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Streit um Privatleben eines Imams:Schlammschlacht im Internet

Außerhalb des Gerichtssaals haben diverse Gemeindemitglieder großes Redebedürfnis, doch einige nur unter der Bedingung, dass ihr Name nicht auftaucht. Misstrauen und Angst sind allgegenwärtig. Der Kampf um die Moral in der Moschee wird längst als Schlammschlacht im Internet ausgetragen. Mehrere Videos auf Youtube mussten schon entfernt werden, kürzlich wurde ein neues Machwerk hochgeladen, auf denen beispielsweise auf den Körper des Imam Tierköpfe montiert sind. Mancher Imam-Gegner hat jedes Maß verloren.

Das sieht auch Hildebrecht Braun so, obwohl er dieses Lager unterstützt: "Das geht zu weit", sagt der Rechtsanwalt zu den Videos. Der ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete vertritt mehrere Muslime aus der "Opposition" und ist unglücklich darüber, dass die Unruhe in der Moschee nach außen gedrungen ist. Weil solche Geschichten Wasser auf die Mühlen der extremen Islamgegner seien. Braun kennt sich aus mit deren Hasstiraden, seit er den Penzberger Imam Benjamin Idriz vertritt. Ob man, fragt der Anwalt, die Geschichten aus Berg am Laim wirklich berichten müsse. Würde er das auch fragen, wenn Vergleichbares in einer christlichen Pfarrei geschähe?

In Berg am Laim hat alles vor sechs Jahren mit einer privaten Beziehung begonnen, die unter normalen Umständen Außenstehende nichts anginge. Die Liaison verlief wie so viele, erst war von Liebe die Rede, dann von Enttäuschung, später von Täuschung. Beide hatten irgendwann das Gefühl, vom anderen diskreditiert zu werden. So kam es, dass im vergangenen September zuerst die Frau Anzeige erstattete gegen den Mann wegen Verleumdung, später er gegen sie wegen Erpressung.

Das setzte den deutschen Ermittlungsapparat in Gang, sodass über Monate die Polizei in der Moschee ein und aus ging. Die Staatsschützer ermittelten, alarmiert von einer brisanten Behauptung: Die Gegner des Imam seien Radikale. Die Polizei aber sagt, nach monatelangen Ermittlungen: Nein, es gebe dort keine gefährlichen Extremisten. Dass zwei führende Imam-Gegner lange Bärte tragen, mache sie und ihre Gefolgsleute nicht automatisch zu Islamisten. Aber sehr emotional sei die Gemengelage schon.

Viele Vorwürfe gehen auf Videos und Tonaufnahmen zurück, die die Frau von ihrem damaligen Geliebten angefertigt hat, teils offen, teils heimlich. Als sie ihren Namen in den Schmutz gezogen sah, versuchte sie sich reinzuwaschen. Sie vertraute sich im Herbst Gemeindemitgliedern an, und recht schnell verlor sie wohl die Kontrolle über ihre Aufnahmen. Sie landeten auf Youtube. Der Gottesmann sieht seinen Ruf ramponiert - und das nicht nur in Deutschland. Es dauerte nicht lange, dann waren auch Auszüge aus den Ermittlungsakten im Umlauf, was die Gemüter weiter erhitzte. In der Moschee selbst muss es mehrmals zu lautstarken Auseinandersetzungen gekommen sein, einmal rückte sogar eine Einsatzhundertschaft an, vorsichtshalber.