bedeckt München 11°
vgwortpixel

Symbolische Umbenennung:Brutaler Offizier, schwarze Sängerin

Symbolische Umbenennung von Kolonialstraßename: Dominikstraße in Bogenhausen

Den deutschen Kolonialoffizier Hans Dominik hat der Arbeitskreis Panafrikanismus symbolisch durch die Sängerin Miriam Makeba ersetzt.

(Foto: Florian Peljak)

Arbeitskreis protestiert gegen historisch belastete Straßennamen.

Mit einer symbolischen Umbenennung der Dominikstraße in Bogenhausen hat der Arbeitskreis Panafrikanismus am Sonntag gegen historisch belastete Straßennamen protestiert. Im Zuge der von den Grünen im Jahr 2003 angestoßenen Debatte zur Entkolonialisierung der Münchner Straßennamen war die Von-Trotha-Straße in Trudering schließlich in Hererostraße umbenannt worden. Generalleutnant Lothar von Trotha gilt als verantwortlich für den Völkermord an den Hereros im Jahr 1904.

Weitere Straßennamen erhielten Erläuterungstafeln, die den problematischen Hintergrund deutlich machen, wie etwa bei der Dominikstraße: "Hans Dominik (1870-1910), als Offizier verantwortlich für brutale Unterdrückungsmaßnahmen und Hinrichtungen in der deutschen Kolonie Kamerun". Die Grünen bedauerten, dass sich keine Mehrheit im Stadtrat dazu durchringen konnte, auch die Dominikstraße umzubenennen. Der Arbeitskreis gab der Straße nun symbolisch den Namen der südafrikanischen Sängerin und Kämpferin gegen die Apartheid-Politik, Miriam Makeba (1932-2008).

Dass in München heute immer noch viele Straßen nach deutschen Kolonialisten und Soldaten benannt sind, die Massaker und Völkermord begangen haben, sei "unserer weltoffenen Stadt München unwürdig und beleidigend für unsere multikulturelle Gesellschaft und die Menschen, die aus diesen Ländern stammen", sagte Hamado Dipamo vom Arbeitskreis Panafrikanismus. Zusammen mit zahlreichen anderen Organisationen fordert dieser schon seit Jahren die Umbenennung. Auch der Migrationsbeirat habe bereits zweimal einstimmig die Forderung danach erhoben, sagte Dipama.

Er bedauerte, dass sich das Stadtarchiv nun zwar bei einer Veranstaltung mit der Problematik befasse, aber ausgerechnet die Organisationen, die an dem Thema intensiv arbeiten, ignoriert habe. "Wir werden keine Ruhe geben, solange diese Straßen nicht umbenannt werden", sagte Dipama.

© SZ vom 11.12.2017 / loe
Zur SZ-Startseite