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Katholische Kirche:Der Papst schwankt

Pope Francis visits Sweden

Das Papstamt, das er vor bald vier Jahren antrat, hat Jorge Mario Bergoglio verändert. Am Samstag wird er 80 Jahre alt.

(Foto: dpa)

Franziskus wollte die Kirche (und damit die Welt) verändern. Aber jetzt schwankt der Papst. Wie die ganze Kirche. Dabei wäre seine Stimme in dieser unsicheren Zeit bitter nötig.

Ein Einzelner kann die Welt verändern, manchmal stärker, als man so denkt; erst recht, wenn dieser Einzelne Papst ist. Das Papstamt jedenfalls, das er vor bald vier Jahren antrat, hat dieser Jorge Mario Bergoglio aus Buenos Aires auf staunenswerte Art verändert - der Mann, der am Samstag 80 Jahre alt wird.

Er nennt sich Franziskus, nach dem Heiligen der Armen. Er wohnt nicht im Palast, sondern im Gästehaus des Vatikans und steigt in keine Luxuslimousine. Er fliegt zu den gestrandeten Flüchtlingen nach Lesbos und nimmt ein Dutzend von ihnen mit nach Hause. Er sagt seiner Kirche, dass sie gefälligst zu den Menschen gehen soll; er macht die weltweite Gerechtigkeit und die Klimarettung zu den Anliegen dieser Kirche. Dieser Papst Franziskus ist der Gegenentwurf zu jenen Männern, die nun mit dem Anspruch auf Weltveränderung antreten, zum blattvergoldeten Donald Trump und zum neozaristischen Wladimir Putin. Er begegnet der Globalisierung des Gewinnstrebens, des Egoismus und der Macht mit der Globalisierung der Menschlichkeit, des Teilens und der Solidarität.

Die Welt bräuchte seine Stimme jetzt dringender denn je

Aber kann er das wirklich: die Welt verändern? Oder vielleicht noch nicht einmal seine Kirche? Es klingt in diesem Herbst nicht mehr so fröhlich nach Aufbruch, wenn die Rede auf diesen Papst Franziskus kommt. An diesem Montag tritt wieder einmal jenes Kardinalsgremium zusammen, das den Papst bei der Kurienreform unterstützen soll - herauskommen dürfte wenig.

In der Kurie gehen Änderungspathos und Lähmung einher. Und der Widerstand gegen die Öffnung der katholischen Kirche zur Welt formiert sich. Gerade erst haben vier Kardinäle, darunter der emeritierte Kölner Kardinal Joachim Meisner, sich beschwert, dass Franziskus die Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe verwässere; dass der Brief den Weg in die Medien fand, war natürlich nur ein dummer Zufall.

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Es werde ein "weltweiter Krieg zur Zerstörung der Ehe" geführt, sagt er. Gerade das französische Schulsystem betreibe in dieser Hinsicht eine "ideologische Kolonisierung".

Die vier Kritiker gehören zu jenen Kardinälen, die den alten Zeiten unter Benedikt XVI. nachtrauern, und doch findet hier nicht einfach eine Auseinandersetzung zwischen Autoritätsnostalgikern und Reformern statt, bei der die Zeit auf der Seite der Reformer steht. Es gibt genügend jüngere Bischöfe und Kardinäle, die wünschen, dass sich die katholische Kirche klarer abgrenzt, gegen Andersgläubige, gegen Zweifler, gegenüber allen, die nicht so leben, wie es die katholische Morallehre vorschriebt.

Sie wünschen eine Kirche, die weniger von Flüchtlingen, den Armen, dem Klima redet und mehr von Himmel und Hölle. Sie kommen aus Afrika und Osteuropa, aber auch aus den westlichen Industriestaaten. Die globale Auseinandersetzung zwischen Öffnung und Abschottung - sie findet auch innerhalb der katholischen Kirche statt. Und je stärker diese Kirche zur globalen Gemeinde wird, umso stärker lebt in ihr Ungleichzeitiges nebeneinanderher.

Franziskus hat in seiner Amtszeit versucht, Türen für Entwicklungen zu öffnen und das freie Denken in einer Kirche zu fördern, der genau dies über Jahrzehnte unheimlich war. Er hat aber Entscheidungen vermieden, weil er merkte, dass eine autoritär verordnete Liberalisierung diese Kirche zerreißen könnte - und weil er weniger liberal ist, als viele denken.