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Streit um Privatleben eines Imams:Eine Moschee ist kein Ort für Schlägereien

Der Imam ist noch im vergangenen Jahr zurückgetreten, zu groß war der Druck. Auch vom Posten des Vereinsvorsitzenden wollten ihn seine Gegner vertreiben, scheiterten aber zunächst an formalen Fehlern, ehe man sich kürzlich zur Mitgliederversammlung traf. Ob die Vorstandswahl juristisch Bestand hat, wird sich zeigen, denn wer wahlberechtigt ist im Moscheeverein, ist strittig. So strittig, dass auch während dieser Versammlung die Polizei gerufen wurde, sie rückte mit mehreren Streifen an, doch der befürchtete Tumult blieb aus. Wenige Tage später wurde sie wieder alarmiert, diesmal versiegelten die Beamten einen Büroraum im Moschee-Gebäude. Beide gegnerischen Lager sollen damit einverstanden gewesen sein, heißt es bei der Polizei. Jetzt solle ein Gericht die Rechtmäßigkeit der Wahl klären.

An die Spitze des Vereins kamen bei dieser umstrittenen Abstimmung zwei erklärte Gegner des früheren Imams. Einer von ihnen ist jetzt wegen der Attacke in der Moschee angeklagt. Nach einer guten Stunde Verhandlung macht ihm das Gericht ein Angebot. Zwar warten noch weitere Zeugen vor der Tür, doch der Richter mag nicht mehr und bietet die Einstellung an, gegen ein paar hundert Euro Geldauflage und Schmerzensgeld sowie gemeinnützige Arbeit. Irgendwas sei schon passiert, da sei er sich sicher, sagt der Richter, das wiege aber nicht allzu schwer, da der Angeklagte ohne Vorstrafe und der Geschädigte kaum verletzt worden sei.

Ein Urteil könnte teurer werden, betont der Richter und ist froh, als der Angeklagte nickt. Dass noch immer reichlich unklar ist, warum und wie der deutsch-afghanische BRK-Mann zu Boden ging, spielt keine Rolle, der Richter wünscht sich Rechtsfrieden: "Schauen S', dass da Ruhe einkehrt in die Moschee. Das ist nicht der Ort, um sich zu schlagen."

Das Ende des Prozesses passt zu den Fragezeichen, die über der Moschee stehen. "Gerüchte sind üblich unter Afghanen", hat ein Gemeindemitglied gesagt. Und in einem gleichen sich der ehemalige Imam und seine ehemalige Geliebte noch immer: Beide halten die andere Seite für unberechenbar, beide gaben bei der Polizei zu Protokoll, dass sie Angst haben. Mann und Frau sind die Folgen ihrer gemeinsamen Zeit längst entglitten. Ihre Beziehung ist Sache der Gemeinde und der Justiz geworden.