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Trambahnen in München:München zieht nach

Für Fahrgastvertreter Maier ist das allerdings "kein schlüssiges Konzept". Zwar ist unklar, wie genau die Doppeltraktionszüge aussehen werden - "da warten wir auf die Vorschläge der Hersteller", sagt König. Doch mal angenommen, die Züge ließen sich in der Mitte teilen - dann stünden der MVG einige Trambahnen mit allenfalls 24 Meter Länge zur Verfügung. Also kürzer als die ohnehin schon als zu kurz befundenen R 2.2-Modelle. "Wo sollen die denn, bitte schön, fahren?", fragt Maier. Endgültige Klarheit wird man darüber wohl erst bekommen, wenn die MVG entschieden hat, welcher Hersteller letztlich mit welchem Konzept den Zuschlag erhält.

Wichtig ist aus MVG-Sicht zudem, dass sie flexibler sein will für künftige Entwicklungen: Trambahnen haben in der Regel eine Lebensdauer von 30 oder sogar 40 Jahren. "Kein Mensch kann aber die Fahrgastentwicklung über einen so langen Zeitraum vorhersagen", heißt es bei der MVG. "Die Doppeltraktion macht es möglich, in späteren Jahren je nach Entwicklung die Zugteile auch einzeln einzusetzen oder anders zu kombinieren."

Einige Änderungen im Stadtbild

Ein Trambahn-Gespann kann laut König bei einer Länge von 48 Metern bis zu 270 Fahrgäste aufnehmen. Bei den Avenio-Bahnen finden 216 Leute Platz. Bevor die neuen 48-Meter-Bahnen durch München rollen, müsste sich im Stadtbild einiges ändern. Laut den ersten Überlegungen will König die Tram-Gespanne auf den besonders stark ausgelasteten Linien 20 und 21 einsetzen - um dies aber umsetzen zu können, müssten die Haltestellen entlang dieser Strecke an der Dachauer Straße verlängert werden.

Fahrgastvertreter Maier findet es zwar gut, dass die MVG "nun endlich" auf deutlich längere Trambahnen setzt. In anderen Städten, etwa in Bochum, Berlin oder Dresden, sind Trambahn-Gespanne schon seit Jahren im Einsatz. Schlecht ist aus seiner Sicht aber, dass die MVG einige R 2.2-Züge aufs Abstellgleis schicken will, sobald die neuen Züge geliefert werden. Unterm Strich stünden so zwar größere Fahrzeuge zur Verfügung, der Fuhrpark an sich würde sich von der Anzahl her aber nicht vergrößern, kritisiert Maier und stößt sich noch an einem weiteren Punkt: Nämlich der geringen Stückzahl von lediglich 13 bestellten Zügen.

Manche erinnern sich noch daran, dass die damaligen Stadtwerke in den Sechzigerjahren neue Trambahnen in Tranchen von mehreren Dutzend geordert hatten. Zuletzt aber hatte König mal 14 Variobahnen beim Hersteller Stadler-Rail gekauft, dann wieder acht beim Konkurrenten Siemens. Nun folgen weitere 13 Fahrzeuge bei einem noch zu bestimmenden Lieferanten. Am Ende habe die MVG so "einen unglaublichen Mischmasch an Kleinserien" im Depot, für die jeweils unterschiedliche Werkstattausstattungen und Ersatzteile beschafft werden müssten, kritisiert Maier. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass das besonders wirtschaftlich ist."

© SZ vom 28.10.2014/vewo
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