nachbar habe Angst, sich zu beschweren. "Das ist Belagerung." Regelmäßig sei der Brunnen verstopft vom Etiketten-Klebstoff der dort gekühlten Bierflaschen. Diese Probleme tauchten in jedem Protokoll eines Jour fixe mit den Markthallen, dem zum Kommunalreferat gehörenden Betreiber des Marktes, auf. "Aber die haben uns im Regen stehen lassen." Weder Polizei noch Marktaufsicht könnten bisher eingreifen, dafür fehle eine Regelung in der Marktordnung. Frank hätte sie geschaffen, noch dazu mit Fingerspitzengefühl, meint Elke Fett. Reiters Einmischung aber habe der Gruppe Auftrieb gegeben: "Die machen jetzt erst recht, was sie wollen."

Elke Fett suchte daher Schützenhilfe bei Wolfgang Püschel (SPD), dem stellvertretenden Vorsitzenden des Bezirksausschusses Altstadt-Lehel. Dieser berichtete dem Gremium, dass die Gruppe, die sich selbst als Pfleger bayerischen Brauchtums sehe, das Bier, das sie trägerweise mitbringe, sogar verkaufe. "Zwei Euro für die Vereinskasse." Dagegen müsse doch wenigstens gewerberechtlich vorzugehen sein.

Die Grünen wollten zunächst, dass der Bezirksausschuss sich heraushält: Die Chance, das zu regeln, sei dem Stadtrat vorbehalten, sagte Philippe Louis. Jörg Hoffmann (FDP) sah "kein Regelungs-, sondern nur ein Vollzugsdefizit".

Püschel aber erklärte, Fett spreche für 96 der 108 Standlbetreiber, ihr Wunsch habe Gewicht. So einigte sich der Bezirksausschuss darauf, nun auf eine schnelle Befassung im Stadtrat zu dringen. Wichtig war den Grünen dabei, dass zwar dieser private Bierverkauf, nicht aber jeder private Bierkonsum außerhalb von Freischankflächen verboten werde. Sonst dürfe nur trinken, wer sich das Bier im Biergarten leisten kann: "Das ist fast eine soziale Frage", findet Louis.