Gotthardstraße in Laim:Hunderte Bäume für U-Bahn-Bau gefällt

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Gotthardstraße in Laim: Vor Kurzem stand an der Gotthardstraße noch ein Baum neben dem anderen - nun liegen sie gefällt am Straßenrand.

Vor Kurzem stand an der Gotthardstraße noch ein Baum neben dem anderen - nun liegen sie gefällt am Straßenrand.

(Foto: privat)

Wegen der Verlängerung der U5 nach Pasing muss die Natur Platz machen. Der radikale Kahlschlag sei nötig, weil die Trasse recht nah an der Oberfläche verlaufe.

Von Christina Seipel

Dort, wo Anfang des Monats noch hoch gewachsene alte Bäume standen, prägen jetzt kahle Stellen und kurze Baumstümpfe das Bild der Gotthardstraße in Laim. Passanten, Anwohner und Naturschützer sind bestürzt. Für den Bau der neuen U-Bahn-Trasse vom Laimer Platz nach Pasing mussten in der vergangenen Woche mehrere Hundert Bäume weichen. Kahlschlag nach Plan.

Am 15. Dezember hatte der Stadtrat die Projektgenehmigung für die Verlängerung der U5 erteilt und das Baureferat mit dem Bau des ersten Teilabschnitts beauftragt. In Windeseile wurden Bäume mit einem Stammumfang von 80 Zentimetern zwischen der Fischer-von-Erlach- und der Willibaldstraße abgesägt, um Platz zu machen für die Bauarbeiten, bei denen auf einer Strecke von rund 3,8 Kilometern drei neue U-Bahnhöfe - Willibaldstraße, Am Knie und Pasing - entstehen.

Gotthardstraße in Laim: So sah die Strecke vor den Arbeiten aus: 25 der Bäume werden in die städtische Baumschule und in Grünanlagen verpflanzt.

So sah die Strecke vor den Arbeiten aus: 25 der Bäume werden in die städtische Baumschule und in Grünanlagen verpflanzt.

(Foto: privat)

Auf einer Länge von insgesamt 1,2 Kilometern gehen die Abholzungen jetzt im Osten der Gotthardstraße bis zur Von-der-Pfordten-Straße weiter. Insgesamt sollen 384 der rund 530 Bäume entfernt werden. Etwa 90 Prozent seien bereits gefällt, teilte ein Sprecher des Baureferats auf Anfrage mit. Grund für das schnelle Vorgehen: "Die Baumfällungen müssen wegen naturschutzrechtlicher Vorgaben bis Ende Februar abgeschlossen werden." Dann nämlich beginnt die Nist- und Brutzeit der Vögel. Dass man sich um den Tierschutz sorgt, unterstreicht der Einsatz eines Hubsteigers, mit dessen Hilfe man zwölf Eichhörnchen-Kobel besichtigte, um sicherzustellen, dass kein Jungtier gerettet werden muss.

Wenn die Arbeiten fertig sind, sollen möglichst genau so viele Bäume nachgepflanzt werden

Und dass die Bäume überhaupt fallen müssen, sei laut dem Stadtratsbeschluss "unvermeidbar". Wegen der zu geringen Tiefenlage der Gleise am Laimer Platz kann keine unterirdische Tunnelbaustelle eingerichtet werden. Statt bergmännisch muss in der sogenannten Deckelbauweise gebaut werden. Das heißt, die Straße muss aufgerissen und eine Baugrube ausgehoben werden. Erst im Bereich der Kleingartenanlage, westlich der Willibaldstraße, soll unterirdisch und damit baumschonend weitergearbeitet werden.

In einer gutachterlichen Untersuchung hat die Stadt geprüft, ob die Verpflanzung einzelner Bäume möglich ist. Wie das Baureferat mitteilt, sollen geeignete Bäume in der kommenden Woche verpflanzt werden. "14 Bäume werden in der städtischen Baumschule zur weiteren Verwendung aufgepflanzt und kultiviert." Elf weitere sollen in umgebende Grünanlagen verpflanzt werden.

Wie geht es danach weiter? Der Bau der U-5-Verlängerung erfolgt in zwei Teilabschnitten. Der erste Bauabschnitt umfasst die Strecke vom Laimer Platz über die Gotthardstraße bis zum künftigen U-Bahnhof Willibaldstraße. Um die Versorgung der Anlieger mit Strom, Gas, Wasser und Telefonanschluss während des Tunnelbaus sicherzustellen, werden die jeweiligen Leitungen durch die Spartenträger umverlegt und damit wichtige Voraussetzungen für die anschließenden Ersatzkanaltrassen geschaffen. Bis Ende April dauern die Arbeiten am Stromnetz, wie die SWM Infrastruktur in einer Baustelleninformation bekannt gab. Dabei kann es in der Gotthardstraße vorübergehend zu Behinderungen im Geh- und Fahrbahnbereich kommen. Das Parken ist nur eingeschränkt möglich. Im Bereich des künftigen U-Bahnhofs Willibaldstraße und der anschließenden U-Bahn-Abstellanlage werden Kanäle und Kabel verlegt.

Nach Abschluss der Bauarbeiten in etwa zehn Jahren sollen möglichst genau so viele Bäume nachgepflanzt werden, wie jetzt gefällt wurden. Anfang der 2030er-Jahre soll dann die neue U-5-West in Betrieb gehen.

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