Kritik:Licht und Schatten

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Der Pianist Víkingur Ólafsson überzeugt im Prinzregententheater mit Klangsinn und überraschenden Einfällen.

Von Klaus P. Richter, München

Das Programm von Víkingur Ólafsson aus Reykjavik versprach etwas von der Leichtigkeit des Seins: Mozart, Haydn, Galuppi, Cimarosa, Carl Philipp Emanuel Bach. Aber es enthüllte sich als ein genial komponiertes Panorama von Licht und Schatten. Schon das f-Moll von Baldassare Galuppis Andante, sensibel ausgehört, intonierte Hintergründiges, genauso wie die Gegenüberstellung von Mozarts Rondo D-Dur und Bachs Rondo d-Moll.

Noch beredter dann die Konfrontation von Mozarts dramatischer aber unvollendeter d-Moll-Fantasie KV 397, die Ólafsson genau dort abbrach, wo sie Fragment wurde, mit seinem heiteren Rondo D-Dur, KV 485. Aber auch Haydn überraschte mit seiner h-Moll-Sonate. Denn ihrem fulminanten Finalsatz verschaffte Ólafsson einen höchst dramatischen Auftritt. Diese kluge dramaturgische Kombinatorik fand ihrer Höhepunkt schließlich in der Begegnung von Mozarts "Facile"-Sonate und seiner c-Moll-Sonate, KV 457. Allerdings wiederum moderiert durch Dramaturgie. Denn Ólafsson bereitete die Begegnung über das tieftraurige g-Moll-Adagio aus Mozarts Streichquintette KV 516, bearbeitet von ihm selbst, und ein c-Moll-Larghetto von Galuppi vor. Dann vertiefte er sich in die wechselnden Einfälle und unerwarteten Entwicklungen mit unerhörtem Klangsinn - und das c-Moll, denn es gibt nur zwei Moll-Sonaten im ganzen Klavier-Œuvre Mozarts.

Die Leichtigkeit ihrer lichten C-Dur-Schwester, die keineswegs so "facile" ist, blühte erst im letzten Satz mit luzidem Glanz auf, nach einem wunderbaren verinnerlichten Adagio, während das erste Allegro eher etwas leichtfertig daher kam. Im Schattenlicht beschloss Ólafsson den Abend im Prinzregententheater: Mozarts Adagio in h-Moll und Liszt' Bearbeitung des "Ave verum corpus". Mit dem klangzauberischen Tiefsinn seines Bach-Chorals aus den Zugaben aber bestätigte er zuletzt seinen Rang als ein außergewöhnlicher Künstler.

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