Verbotene Liebe "Wenn ich nachts lange wach bin, dann träume ich von unserem Zusammensein"

Ende Dezember 1940 notiert Franziska Bösmiller, Faulhaber mache ihr Komplimente wegen ihrer Schönheit. Dann zitiert sie ihn wieder wörtlich: "Wenn ich nachts lange wach bin, dann träume ich von unserem Zusammensein - von Dir!" Die Abschiedsszene in diesem Eintrag klingt höchst romantisch: "Als er mich liebkost, schaue ich auf das Bild seiner Mutter - ich wage zu sagen: ich möchte dir Kraft geben - aber es ist überspannt, das zu sagen - und er hat mich weiter lieb."

In diesem Eintrag treten auch die Schwierigkeiten einer solchen Geheimbeziehung zutage. Sie können sich nicht oft sehen. Die vielen Verpflichtungen... Und auffällig wäre es vielleicht auch. Man verabredet geheime Zeichen, dreimal Läuten, wenn er sie besucht. Grundsätzlich sind Donnerstage am günstigsten, Leugers verzeichnet bis Kriegsende neun Nachmittagsbesuche des Erzbischofs.

Sie bedenken sich mit kleinen Souvenirs. Im Juli 1942 turteln sie laut Bösmillers Tagebuchnotizen wieder.

Sie: "Ich freue mich, daß Du jeden Tag meinen Kamm in die Hand nehmen mußt."

Er: "Ja, heute früh hat die Schwester gesagt: da steht ja 1.40 darauf! Das macht nichts." Faulhaber wurde von Nonnen umsorgt, Bösmiller hatte offenbar das Preisschild auf dem Geschenk gelassen. Wenn sie sich beim Stenografieren nichts zusammenfantasierte, sagt der Kardinal dann: ihre Aufzeichnungen "Das ist die wahre Schönheit - die Schönheit von Geist und Körper - diese Vereinigung. Daß Du so bist, daß Du da bist - daß du da bist in Atem deiner Seele und deines Lebens - darum liebe ich Dich so - meine Franziska!" Darauf sie: "Sage zum 1. Mal seinen Namen, vor dem ich so viel Ehrfurcht habe!" Sie fragt ihn nach seiner Liebe. "Nein", sagt er, "so habe ich noch nie geliebt!"

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In Franziska Bösmillers Notizen hat diese Liebesszene eine geradezu fromme Innigkeit: "Und wir schweigen so viel miteinander wie noch nie - Aber es ist das ein großes Ausruhen. - Und die Zeit verfliegt."

Die Unterhaltung klingt naiv. Er: "So eine ganze Nacht - glaubst Du, daß wir schlafen würden?" - Sie: "Doch - ich glaube es auch, daß wir zuletzt ein paar Stunden plaudern, dann ein paar Stunden schlafen und dann morgens wieder plaudern würden." Einer von beiden sagt dann: "Ich habe mir immer gedacht, daß sich Eheleute, die sich vereinigt haben nachts, morgens voreinander schämen würden - doch nun weiß ich, daß es das Natürlichste ist - das ist eben die innigste Form des Zusammenseins - wir haben unsere Grenzen, die wir einhalten, gelt! Du!"

Später soll Faulhaber bei einem Besuch gesagt haben: "Ich überlege eben, wie wir die Wohnung einteilen würden, wenn..." Wer den Satz mit "wir zusammenleben dürften" vervollständigt, liegt kaum falsch.

Im Tagebuch des Kardinals heißt Franziska Bösmiller meist nur "Dr. Malmolitor"

In der Gegenüberlieferung, in Faulhabers Tagebüchern, lassen sich einzelne Treffen mit Bösmiller verifizieren. Die Aufzeichnungen des Kardinals werden gerade in einem umfangreichen Forschungsprojekt des Erzbistums, des Instituts für Zeitgeschichte und des von Hubert Wolf geleiteten Seminars für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte der Uni Münster erfasst und ediert. Faulhabers Notizen zu Bösmiller fallen wesentlich knapper aus als umgekehrt. Er spricht meistens von Dr. Malmolitor. Faulhaber neigte dazu, Namen zu latinisieren. "Mal" ist die Abkürzung für das lateinische Wort "malus", das unter anderem "böse" heißt, und "molitor" heißt Müller.

An Antonia Leugers' Aufsatz bemängelt Hubert Wolf, dass sie den Eindruck erwecke, "als ob Faulhaber bestimmte Sätze eindeutig so gesagt hätte, wie Bösmiller sie niederschrieb". Das sei zwar möglich. Doch ebenso sei es möglich, dass "sie seine Aussagen übertrieb, dass sie sie herunterspielte oder dass sie in ihre Notizen unbewusst das hineinprojizierte, was sie zu hören glaubte". Wolf hofft auf Hinweise in den Tagebüchern des Kirchenfürsten.

Einfach wird die Suche kaum. Im April 1943 zum Beispiel schreibt Bösmiller von einer gemeinsamen Stunde im erzbischöflichen Palais. "Unsere Herzen stärken einander", schreibt sie. "Ich denke am Abend an Dich - das habe ich Dir ja versprochen - beim Rosenkranz - und beim Spaziergang", zitiert sie ihn. Im Tagebuch Faulhabers ist der Eintrag ausgerechnet zu diesem Tag herausgeschnitten.

Im Jahr 1950 scheint Faulhabers Zuneigung abgeebbt zu sein. Weil er kurz angebunden ist, sei Malmolitor "beleidigt", notiert er im Januar jenes Jahres. Und im Oktober schreibt er, sie sei nur "mit Mühe wegzubringen - unter Tränen". Michael von Faulhaber stirbt im Juni 1952, Franziska Bösmiller lebt noch bis 1983. Einzelne Zeitungsberichte über ihren geliebten Kardinal sammelte sie.

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