bedeckt München 20°
vgwortpixel

Talentiade 2019:Karriere auf Kanten

Lucy Margreiter, Leonie Flötgen und Nora Brand sind die Shootingstars des Skiclubs Starnberg. Die drei jungen Frauen, die gerade das Fachabitur machen, wollen wie Kira Weidle Profi-Rennläuferinnen werden.

Das war alles so nicht geplant. Eigentlich sollte Lucy Margreiter im zarten Alter von sechs Jahren lediglich einen Skikurs machen, weil die Eltern überzeugt waren: "Jedes bayerische Kind muss Skifahren können", wie Vater Robert Margreiter sagt. Also setzte man die Tochter samstags in den Skibus und holte sie abends wieder ab. Dass dieser Skikurs der Anfang einer Karriere als Profisportlerin sein sollte - damit hatte niemand gerechnet.

Leonie Flötgen

Leonie Flötgen vom SC Starnberg hat ihre erste Europacup-Saison hinter sich. "Sich dort durchzusetzen, ist nicht leicht", sagt die 19-jährige Skirennfahrerin vom SC Starnberg. Ihre beste Platzierung war ein 14. Platz.

(Foto: Privat)

Lucy Margreiter ist inzwischen 18 Jahre alt. Zusammen mit Leonie Flötgen, 19, und Nora Brand, 19, besucht sie seit zwei Jahren die CJD Christophorusschule in Berchtesgaden, eine Kaderschmiede für Wintersportler. Die drei jungen Frauen vom SC Starnberg sind im C- beziehungsweise B-Kader des Deutschen Skiverbandes (DSV) und gelten als Nachwuchshoffnungen für die Weltcup-Mannschaft. Dort hat die Starnbergerin Kira Weidle in der vergangenen Saison mit zwei Podestplätzen in der Abfahrt überzeugt. Und jetzt schon wieder Starnberg?

"Die Trainer dort sind bekannt dafür, technisch sehr gute Grundlagen zu vermitteln", sagt Lucy, die ein echtes Vereinsgewächs ist. So kennen sie freilich alle Kira - sie ist den Mädchen im Sportinternat ein Vorbild. "Sie zeigt uns, dass unser Ziel erreichbar ist", sagt Leonie. Die 19-Jährige hat ihre erste Europacup-Saison hinter sich. "Sich dort durchzusetzen, ist nicht leicht", sagt sie. Ihre beste Platzierung war ein 14. Platz. Nora hat 2018 die Jugendcup-Wertung gewonnen, heuer lag Freundin und Konkurrentin Lucy vorn. Letztere ist zudem bei der Jugend-Olympiade in Sarajevo gestartet, wo sie in ihrer Paradedisziplin Slalom ausschied - im Riesenslalom aber einen zehnten Platz belegte. Alle drei arbeiten hart für den Traum der Profi-Skirennfahrerin - wenngleich bei allen der Schwerpunkt auf den technischen Disziplinen Riesenslalom und Slalom liegt und nicht auf den Speed-Disziplinen Abfahrt und Super-G, wie sie Kira Weidle schätzt.

"Der Skifahrer wird im Sommer gemacht", weiß Nora. Das bedeutet in diesen Tagen: Morgens von 6.30 bis 7.30 die erste Trainingseinheit, bevor es in die Schule geht, wo aktuell die Abiturprüfungen anstehen. Nachmittags steht dann ein dreistündiges Kraft- und Ausdauertraining auf dem Programm, abends ist Zeit, um zu lernen. In der Regel haben die Ski-Mädls viel nachzuholen, weil sie die Wintermonate kaum den Unterricht besuchen. Leonie etwa hat im vergangenen Jahr an 80 von 160 Schultagen gefehlt. Das Fachabitur will sie trotzdem schaffen. Gelernt wird deshalb in jeder freien Minute. Nur nach einem langen Skitag - da sind sich alle drei einig - geht gar nichts mehr.

Obwohl die jungen Frauen alle mit 16 Jahren an das Internat nach Berchtesgaden gewechselt sind, wo sie von DSV-Trainern betreut werden, ist die Verbundenheit zum SC Starnberg groß. "Die unterstützen uns, rufen auch mal an und gratulieren", erzählt Nora. Lucys Vater Robert Margreiter ist nach wie vor im Vereinsvorstand. Er wiederum lobt die Verbundenheit der jungen Shootingstars, die gewissenhaft bei den Clubmeisterschaft mitmachen, auch wenn sie diese längst nicht mehr herausfordern.

Ein, vielleicht auch zwei Jahren wollen sie sich nun nach ihren Schulabschlüssen voll und ganz auf die Skikarriere konzentrieren. Dafür haben sie sich für die Sportfördergruppe bei Bundeswehr oder Zoll beworben. Womöglich gelingt ihnen dann der Sprung in die Weltspitze. Unabhängig davon steht für alle fest, dass sie über kurz oder lang ein Studium oder eine Ausbildung machen wollen. "Irgendwann ist das Skifahren vorbei", sagt Nora. Ihre Mutter Sofia Brand ist zuversichtlich, was das Potenzial ihrer Tochter betrifft. Das sportliche Talent habe sie von ihrem Großvater geerbet, zudem sei sie "zielgerichtet und ehrgeizig". Robert Margreiter ist ebenfalls gespannt, was die kommenden Jahre bringen werden. Er hat Lucy nur einen Ratschlag gegeben: "Nimm alles mit!"