Trachten-Trends 2012:Spitzenborten, Hirschknöpfe und Hüte

In einer Woche beginnt das Oktoberfest. Doch was anziehen? Auch dieses Jahr ist die Trachtenmode bunt und vielfältig. Auffällig ist ein Trend hin zum Altbewährten. Von günstig bis teuer, von traditionell bis ausgefallen: Das sind die Wiesn-Trends 2012.

Julia Weber

Ein hektischer Daniel Welte huscht zwischen den Ständern voll mit Dirndln und Lederhosen umher. Bei Wiesn, Tracht und mehr im Tal zwischen Marienplatz und Isartor gibt es noch einige paar Trachten-Kleidungsstücke zu kaufen, auch noch zwei Wochen vor Anstich. Welte wäre es allerding lieber, die Kunden würden nicht alle auf den letzten Drücker kommen. "Wer jetzt noch kein Dirndl hat, muss sich beeilen. Wenn das Oktoberfest erst einmal angefangen hat, sind die Läden ausgeräubert."

Wiesn, Tracht & mehr bietet Trachtenmode für den kleinen Geldbeutel an. Ein dreiteiliges Dirndl-Set mit Bluse und Schürze bekommt man schon ab 50 Euro. Lederhosen-Sets bestehend aus Hose, Hemd, Socken und Schuhen kosten rund 200 Euro. "Landhausmode geht gar nicht", sagt Welte. Darunter versteht er Trachtenmode für Touristen, die überladen ist und billig aussieht.

Etwas ungläubig schaut man sich nach dieser Einordnung in seinem Laden um. Denn auch die Dirndl hier sind alle ein bisschen zu kurz, die Farben ein bisschen zu grell und die Stoffe so, dass es im Festzelt darin hässliche Schweißränder geben wird. Wer nicht viel Geld für ein Dirndl ausgeben will oder wer sich nächstes Jahr eh ein Neues zulegen möchte, ist hier aber genau richtig.

"Die Kunden sollen sich auch gleich nach Jacken umschauen", rät Welte. Denn die Wiesn ist spät dieses Jahr und Janker und Schultertücher finden deshalb reißenden Absatz. Vieles was lange als traditionell und verstaubt galt, ist dieses Jahr wieder im Kommen. "Traditionen sind nicht mehr altmodisch", sagt Welte.

Kombiniert würden die Schultertücher zu Dirndl in dunklen Grundfarben, wie zum Beispiel schwarz, die dann mit Schürzen in knalligen Farben aufgepeppt werden. Bei den Männern beobachtet Welte einen Trend zur kurzen Lederhose. "Von den knielangen Hosen verkaufen wir mehr als letztes Jahr."

Farbig abgesetzte Stickereien auf den Lederhosen peppten das Outfit auf, genauso wie farbige Loaferl und mehrfarbige Karo-Hemden. "Das traut sich aber nicht jeder", sagt Welte. Viele Kunden hingegen seien mutig genug einen Trachtenhut zu tragen. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen stünden die Hüte, vor allem mit großen Federn, dieses Jahr modisch hoch im Kurs.

"Man kann das Überladene nicht mehr sehen"

Nur wenige Meter, aber Welten entfernt, liegt das Atelier von Lola Paltinger. Die Designerin, die schon Stars und Sternchen wie Selma Hayek und Paris Hilton eingekleidet hat, beobachtet ähnliche Entwicklungen wie die günstigeren Mitbewerber von Wiesn, Tracht & mehr. Der Trend gehe hin zum traditionell Schlichten.

"Man kann das Überladene nicht mehr sehen", sagt die Designerin. Trotzdem sind die Dirndl von Lola Paltinger noch recht opulent und ausgefallen. Das günstigste kostet 700 Euro. Unikate gibt es kaum zu dem Preis. Von einem Modell werden 80 bis 100 Stück gefertigt. Alle Paltinger Dirndl sind handgenäht. Wer ganz sicher gehen will, dass keine andere Frau auf der Wiesn das gleiche Dirndl trägt, der muss schon 3500 Euro hinblättern.

Im Atelier der Designerin können sich die gut betuchten Kundinnen aus Stoffen und Borten selbst ein Dirndl zusammenstellen. Drei Tage dauert die Anfertigung. Hier wird die Zeit bis zur Wiesn freilich knapp. Wer sich ein so hochpreisiges Dirndl nicht leisten kann, kann vielleicht sein günstigeres Kleid mit Schmuck von Lola Paltinger aufhübschen. Ein Charivari der Designerin bekommt man schon ab 90 Euro, eine Kette gibt es ab 100 Euro.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB