Umwelt Zehntausende Fische sterben in der Isar - Verdacht fällt auf Stadtwerke

Der Fischbestand in der Isar ist innerhalb weniger Stunden deutlich geschrumpft.

(Foto: Jan A. Staiger)
  • Am Sonntag sind bis zu 100 000 Jungfische und kleine Fische, die sich normalerweise im Flachwasser der Isar aufhalten, verendet.
  • Grund ist der Pegel zwischen Marienklausensteg und Flaucher, der innerhalb kürzester Zeit um Dutzende Zentimeter gesunken ist.
  • Die Münchner Stadtwerke hatten Sanierungs- und Reinigungsarbeiten im Werkkanal durchgeführt und dafür das Wasser aufgestaut.
Von Thomas Anlauf

Viele Münchner waren entsetzt, als sie am Sonntag an der Isar entlang spazierten. Überall am Ufer zuckten und zappelten kleine Fische auf dem Trockenen oder in Schlammlöchern, die sich plötzlich aufgetan hatten. Innerhalb kürzester Zeit sank der Pegel der Isar zwischen Marienklausensteg und Flaucher um Dutzende Zentimeter. Spaziergänger und Angler versuchten, die Tiere einzeln in tieferes Wasser zu heben, doch für viele Fische kam die Hilfe zu spät. Bis zu 100 000 Jungfische und kleine Fische, die sich normalerweise im Flachwasser der Isar aufhalten, sind verendet.

Vier Tage nach dem ökologischen Desaster steht nun die Ursache weitgehend fest. Als "Hauptursache" bezeichnet Christian Leeb die Maßnahmen der Münchner Stadtwerke für Sanierungs- und Reinigungsarbeiten im Werkkanal. Der Leiter des Wasserwirtschaftsamts München hat mit seinen Mitarbeitern in den vergangenen Tagen untersucht, wie das Wasser in der Isar so rasch sinken konnte. Maßgeblich sei die Steuerung der Wassermassen am Wehr in Großhesselohe gewesen. Dort hätten die Stadtwerke offenbar Wasser aufgestaut, um ein natürliches Gefälle bei der Öffnung der Schleusen in den Werkkanal zu erhalten. Das hat laut Leeb dazu geführt, dass der Isar etwa zwei Stunden lang zu viel Wasser entzogen wurde.

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Die Folge: Zahlreiche Kiesinseln, die normalerweise unter Wasser sind, seien trockengefallen. Zu den neuen Erkenntnissen konnten die Stadtwerke am Donnerstag noch keine Stellungnahme abgeben. Bereits am Sonntag hatte der Verein "Die Isarfischer" die SWM als Verursacher des massenhaften Fischsterbens in Verdacht. Doch anders als das Wasserwirtschaftsamt vermuteten die Naturschützer, dass der Werkkanal viel zu schnell wieder befüllt worden war. Die Stadtwerke konnten das mit einer Grafik am Dienstagnachmittag entkräften. Demnach stieg der Pegel von 7 Uhr morgens bis 13.50 Uhr kontinuierlich bis auf etwa 60 Prozent des Fassungsvermögens des Kanals an. Um diese Zeit war aber die Katastrophe in der Isar bereits geschehen. Das belegen auch die Pegelstände des Hochwassernachrichtendienstes. An der Messstelle nördlich der Luitpoldbrücke wurde gegen 10 Uhr der mit Abstand niedrigste Wasserstand in der Isar gemessen, er stieg bis 12 Uhr wieder auf einen relativ normalen Wert an.

Ein Rätsel gibt den Experten im Wasserwirtschaftsamt jedoch noch ein anderes Phänomen auf. Zur etwa gleichen Zeit mit dem Niedrigwasser in der Isar stieg die Wassermenge im Schwabinger Bach und im Eisbach an. Möglicherweise sprang wegen des niedrigen Pegels ein automatisches System an, das Regler in den Stadtbächen öffnete, um der Isar wieder mehr Wasser zuzuführen. Amtsleiter Leeb will das Untersuchungsergebnis noch abwarten, beim nächsten Treffen mit den Stadtwerken werde das Wasserwirtschaftsamt jedoch "eindringlich darauf hinweisen", derartige Regulierungen der Wassermengen künftig "fischschonend zu machen".

CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl hatte in diesem Zusammenhang bereits am Mittwoch gefordert, die dezimierten Fischbestände auf Kosten der Stadtwerke zu erhöhen. Das Problem ist allerdings, dass es sich bei den meisten der verendeten Tiere offenbar nicht um Zuchtfische handelt, sondern um natürlich in der Isar vorkommende Bestände, die nach Angaben der Isarfischer nicht einfach nachgekauft werden können. Auch eine Biberfamilie war übrigens von der missglückten Reinigungsaktion betroffen. Ihre Biberburg in Thalkirchen lag laut Bund Naturschutz plötzlich im Trockenen.

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