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TSV 1860 München:Die Boxer der Sechzger wollen in die Bundesliga

Löwen-Boxer

Im Februar stieg im Halbschwergewicht Abu Fela (rechts) vom TSV 1860 gegen einen Boxer aus Ghana in den Kammerspielen in den Ring

(Foto: Julian Baumann/Kammerspiele/oh)

Erstklassige Sportler hat der Verein, aber das Geld fehlt. Im Boxen sehen viele weit mehr als nur Sport. Denn der Trainer nutzt den Ring als Integrations-Arena.

Die Löwen-Boxer wollen in die Bundesliga. Schon in diesem Jahr, im November, wollen sie antreten. "Wir haben das Potenzial", sagt Boxtrainer Ali Cukur, Abteilungsleiter beim TSV München 1860. Gelingt der Einstieg, wären die Sechzger das erste Münchner Box-Team überhaupt in der oberen Liga - trotz ihrer unsicheren Trainingssituation in der seit Jahren vom Abriss bedrohten Schulturnhalle an der Auenstraße. Es habe schon viele Löwen-Boxer gegeben, die große Erfolge bei Wettkämpfen gehabt hätten, schon immer, sagt Vereinsmanagerin Viola Oberländer. "Doch derzeit sind es auffallend viele." Bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin boxten sich Ahmed Ham zu Bronze und Zebair Hamadi zu Silber. Kenan Husovic gewann als erster Münchner die Goldmedaille in der Klasse Superschwergewicht.

Das Geld zur Finanzierung einer Bundesliga-Mannschaft fehlt allerdings noch. Vereinsmanagerin Viola Oberländer hat eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Durch Spenden, Sponsoren und Merchandising sollen in einem ersten Schritt - für den Einstieg - 80 000 Euro gesammelt werden. Alle Möglichkeiten müssten genutzt werden, sagt sie, sogar eine "Löwen-Suchmaschine" hat sie auf der TSV-Seite eingerichtet, sie generiert Minibeträge. Sie hofft auf Sponsoren und schreibt zurzeit potenzielle Interessenten an. Der Schritt in die Bundesliga sei wichtig, sagt sie. Derzeit leihen die Sechzger ihre Boxer an andere Teams aus, es wäre schön, wenn die Löwen als eigene Mannschaft antreten könnten. Nicht nur der Verein profitiere von der Boxabteilung, der Sport sei Ansporn für die Jugendlichen, gebe ihnen eine Perspektive.

Lionhearted - Aus der Deckung

Trainer Ali Cukur ist für die jungen Boxer ein Vorbild. Die Bundesregierung hat ihn für sein Engagement ausgezeichnet.

(Foto: Firsthand Production /oh)

Im Boxen sehen viele bei den Sechzgern weit mehr als nur Sport. Denn Ali Cukur ist nicht nur Boxtrainer, er nutzt den Ring als Integrations-Arena. Matthias Lilienthal gab als Intendant der Kammerspiele den Löwen im Februar Gelegenheit, im Theater einen Boxring aufzubauen und vor Theaterpublikum einen Wettkampf zu absolvieren. "Die Boxabteilung des TSV München 1860 und die Münchner Kammerspiele haben gemeinsam, dass sie für eine migrantische Gesellschaft arbeiten. Deshalb lieben wir uns", sagt er.

Filmemacherin Antje Drinnenberg begleitete die Box-Sportler mit der Kamera nach Ghana ins Trainingscamp. Viele von ihnen hätten einiges durchgemacht im Leben, einige Gefängnis- oder Drogenkarrieren hinter sich, erzählt sie. Ihr Dokumentarfilm "Lionhearted" über das Löwen-Boxteam ist eine Sportlergeschichte über Kampfgeist und Erwachsenwerden, Gemeinschaft und Menschen, die sich engagieren. Dreh- und Angelpunkt ist Trainer Ali Cukur. Für die Jugendlichen sei er Vorbild, Vater, sogar Lebensretter, sagt Antje Drinnenberg. Cukur baue auch Brücken für Menschen aus prekären Verhältnissen. Er schaffe Vertrauen und stelle dann ihre Werte auf den Prüfstand.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller zeichnete Mitte Dezember Cukur in der Bonner Villa Hammerschmidt mit der erstmals vergebenen Rupert-Neudeck-Medaille für herausragendes Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit aus. Ali Cukur packe an, mache Mut, er sei ein Vorbild für alle, sagte Müller. "Mit seiner Arbeit überwindet er Grenzen."

Auch im Verein bekommen Ali Cukur und seine Boxer für ihre Pläne Unterstützung. Das war lange keine Selbstverständlichkeit, obwohl die Boxabteilung mit fast 500 Sportlern die größte der Stadt ist. Erst ein Wechsel des Präsidiums hat dazu geführt, dass die bis dahin stark fußballorientierte Führungsriege wahrnahm, dass sie da eine ganz besondere Abteilung in ihrem Verein hat. "Wir sind uns sicher, dass unsere Boxer in die Bundesliga gehören und dort ein Aushängeschild für den ganzen Verein sein werden", sagt 1860-Präsident Robert Reisinger. Ein Breitensportverein wie der TSV München von 1860, solle immer zum Ziel haben, seine Amateursportler in den höchstmöglichen Klassen in den Wettkampf zu schicken.

Der preisgekrönte Film könnte zum Start der Löwen-Boxer in der Bundesliga in die Kinos kommen. Eigentlich sollte er am 31. März erstmals außerhalb von Dokumentarfestivals öffentlich gezeigt werden, wegen der coronabedingten Schließung sämtlicher Kinos wurde der Start auf Herbst/Winter 2020 verschoben.

© SZ vom 02.06.2020/vewo
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