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Streit:Pegida-Chef schmeißt zwei Mitstreiter raus

Der Vorsitzende von Pegida-München, Heinz Meyer, ist mit zwei ehemaligen Mitstreitern aneinander geraten.

(Foto: Robert Haas)
  • Die angekündigte Solidaritätsbekundung für die AfD vor dem Münchner Hofbräukeller löst einen Machtstreit innerhalb von Pegida München aus.
  • Pegida-Chef Heinz Meyer stellt offen klar: "Pegida München bzw. Pegida Bayern hat mit dieser überflüssigen Versammlung nichts zu tun."
  • Stefan Werner, der zu der Veranstaltung aufgerufen hatte, spricht von "monatelangem Agitieren" gegen ihn und kündigt an: "Wir machen weiter."

Bei Pegida München fliegen die Fetzen. Ausnahmsweise geht es bei der rechten Gruppe diesmal aber nicht gegen Flüchtlinge, die Münchner Stadtspitze oder die Lügenpresse - sondern gegeneinander. Erst in dieser Woche hatte Pegida überraschend alle Veranstaltungen für die laufende Woche abgesagt; und auch für die kommende Woche hat Pegida noch keine Aktivitäten angekündigt - obwohl sie laut Bescheid des Kreisverwaltungsreferats am Pfingstmontag am Stiglmaierplatz demonstrieren dürften.

Nachdem sich bereits im März die Mit-Vorsitzende Birgit Weißmann weitgehend aus dem montäglichen Demo-Geschehen zurückgezogen hat, hat Pegida-Chef Heinz Meyer jetzt zwei Mitstreiter der ersten Stunde kaltgestellt: Beisitzer Stefan Werner und Redner Hartmut Pilch. Hintergrund des Streits, der in den sozialen Netzwerken seit Donnerstag öffentlich ausgetragen wird, ist die für heute von Werner angekündigte Solidaritätsdemonstration für die AfD auf dem Wiener Platz, zu der die Veranstalter selbst lediglich maximal zwanzig Teilnehmer erwarten. "Pegida München bzw. Pegida Bayern hat nichts mit dieser überflüssigen Versammlung zu tun", ließ Meyer am späten Donnerstagabend auf der Facebook-Seite von Pegida München mitteilen.

Und gleich darunter der Hinweis, der einem Rauswurf Werners gleichkommt und von diesem auch so verstanden wurde: "Zur weiteren Bündelung unserer Aktivitäten wurde gemeinsam mit Pegida Dresden beschlossen, dass die Seite Pegida Bayern künftig von Pegida München e.V. koordiniert wird. Vereint sind wir stark!"

Was sich auf den ersten Blick ein bisschen verworren anhört, klärt sich bei einem Blick ins Impressum: Für die bayerische Pegida-Seite zeichnet nämlich offiziell die Dresdner Ur-Pegida verantwortlich.

Was hinter den Kulissen in dieser Woche geschah, erklärt der ehemalige NPD-Funktionär Stefan Werner auf seiner neuen Seite "Bayern ist frei" so: "Wer den Aufstand der Vernünftigen anstrebt, hat bei Pegida einen schweren Stand. Wir, die Redakteure, wurden von Räubern vor die Tür gesetzt, aber wir machen weiter." Und zwar in einem Blog, der weiterhin mit dem Pegida-Namen arbeitet...

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Dem Rausschmiss sei "monatelanges Agitieren" der Pegida-München-Organisatoren vorausgegangen, heißt es dort. Begründet werde das mit einer "Bündelung der Kräfte". Werners Kommentar: "Ich lach mich schlapp."

Werner hatte die Demo-Pause nicht akzeptieren wollen ("Null Aktivität? Nicht mit mir") und auf der Seite von Pegida Bayern zu einer Demonstration vor dem Hofbräukeller aufgerufen. Unterstützt wird er dabei offenbar von Hartmut Pilch, der bisher eifrig bei und für Pegida München Propaganda betrieb.

Werner selbst ist bislang Beisitzer der Gruppierung. Der Aktivist, der bei den Montagsaufmärschen regelmäßig Gegendemonstranten fotografiert, ist laut Bayerischem Verfassungsschutz "seit mehr als zehn Jahren in verschiedenen rechtsextremistischen Organisationen aktiv gewesen": 2005 kandidierte Werner bei der Bundestagswahl für die NPD, 2008 bei der Stadtratswahl für die rechtsextremistische Liste "Pro München", deren Vorstandssprecher er fünf Jahre lang war.

Seinem Kontrahent Heinz Meyer werden Kontakte zum verurteilten Rechtsterroristen Martin Wiese vorgeworfen. Seit fast vier Jahren ermittelt deshalb das Bayerische Landeskriminalamt im Auftrag des Generalbundesanwalts wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung gegen Meyer.

Ideologische Differenzen haben den Split bei Pegida München also offenbar nicht ausgelöst. Vielmehr geht es wohl um Rangansprüche in der rechten Szene. Werner ließ jedenfalls schon mal wissen: "Ich bin bereit, Verantwortung zu übernehmen. Wir sehen uns auf der Straße."

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