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Bakterien und Keime:Defekt im Starnberger Klärwerk: Getrübte Badefreuden in der Würm

Leutstetten Würm

Naturschützer sehen es nicht gern, wenn in der Würm - hier bei Leutstetten - gebadet wird oder der Fluss mit SUP, Kajak und Boot befahren wird.

(Foto: Georgine Treybal)

Eine UV-Anlage, mit der das Klärwerk die in den Fluss geleiteten Abwässer zusätzlich reinigt, ist drei Tage lang ausgefallen - mit Konsequenzen für Badende.

Von Peter Haacke

Ein technischer Defekt hat am Wochenende die Abwasserdesinfektionsanlage des Starnberger Klärwerks außer Betrieb gesetzt. Badegäste, die in der Würm Abkühlung suchten, schwammen damit womöglich in weniger sauberem Wasser als erwartet.

Der Abwasserverband Starnberger See hatte nach eigenen Angaben noch am Samstag das Gesundheitsamt des Landkreises und die vier Anrainergemeinden Gauting, Krailling, Planegg und Gräfelfing über den Defekt am Steuerungsmodul eines Beckens informiert, das mit UV-Licht bestrahlt wird. Auf Anhieb zu finden war am Dienstagmittag aber nur ein Hinweis auf der Homepage der Gemeinde Planegg - verbunden mit der dringenden Empfehlung, vorerst nicht mehr in der Würm zu baden: "Der Ausfall der Anlage hat zur Folge, dass insbesondere nach Starkregen die Keimzahlen ansteigen können und die Badewasserqualität gefährdet ist", hieß es dort.

Wie groß eine gesundheitliche Gefährdung für Badefreunde in der Würm durch Bakterien und Keime tatsächlich war, ist im Nachhinein nur schwer abschätzbar. Das Landratsamt in Starnberg jedenfalls sah keine Notwendigkeit, eine umfassende Warnung vor einem Bad in der Würm auszusprechen, zumal der Abfluss des Starnberger Sees ohnehin kein ausgewiesenes Badegewässer sei, wie Pressesprecherin Barbara Beck betont. "Das Gesundheitsamt war informiert, sah aber keinen Grund für ein Badeverbot", so Beck.

Die Würm, die vom Nordende des Starnberger Sees nach rund 39,5 Kilometern bei Dachau in die Amper mündet, gilt im Normalfall ohnehin als extrem sauber. Wer in dem Fluss schwimmt, badet allerdings auf eigene Gefahr, ebenso wie in etlichen anderen Gewässern, die nicht explizit für Freizeitaktivitäten vorgesehen sind.

Der Abwasserverband, der seine Anlagen am Rande des Leutstettener Mooses westlich der Würm zwischen Starnberg Nord und Leutstetten betreibt, habe den Defekt eines Steuerungsmoduls in der Abwasserdesinfektionsanlage am vergangenen Samstag bemerkt, berichtet Geschäftsführer Norbert Impelmann. Zu diesem Zeitpunkt sei noch nicht absehbar gewesen, wann die Anlage wieder in Betrieb gehen könnte. Doch schon am Montag konnte das benötigte Ersatzteil beschafft werden, sagt Impelmann .

Der Defekt an der UV-Anlage - nach Impelmanns Angaben der erste nach 15 Betriebsjahren - habe auf die Funktionalität der übrigen Kläranlage keine Auswirkungen gehabt: Die Abwässer seien weiterhin ordnungsgemäß gereinigt, Bakterien und Keime allein dadurch zu 90 Prozent abgetötet und unschädlich gemacht worden. "Es bleibt immer ein Rest von Bakterien", sagt Impelmann. Gefahr für Leib und Leben habe durch den Defekt jedenfalls nicht bestanden. Überdies sei der Abwasserverband Starnberger See auch gar nicht gesetzlich dazu verpflichtet, Badewasserqualität für die Würm zu garantieren. Seit Dienstagfrüh funktioniert die UV-Bestrahlung wieder. Unabhängig davon sollte nach starkem Regen aufgrund verschiedener Einleitungen sowieso nicht in der Würm gebadet werden.

© SZ vom 12.08.2020

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