Artenschutz im Landkreis Starnberg Die Rückkehr der Sumpfgladiole

Purpurne Pracht: Etwa 30.000 Sumpfgladiolen wachsen auf dem Mesnerbichl in Andechs.

(Foto: Burkhard Quinger)

Der Bund Naturschutz besitzt mittlerweile 16,5 Hektar Flächen im Landkreis Starnberg, auf denen er seltene Pflanzen hegt und pflegt. Der Mesnerbichl in Andechs ist sogar ein Naturdenkmal.

Von Patrizia Steipe

Wenn das Abendlicht Ende Juni schräg auf die tausenden von Sumpfgladiolen trifft, dann sieht es aus, als ob die purpurfarbenen Blüten zu glühen beginnen. "Das ist so schön, dass es einen schier umhaut", schwärmt Burkhard Quinger, Vorsitzender des Herrschinger BN-Ortsvereins (Bund Naturschutz).

Etwa 30 000 dieser geschützten Pflanzen wachsen auf dem Mesnerbichl. Damit ist das Naturdenkmal in der Gemeinde Andechs eines der fünf größten Sumpfgladiolen-Gebiete in ganz Deutschland. Das sei dem BN zu verdanken, ist sich Quinger sicher. In den Siebzigerjahren hätte es auf der Wiese nur noch knapp 5000 Pflanzen gegeben, erinnert sich der Biologe. Ein Großteil der Grundstücke am Mesnerbichl gehört mittlerweile dem BN. Dank jahrelanger regelmäßiger Pflege konnten sich die seltenen Pflanzen ausbreiten.

Die Überlebenskünstlerin

Wer Ende Juni, Anfang Juli die üppige Blütenpracht der Sumpfgladiole auf dem Mesnerbichl in Andechs oder dem Magnetsrieder Hardt in der Gemeinde Seeshaupt sieht, der mag kaum glauben, dass sich diese Pflanze aus der Familie der Schwertliliengewächse auf der Roten Liste gefährdeter Pflanzen befindet.Die Gladiolus palustris, wie der botanische Name heißt, braucht eher nährstoffarme und kalkreiche Böden. Sie verträgt wechselweise feuchte oder trockene Sommer. Deswegen kann ihr auch die extreme Trockenheit des vergangenen Sommers nichts anhaben. Auf dem Mesnerbichl gibt es den seltenen Fall, dass Kalkniedermoor und Kalkmagerrasen nebeneinander liegen. Je nach Witterung vermehren sich die Gladiolen bei Trockenheit dann eher im feuchten Moor oder ziehen sich bei viel Regen auf den Magerrasen zurück, erklärt der Herrschinger Biologe Burkhard Quinger. Die Pflanze wurde in die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie aufgenommen. Das bedeutet, dass für sie Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen. Es ist verboten die Sumpfgladiole abzureißen oder auszugraben. Der Mesnerbichl ist 1982 zum Naturdenkmal erklärt worden.

Nicht nur in Andechs hat der BN Flächen, berichtete der Vorsitzende Günter Schorn in der Kreisversammlung in Starnberg. Im gesamten Landkreis besitzt die Naturschutzorganisation 41 Areale mit mehr als 16,5 Hektar Flächen - und es werden immer mehr. Im vergangenen Jahr kauften die Naturschützer ein Grundstück am Maisinger See, eines in Berg wurde dem BN geschenkt. Das Sensen und Abrechen übernehmen freiwillige Helfer wie beispielsweise die Tutzinger Realschüler, die jedes Jahr den Johannishügel abrechen. Schwieriger war es beim Tutzinger Oberfeld. "Auf rutschigen, matschigen Wiesen musste das Mähgut auf großen Planen rausgezogen werden", erinnerte sich Schorn an die schweißtreibende Arbeit. Der Erfolg: Viele seltene Tiere kommen auf den Grundstücken vor, aber auch Pflanzen wie Knabenkraut, Mehlprimeln, Deutscher Enzian, Pestwurz, Langblättriges Hasenohr, Frauenschuh, Schwertlilie oder die Küchenschelle gedeihen dort.

An die 600 Stunden opferten die 14 Ortsverbände 2018 für den Amphibienschutz. An 13 Stellen im gesamten Landkreis tragen die Helfer die Tiere während der Laichzeit über die Straße. "Am allermeisten beschäftigt uns aber der Amphibienschutz an der Weßlinger Umfahrung", so Schorn. Seit 20 Jahren sei dies ein Dauerbrenner beim BN. "Erst haben wir vergeblich versucht, die Straße zu verhindern, jetzt fordern wir Verbesserungen an der Amphibienschutzanlage". Dabei werde es den Naturschützern von den Behörden "sehr, sehr schwer gemacht", kritisierte Schorn. Zehn bis 15 Stunden in der Woche widmet er sich den Weßlinger Amphibien. Derzeit verfasst er wieder eine Mail, um auf Missstände hinzuweisen. "Naturschützer müssen ein dickes Fell haben."

Ausgezeichnet: Günter Schorn (Mitte), Chef der Naturschützer im Landkreis, bekommt von Landesgeschäftsführer Peter Rottner (links neben Schorn) die Goldene Ehrennadel.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Wenn er nicht in Sachen Amphibienschutz am Computer sitzt oder gemeinsam mit den Mitgliedern beispielsweise gegen Pestizide oder für Artenschutz demonstriert, gibt der BN-Vorsitzende Stellungnahmen zu anderen Vorhaben ab. 2018 waren es 74. Im Durchschnitt schreibt er vier Seiten, aber beim Projekt Gewerbegebiet im Unterbrunner Holz wurden es 13 Seiten. Noch immer ärgert sich Schorn über die Aussage, dass der dortige Wald aus "Fichtenstangerln" bestünde. Dort wachse vielmehr ein gesunder Mischwald mit Eichen, der geschützten Tieren eine Heimat bietet, berichtete er der Kreisversammlung. Der Gemeinde Gauting bescheinigte er "Größenwahn" angesichts des riesigen Bauvorhabens.

Für seine jahrelangen Verdienste heftete ihm BN-Landesgeschäftsführer Peter Rottner die Goldene Ehrennadel des Verbands ans Revers. Bei der Neuwahl bestätigten die Mitglieder Schorn als Vorsitzenden. Seine Stellvertreter Ellen Hacker und Michael Stiegler sind beides Biologen. Verena Kellner (Kasse) und Werner Stöckl (Schriftführer) behielten ihre Ämter. Als Delegierte werden Jutta Kreuzer und Constantia Rosendorfer die Interessen der Starnberger vertreten.

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