Nachruf auf Anton Leitner:Der Direktor, der selbst von der Schule geflogen war

Der Weßlinger unterrichtete in Starnberg und leitete das Carl-Spitzweg-Gymnasium in Germering mehr als zwei Jahrzehnte - ein menschlicher und liberaler Direktor.

Von Patrizia Steipe

Im Januar konnte er noch die Diamantene Hochzeit mit seiner Frau Ingrid feiern. Das wegen Corona ausgefallene Fest wollte das Paar nachholen. Dazu ist es nicht mehr gekommen. Nach kurzer Krankheit ist Anton Leitner mit 82 Jahren umgeben von seiner Familie vergangenen Montag im Krankenhaus Herrsching gestorben. "Ich habe ihm noch aus seiner eigenen Bibel die Stelle auf Latein aus dem Evangelium vorgelesen, die er sich für Sonntag vorgemerkt hatte", erzählt sein Sohn, der Lyriker und Verleger Anton G. Leitner aus Weßling. Auch die Krankensalbung hat der gläubige Christ noch empfangen können.

Anton Leitner wurde 1938 als 192. Hausgeburt in Weßling geboren. Er studierte Latein, Griechisch, Germanistik und Geschichte. Nach der zweiten Staatsprüfung für das Lehramt unterrichtete er zehn Jahre lang am Gymnasium Starnberg. Vorn dort wechselte er für acht Jahre in den Hauptpersonalrat des bayerischen Kultusministeriums. Seine guten Beziehungen in die Behörde halfen ihm bei der Gründung des Carl-Spitzweg-Gymnasiums in Germering, das er von 1980 bis 2003 leitete.

Wegen seines menschlichen und liberale Führungsstils war er als Direktor beliebt. Morgens begrüßte er die Schüler schon am Eingang mit ihren Namen. Zu ihm kamen die Schüler und Eltern mit ihren Sorgen. Auch im Ruhestand brach sein Kontakt zur ehemaligen Schule und den Schülern nicht ab. Einige von ihnen sind mittlerweile selbst Eltern und baten ihren alten Direktor immer wieder um Ratschläge oder schickten den Nachwuchs zu Leitner in die Latein-Nachhilfe.

Leitner selbst war in seiner Jugend eher ein Lausbub: Wegen schlechter Noten und weil er den Schulleiter ins Direktoriat eingesperrt hatte, war er sogar vom Karlsgymnasium in München geflogen. Am humanistischen Klosterinternat in Schäftlarn und nach der zehnten Klasse am Wittelsbacher Gymnasium fiel Leitner aber nur mehr durch sehr gute Leistungen auf. Er blieb wissensdurstig und sprachbegeistert.

Bis zu seinem Tod las er Originaltexte in Latein und Altgriechisch sowie Zeitungen und Bücher auf Englisch, Italienisch und Spanisch. "Ich habe erkannt, dass sich mir mit jeder Sprache eine neue Welt erschloss", hatte er einmal in einem Interview betont. Der Tod des beliebten Weßlingers hat sich schnell herumgesprochen. "Die ersten weinenden Kinder, denen er lange Nachhilfe gegeben hatten, haben schon angerufen", so sein Sohn.

© SZ vom 05.05.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB