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Nahverkehr in München:MVG plant zweiten Trambetriebshof

Straßenbahndopot in München, 2010

Im bestehenden Trambetriebshof an der Einsteinstraße ist jetzt schon kaum mehr genügend Platz.

(Foto: Catherina Hess)

Die Münchner Verkehrsgesellschaft braucht mehr Platz für ihre Trambahnen und plant deshalb einen neuen Betriebshof an der Ständlerstraße in Ramersdorf. Das dürfte Proteste bei den Anwohnern auslösen.

Von Marco Völklein

Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) will in naher Zukunft einen neuen Trambahnbetriebshof an der Ständlerstraße in Ramersdorf errichten. Dort betreibt das städtische Verkehrsunternehmen bereits seine Trambahnhauptwerkstätte; in einer alten Werkshalle ist zudem das MVG-Museum untergebracht, das die Geschichte des Münchner Nahverkehrs zeigt. Künftig sollen dort nun zusätzliche Werkstatt- und Abstellanlagen entstehen, wie ein MVG-Sprecher auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung bestätigte. Bei den Anwohnern allerdings dürften die Pläne auf heftigen Widerstand stoßen.

Die hatten sich zuletzt gegen Pläne des Verkehrsunternehmens Veolia gewehrt, das auf dem Gelände eigentlich einen Betriebshof für seine "Meridian"-Züge errichten wollte. Nicht zuletzt wegen des Widerstands der Anwohner, die eine Anwaltskanzlei sowie Landtagsabgeordnete eingeschaltet hatten, hatte Veolia die Pläne im Februar dieses Jahres dann wieder gekippt. Nun also will die MVG das Gelände nutzen und dort einen zweiten Straßenbahnbetriebshof errichten - zusätzlich zu dem bestehenden an der Einsteinstraße.

Ständig steigende Fahrgastzahlen

Als Grund nennt die MVG die ständig steigenden Fahrgastzahlen. Um sie zu bewältigen, wird das Unternehmen in den nächsten Jahren zusätzliche Trambahnen kaufen. Erst im Mai wurde das Vergabeverfahren für zunächst 13 neue Straßenbahnzüge gestartet, Optionen für weitere Fahrzeuge sollen vereinbart werden. Bis Frühjahr 2015 soll eine Entscheidung fallen, wer die neuen Züge liefert. Absehbar ist daher schon jetzt, "dass die Kapazität des Betriebshofs in Steinhausen samt der Ein- und Ausrückwege in einigen Jahren erschöpft sein wird", heißt es bei der MVG.

Eine Voruntersuchung habe gezeigt, dass das Gelände an der Ständlerstraße "hierfür richtig und ohne Alternative ist". Das Areal sei "richtig dimensioniert, seit über einem Jahrhundert für den Trambetrieb genutzt" und vor allem: im Besitz des MVG-Mutterkonzerns Stadtwerke. Die Trambahnen könnten über eine Hauptverkehrsstraße oder entlang der bestehenden S-Bahn-Gleise - und damit weit entfernt von Wohnhäusern - ein- und ausrücken, argumentiert die MVG und versichert: Sobald nähere Details zu den Planungen vorlägen und eine umfassende Konzeptstudie erarbeitet sei, "werden wir den Stadtrat, den Bezirksausschuss und die Öffentlichkeit detaillierter informieren".

Zeitplan noch unbekannt

Bis wann das alles erfolgen soll, ist unklar. "Wir sind noch in einem frühen Planungsstadium", sagt der Unternehmenssprecher. Vieles sei noch offen, "diverse Untersuchungen noch erforderlich". Auch zu den möglichen Kosten äußert sich die MVG nicht.

MVG-Kritiker weisen unterdessen darauf hin, dass das Unternehmen vor Jahren zwei Betriebshöfe geschlossen hat: nämlich im Jahr 1977 den an der Dachauer Straße (Baujahr: 1928) sowie offiziell im Jahr 1993 den an der Westendstraße (Baujahr: 1934), der aber später bei Engpässen mehrmals reaktiviert wurde. Hätte man einen der beiden nicht stillgelegt, müsste man nun keinen Neuen errichten, sagen die Kritiker.

Zum damaligen Zeitpunkt aber habe kein Bedarf für einen zweiten Betriebshof bestanden, verteidigt sich die MVG. Zudem seien die beiden Betriebshöfe veraltet gewesen, insbesondere die Werkstätten hätten den Anforderungen nicht mehr genügt. "Man hätte also in jedem Fall völlig neu bauen müssen."

© SZ vom 22.10.2014/mmo
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