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Theater:Wer für die Intendanz am Residenztheater im Gespräch ist

Residenztheater in München präsentiert neues Spielzeitprogramm, 2016

Martin Kusej wird das Residenztheater in Richtung Wien verlassen.

(Foto: Stephan Rumpf)

2019 verlässt Martin Kušej München vorzeitig und übernimmt das Burgtheater in Wien. Eigentlich sollte er noch vier Jahre bleiben.

Von Egbert Tholl

Martin Kušejs Wirken in München ist eines der langen Vorläufe. Vier Jahre, bevor er als Intendant das Residenztheater übernahm, war er designiert. Und noch ehe vor drei Jahren sein Vertrag bis 2021 verlängert wurde - was ja nun obsolet ist -, tauchten die ersten Spekulationen über einen möglichen Weggang nach Wien, ans Burgtheater dort, auf. Egal, wer ihm 2019 auf den Intendantenposten nachfolgen wird: Einen solchen Vorlauf wird es nicht geben.

Als Kušej kam, fand er in München einen alten, guten Bekannten vor, Nikolaus Bachler, Intendant der Staatsoper. Dieser bleibt noch bis 2021, gegenüber an den Kammerspielen hat Matthias Lilienthal derzeit ebenfalls einen Vertrag bis zu diesem Jahr. Das heißt, wer auch immer ans Residenztheater kommt, trifft auf ein Gefüge in unmittelbarer Nachbarschaft, das sich dann bald verändern wird. Nun obliegt zwar die Nachfolge Bachlers wie die Kušejs dem selben Ministerium, daraus eine konzertierte Aktion ableiten zu können, scheint aber schon wegen der Unterschiedlichkeit der Zeitläufe nicht möglich.

Also muss fürs Residenztheater eine autonome Entscheidung her, die gar nicht in Bezug zu den Kammerspielen stehen kann. Und die ist nicht leicht, schließlich ist das große Haus, das eigentliche Residenztheater, ob seiner Größe eine schwierig zu bespielende Bühne, das Cuvilliéstheater eine problematische Schatulle und was den Marstall betrifft, verlässt Kušej München als Unvollendeter: Die Idee, mit Bachler und der Staatsoper zusammen dort eine experimentelle Doppelbühne für Musik- und Sprechtheater zu etablieren, was einen gehörigen, angesichts der bröckelnden Bausubstanz aber dringend notwendigen Umbau veranlassen würde, ist nun vermutlich vom Tisch. Gleichwohl ist das Residenztheater eines der größten und am besten ausgestatteten Häuser im deutschsprachigen Raum.

Die grundsätzliche Frage bleibt, ob man die bisherige ästhetische Ausrichtung weitgehend beibehalten will, vielleicht sogar beibehalten muss. Dass man die Schraube einer als Weiterentwicklung gedachten künstlerischen Verschärfung auch überdrehen kann, sah man ja vor ein, zwei Jahren an den Kammerspielen und sieht es dort noch immer. Daneben stellt sich die Frage, will man einen Künstlerintendanten, der wie Kušej oder sein Vorgänger Dieter Dorn selbst inszeniert. Da fielen einem etwa Thomas Ostermeier ein, dem nach vielen Jahren an der Berliner Schaubühne vielleicht ein wenig bayerische Heimatluft gut täte und der sicherlich für einen, wenn auch nicht zu krassen, inszenatorischen Wandel stünde.

Oder Barbara Frey, deren Intendanz in Zürich 2019 ausläuft - das Schauspielhaus Zürich ist in seiner (Besucher-)Struktur mit dem Residenztheater gut vergleichbar. Kontinuität verspräche die Wahl von Amelie Niermeyer, derzeit Leiterin der Schauspiel/Regie-Abteilung am Mozarteum in Salzburg und als Regisseurin frei tätig. Niermeyer war Intendantin in Freiburg und Düsseldorf, sie inszeniert regelmäßig am Residenztheater - als Neuanfang könnte man ihre Wahl kaum begreifen.

Fragt sich, ob der gewollt ist. Ostermeier ginge in diese Richtung, stärker noch ein Regisseur wie Sebastian Nübling, der gerade unter den letzten Drei für Zürich war und den man sich allerdings auch gut irgendwann an den Kammerspielen vorstellen könnte. Er hat zumindest Erfahrung mit der Leitung eines Jugendtheaters. Regisseure, die endlich einmal eine Intendanz verdient hätten wie Andreas Kriegenburg, scheinen fürs Residenztheater als zu wagemutige Wahl, betrachtet man die Intendanzen der vergangenen Jahrzehnte. Für Kušej war es zwar damals die erste echte Intendanz, aber zuvor hatte er das Schauspielprogramm der Salzburger Festspiele geleitet.

Dann gibt es noch den anderen Typus, den Intendant als Ermöglicher. Barbara Mundel, deren Intendanz in Freiburg ausläuft, wäre hier zu nennen; sie kennt München, war unter Baumbauer eine Zeit lang Chefdramaturgin an den Kammerspielen. Oder Andreas Beck, derzeit Intendant in Basel, dort Entdecker von Simon Stone fürs deutschsprachige Stadttheater und offenbar gerade auch in der engeren Wahl an der Burg gewesen.

© SZ vom 01.07.2017/bica

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