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Subkultur:Das "Provisorium" schließt - und das ist kein Grund zur Trauer

Ruby Bar München; Club in München

Wo man einst in der Rubybar um ein Pferd und ein Zebra tanzte, stehen jetzt Luxuswohnungen.

(Foto: Franca Hoyer)

Die charmante Bar war als Zwischennutzung auf wenige Monate befristet - sie blieb sechs Jahre. Dabei ist es gerade das Begrenzte, was solche Projekte ausmacht. Und sie zur Legende werden lässt.

Das Wesen einer Zwischennutzung ist es, dass sie früher oder später wieder aus der Stadt verschwindet; meist so schnell, wie sie einst aufgetaucht ist. Oft überbrückt sie die Zeit, bis Umbaumaßnahmen begonnen oder leer stehende Gebäude abgerissen werden können. Die Ruby Bar zum Beispiel, die einen Flachbau an der Reichenbachbrücke bespielte, draußen Biergarten, drinnen Club, mit Zebra. Vergangen, aber nicht vergessen. An ihrer Stelle grüßen jetzt gesichtslose Luxussuiten.

Manchmal halten Zwischennutzungen länger durch als so manch gewöhnliches Lokal in der Stadt. Das Provisorium in der Lindwurmstraße zum Beispiel, das seine Vergänglichkeit schon im Namen trägt. Ursprünglich auf ein paar Monate befristet, konnte die charmante Bar mit ihren selbst angesetzten Wodkas, ihren Ausstellungen, Fail Nights und Geburtstagspartys ganze sechs Jahre bleiben. Manch einer bemängelt nun geradezu empört, dass der namensgebende Zustand tatsächlich wahr ist - das Provisorium schließt im Mai.

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Dass es so kommt, sollte für Freunde der Bar aber kein Anlass zur Trauer sein. Das wäre kurzsichtig, so wie es kurzsichtig ist, sich zu wünschen, es möge jeden Tag Weihnachten sein. Zwischennutzungen schließen nun mal irgendwann. Und gerade das Temporäre, das Begrenzte ist es, was ihren besonderen Reiz ausmacht. Oft entstehen sie an besonderen Orten, Locations, die niemals langfristig an einen Gastronomen vermietet werden würden, schon gar nicht zu dem Preis. Nein, dass es mit einem solchen Projekt irgendwann vorbei ist, liegt nicht unbedingt an der bösen Gentrifizierung. Könnten Vermieter nicht darauf zählen, dass eine Zwischennutzung dann auch mal schließt wie angekündigt - niemand würde sich mehr darauf einlassen.

Es gibt Zwischennutzungen in allen Größen, von unterschiedlichster Dauer, für beinahe jeden Geschmack. Genau dann, wenn das Provisorium schließt, eröffnet für voraussichtlich zwei Jahre das größte Projekt in der ehemaligen königlichen Filialbank in der Kardinal-Faulhaber-Straße: "The Lovelace". Die Betreiber um Gastronom Michi Kern investieren etwa eine Million Euro und haben sogar Hotelzimmer eingeplant; wenn hier Geburtstage gefeiert werden, wird wohl eher der Champagner fließen als dass die Bierflaschen aneinander stoßen.

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Im Sommer wird, so die Stadt es will, jemand Sand am Vater-Rhein-Brunnen aufschütten, im Viehhof wird ein urbaner Biergarten entstehen, im früheren Imax werden wilde Raves gefeiert werden und am Ostbahnhof werden Barthipster mit Longdrinks in der Hand zwischen Schiffscontainern und Gemüsekisten sitzen. Alles befristet, alles auf Zeit; die einen mit Aussicht auf annähernde Dauerhaftigkeit oder zumindest Wiederkehr, die anderen ohne.

Zwischennutzungen halten die Stadt lebendig, sie wachsen in Ecken und Hinterhöfen, die andernfalls tot und unbeachtet geblieben wären. Sie erblühen wie Pflanzen, treiben knallige Blüten, bevor sie ihre Blätter verlieren.

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