Tutzing:Eine Pfarrerin und drei Kamele

Tutzing: ST. Christus: Lebendes Krippenspiel

Kamelwallach Ali - hier mit Pfarrerin Beate Frankenberger und Kamleführer Konstantin Klages - zog beim Weihnachtsspiel 2019 in Christuskirche in Tutzing alle Blicke auf sich. Dieses Jahr sind sogar drei Kamele angekündigt.

(Foto: Nila Thiel)

Beate Frankenberger bereitet jetzt schon das große Weihnachtsspiel vor - diesmal mit mehr Tieren als bei der Premiere.

Von Manuela Warkocz

Ja, isses denn schon bald Weihnachten? Draußen blühen die Maiglöckchen, alles freut sich über zaghafte Lockerungen - und in Tutzing setzt man dieser Tage fest darauf, dass die Pandemie bis Weihnachten weg ist. Zumindest soweit, dass ein aufwendiges Weihnachtsstück aufgeführt werden kann. Noch größer und toller als Weihnachten 2019. Da war Kamel Ali der Publikumsliebling in der Christuskirche. Diesmal sollen sogar drei Kamele einziehen. Für das ambitionierte Stücke werden Schauspieler gesucht.

Fast wie ein Nadelöhr wirkte der schmale Gang, als der Kamelwallach zwischen den Bänken gemächlich zum Altar trottete. Nicht nur Kinder sprangen in der mit 250 Besuchern proppenvollen Kirche auf, um den herausgeputzten tierischen Star im Weihnachtsspiel 2019 zu verfolgen. Dieses Jahr möchte Pfarrerin Beate Frankenberger die gefeierte Premiere mit drei Kamelen, einem Kinderchor und einem Orchester toppen. 5000 Euro Fördermittel aus dem Kulturfonds Bayern ermöglichen den größeren Aufwand.

"Ein außergewöhnlicher Zuschuss, den sonst nur größere Theaterhäuser bekommen", freut sich die Pfarrerin über die Anerkennung. Denn es ist keineswegs nur ein Krippenspiel, das kurz vor Heilig Abend die Zuschauer auf Weihnachten einstimmt. Mit der Opernregisseurin Annalena Maas gestaltet Frankenberger, die auch eine Ausbildung als Theaterpädagogin hat, vielmehr ein mehrschichtiges Theaterstück. Die Schauspielerinnen und Schauspieler lassen eigene Erfahrungen und Texte einfließen. Auch wenn die Pfarrerin dem nicht vorgreifen will, ist eigentlich schon klar, wer heuer im Mittelpunkt steht - die Heiligen Drei Könige auf ihren drei Kamelen. "Das könnten Ratgeber sein, Politiker, das würde gut in die Zeit passen", so Frankenberger. Mitwirkende, Erwachsene wie Kinder, werden gesucht. Auch ein Kinderchor muss sich erst finden.

Die Kamele - inzwischen Frankenbergers Lieblingstiere, "weil sie so duldsam sind" - sollen wieder aus dem Mangfalltal anreisen. Wie der sanftmütige Kamelwallach Ali leben sie auf dem Hof "Bayern-Kamele" in Grub. Der Transport gilt als problemlos. Auch der Auftritt. Die Tiere sind nicht nur Ausritte gewohnt, sondern auch Hochzeiten und Film-Sets. "Sie bringt nichts aus der Ruhe, für Ali ist das alles keine Belastung. Davon können wir uns als Menschen noch einiges abschauen", so Kamelbesitzer Konstantin Klages. Er ließ nach dem Theaterstück bereitwillig Kinder auf Ali aufsitzen.

Weil der Andrang so groß war - Besucher kamen bis aus München und Weilheim zur Kamel-Weihnacht - sind diesmal zwei Aufführungen geplant. Am liebsten im Freien vor der Kirche, was auch wegen der Pandemie von Vorteil wäre. Hat sie eine Kerze gestiftet, damit Corona bis Weihnachten endlich vorbei ist? Frankenberger lacht. "Das mit den Bittkerzen ist die andere Fraktion. Aber beten tue ich schon dafür."

Anmeldung für Weihnachtsspiel und Kinderchor ab sofort im Pfarramt der Evangelischen Christuskirche in Tutzing, Telefon 08178/8005. Die Theaterproben beginnen Mitte September.

Wo die Kamele grasen

Drei Kamele für das Tutzinger Weihnachtsspiel? Konstantin Klages, Betreiber des "Kamelhof-Bayern" nahe Valley, schaukelt das. Er musste zwar jetzt wegen der Corona-Krise seinen Hof drastisch verkleinern. Grasten zuvor 37 Kamele, dazu mehr als 30 Lamas und Alpakas sowie ein Dutzend Esel und Pferde auf den Weiden im Mangfalltal, hält er derzeit nur noch 18 Kamele, sieben Lamas und je zwei Esel und Pferde. Von zwölf Mitarbeiter sind lediglich noch vier auf dem weit über die Region hinaus bekannten Hof beschäftigt. Dieser drastischen Verkleinerung aus wirtschaftlicher Not gewinnt Klages aber durchaus Positives ab. Mit jedem verkauften Traktor und Anhänger habe er sich befreiter gefühlt. "Jetzt kann ich wieder das tun, was ich am liebsten mag - nahe bei den Tieren sein."

Zuletzt habe er fast nur noch als Eventmanager im Büro gesessen. Das ist nichts für einen, der mal Wildhüter oder Buschpilot in Afrika werden wollte und spätestens um fünf in der Früh aufsteht, um in der Natur zu sein. Tagein, tagaus Remmidemmi als öffentlicher Besucherhof, Feste im orientalischen Zelt, Auswärtstermine mit Tieren. Dazu noch gewaltigen Koste für Futter, Pflege, Versicherungen. Die 14 000 Euro staatliche Unterstützung, die er als "Kategorie Zoo" bekommen habe, fielen in einer Woche für Personal an. Das Jahr 2020 bezeichnet er daher als geradezu schön, "back to the roots". Klages Vater hatte den Hof vor 32 Jahren gekauft. Nach einem Zirkusbesuch erwarb er spontan zwei Kamele. Bald wurden es mehr. Konstantin Klages ritt die Tiere ein, da war er noch Schüler. Heute können Besucher den Kamelhof nur von Donnerstag bis Sonntag zu fest gebuchten Zeiten erleben, etwa für Reittouren oder Kindergeburtstage.

© SZ vom 12.05.2021
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