Mitten in Starnberg:Schneehäubchen und Schönblödchen

Mitten in Starnberg: Eine Schneehaube fürs Auto - wenn man so losfährt, kann es gefährlich werden.

Eine Schneehaube fürs Auto - wenn man so losfährt, kann es gefährlich werden.

(Foto: Arlet Ulfers)

Der Winter mit Eis und Schnee stellt die Bürger vor besondere Herausforderungen. Doch einige Autofahrer treiben es gefährlich auf die Spitze. Ist das noch Ignoranz - oder schon mehr?

Von Peter Haacke, Starnberg

Für manch einen mag es durchaus immer wieder überraschend sein, dass im Winter Schnee fällt. Dass aber manche Autofahrerinnen und -fahrer meinen, sie müssten dann tagelang mit einem Schneehäubchen auf dem Dach durch die Gegend fahren, ist schlichtweg doof. Nein, Schnee und Eis haben nichts auf Autodächern, Motorhauben oder Heckfenstern zu suchen. Und wer Front- und Seitenscheiben freikratzen muss, darf sich nicht mit einem Sichtloch begnügen. Und das aus gutem Grund: Jene unbedarften Kandidaten, die ihr Auto vor Fahrtantritt nicht von Schnee und Eis befreien, riskieren nicht nur ihr eigenes, sondern vor allem das Leben anderer.

Die weiße, kalte, rutschige Pracht stellt im Straßenverkehr eine stete Gefahr dar - vor allem dann, wenn sie während der Fahrt wie eine weiße Fahne von Autodächern weht, tauend ins Rutschen gerät - und dann die Sicht nimmt. Höchste Gefahr lauert auch bei Lkws, Lieferwagen, Vans und Kleinbussen, um die man im Idealfall einen großen Bogen macht: Spätestens dann, wenn eine Eisplatte unkontrolliert auf- oder einschlägt, weiß man, wozu Lebens- und Krankenversicherungen gut sind.

Die Tarife der Polizei für nicht schneebefreite Fahrzeuge sind mit 25 Euro - im Vergleich etwa zum Nicht-Anschnallen oder Telefonieren ohne Freisprechanlage - geradezu lächerlich. Einzig die Schmach, den Mangel an Ort und Stelle zu beheben, schreckt Wiederholungstäter ab. Doch Obacht: Richtig teuer wird es bei Unfällen, Sachbeschädigungen oder fahrlässiger Körperverletzung - und womöglich zahlt dann auch die Versicherung nicht.

Ohnehin hat man es im Winter mit so mancher Absurdität zu tun: Da mühen sich die Nachbarn, den Gehweg von Eis und Schnee zu befreien - und dann kommt ein Straßenräumfahrzeug im Eiltempo vorbei und haut das ganze Zeug wieder drauf. Andererseits gibt es Schlaumeier, die ihren Schnee einfach auf die Straße schieben. Oder, noch besser, aufs Nachbargrundstück. Clever. Oder sie räumen die Auffahrt zur Garage, ignorieren aber die Räumpflicht vor dem Haus. Freilich ist das eine so doof wie das andere. Aber doof ist es auch, wenn Grundstückseigner ihren Part an der Schneeräumerei gar nicht erst wahrnehmen - schön zu sehen etwa an der Starnberger Bahnunterführung entlang der Possenhofener Straße.

Mitten in Starnberg: Nicht wirklich vorbildlich: Fahrschulauto im Winter mit Schneehaufen auf dem Dach.

Nicht wirklich vorbildlich: Fahrschulauto im Winter mit Schneehaufen auf dem Dach.

(Foto: Peter Haacke)

Zurück zum Auto: Dass sich junge Menschen auf winterlichen Straßen schwertun und ihre fahrerischen Fähigkeiten mangels Erfahrung überschätzen, ist nicht neu. Dass aber ausgerechnet Fahrschullehrer zuweilen mit Schneehäubchen in die Ausbildungsfahrt starten, ist geradezu fahrlässig. Wie heißt es doch: Gutes Sehen nützt, gutes Sehen schützt! Doch manche Damen und Herren möchten sich offenbar nicht mit Schnee besudeln. Oder sie glauben, ihnen fiele die Hand ab bei Gebrauch eines Handfegers oder Besens.

Allein am Dienstagvormittag stoppte die Starnberger Polizei sechs Fahrer mit kiloweise Schnee auf dem Dach. Aber pah, 25 Euro, was ist das schon. Hängt noch eine Null dran, liebe Gesetzgeber, erfahrungsgemäß wird es doch erst dann interessant, wenn es richtig an den Geldbeutel geht! Hilfreich könnte auch sozialer Druck sein: In Kindergärten könnte - pädagogisch höchst wertvoll - die Geschichte von "Schneehäubchen und Schönblödchen" vorgelesen werden. Die müsste zwar erst noch geschrieben werden. Doch wenn die Kinder erst mal losquengeln, haben auch Papa und Mama womöglich ein Einsehen und gönnen sich vier Minuten mehr zum Beseitigen von Eis und Schnee.

Ansonsten sollte man die Ignoranten einfach direkt ansprechen: auf dem Parkplatz, vor der Schule, beim Einkaufen. Vielleicht hilft's ein wenig.

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